Jöddekirchhoff

Manni kallt platt. „Op halvem Wäech“ zwischen Bleibuir („Buir“) und „Weelspötz“ (Wielspütz) liegt ein Friedhof mit nur vier Grabsteinen. Er befindet sich am Fuß eines Steilhangs, unter dem das Bleibergwerk „Gute Hoffnung“ und der Wohlstandsmüll der sechziger Jahre begraben liegen.

Der „Jöddekirchhoff“ liegt außerhalb des Dorfes und sprachlich daneben, denn die Eifeler Juden „kallten“ zwar Platt wie die Christen, aber in die Kirche gingen sie nicht. Sie wurden auch nicht auf dem Kirchengelände bestattet. Sie hatten in Bleibuir, wo ihr Bevölkerungsanteil Ende des 19. Jahrhunderts 20 Prozent betrug, eine eigene Kultusgemeinde mit „Synajooch“ (Bethaus) - und einen eigenen Friedhof außerhalb.

Andreas Simon, der unter dem zweiten Grabstein von rechts, war 1866 Vorsteher dieser Gemeinde. Sie war Ende des 18. Jahrhunderts von Nathan Kaufmann begründet worden. 1866 lebten 49 Eifeler jüdischen Glaubens in Bleibuir, acht davon mit Nachnamen Simon: Andreas, seine Frau Fanny, Sibilla und Laura, Alexander und die Kinder Markus, Lena, Regina und Augusta. Andreas Heumann war Kaufmann. Seine Kinder waren Abraham, Hermann, Julie, Sara, Jakob und Jutha.

Bei Anbruch der propagierten „tausend“ Jahre 1933 gab es bereits keine Juden mehr in Bleibuir. Sie hatten sich mit Niedergang der Bleigrube „Gute Hoffnung“ und angesichts des wirtschaftlichen Aufschwungs am Bleiberg vor 1900 nach Mechernich orientiert. Als die Nazis an die Macht kamen, flohen manche, die meisten kamen im Holocaust um.

Der frühere Verfassungsschutzpräsident Dr. Hans-Josef Horchem, der aus „Meischenich“ stammt, berichtet vom ausgezeichneten „Platt“ der Juden und ihrem bescheidenen Lebensstil: „Die kallte unn lövvte wie mir.“ Die katholische Mehrheit habe sich besser mit ihnen verstanden, als mit den wohlhabenderen und gebildeteren Protestanten.

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.