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Manni kallt Platt: Rohe Kräfte

Manni kallt platt. Wovon das Herz voll ist, davon läuft der Mund über. Auch in der Eifel reden die Menschen viel und ausgiebig von Dingen, die sie am meisten beschäftigen. „Thema Nr. 1“ war in den katholischen Rheinlanden keineswegs die Sexualität. Natürlich wurde darüber „jefespelt“, aber erotisch ist das Ripuarische ein Rohrkrepierer.

Man kann nicht einmal „Ich liebe Dich“ auf Platt sagen, sondern muss um den heißen Brei herum: „Ich hann Dich jäern“ beispielsweise. Die Lustformel „Komm ens jet beij mich beij“ ist im verbalerotischen Entwicklungsland bereits Extase.

Bevorzugten Gesprächsstoff lieferten ausgerechnet gewalttätige Auseinandersetzungen. In der Eifel wurde gerne und ausgiebig „jeklopp“. Es gehörte gewissermaßen zum Brauchtum. Die Kirmesschlägerei diente dem Training der auf den täglichen Bällen sträflich vernachlässigten Oberkörpermuskultur.

Denn der Tanz war zwar eine mit wenig Aufwand zu betreibende Sportart, die von Athleten beiderlei Geschlechts und das auch noch gleichzeitig und gemeinsam ausgeübt werden konnte. Andererseits beanspruchte der Tanz einseitig Beine und Lenden. Die Arme kamen zu kurz. So wurde die Kirmesschlägerei zum Ausgleichssport.

Sie konnte ohne weiteres außer an Kirmes auch am Rand von Hochzeitsfeierlichkeiten oder Fastnachtsaktivitäten ausgeübt werden. Sie wurde stets rituell mit den Worten eingeleitet: „Dohn de Brell uss, mir john führ de Dühr“ („Zieh die Brille aus, wir gehen nach draußen“).

Das belegt den pazifistischen Ursprung der Eifeler Klopperei: „Dohn de Brell uss“, nicht, dass Deine Brille Schaden nimmt, „mir john führ de Dühr“, also raus der verrauchten Wirtschaft an die frische Luft, „führ de Dühr och, domött kee Mobelemang unn kenn Jlaase“ zu Bruch gehen. Welche Fürsorge. Dann wird „jebängelt“, „jebimsch“, „jedreische“ und „jebüsch“ – nicht „jebüesch“, das ist eine andere „Baustelle“ (siehe Eifeler Erotik).

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