Manni kallt Platt: Thomas Anekdoten

Manni kallt platt. „Wenn ich dess Daach ens jet besser drahn senn, dann john ich nohm Dokter“, sagt die Alte, die „de Preck am Liev hätt“ und sie mit Hausmitteln wie heißen Kartoffelwickeln, Schmalzauflage, Bronchialtee und steifem Grog bekämpft: Wenn es ihr die Tage was besser gehe, wolle sie einen Arzt aufsuchen.

Berthold Thoma, nicht etwa Ludwig Thoma, hat diese und viele wahre Geschichten in seinen „Eifeler Anekdoten“ überliefert. Der Kalterherberger hat den Eifelern im Venn dies- und jenseits der deutsch-belgischen Grenze aufs Maul geschaut, was mundarttechnisch kein Problem ist, denn auch die Plattkundigen unter den 60.000 Deutsch sprechenden „Bemmesse“ in Eupen-Malmedy-Sankt Vith bedienen sich – in der leicht singenden Art der „Öcher“ (Aachener) – ripuarischen Zungenschlags.

In einer anderen Anekdote relativiert Thoma Güte, Demut und Liebenswürdigkeit einer von ihren Banneux-Mitpilgerinnen für allzu fromm gehaltenen Kalterherbergerin, indem er deren Nachbarn auf dem Weg zum Bus sagen lässt: „Wenn de Motte Joddes datt Ann su joot kängt, wie ich, die jeusch et zom Deuvel!“

Eine Magd aus dem Norden, die es auf einen Eifelhof verschlagen hatte, erschrak, als der Bauer ankündigte, er gehe jetzt in den Wald, um Anzündholz zu schlagen: „Ich john jetz nohm Bösch, Aahnstauches haue.“ Stante pede eilt sie zur Herrin: „Kommen Sie, Ihr Mann ist auf dem Weg in den Wald, um jemandem den Arsch zu verhauen!“

In der Kirmesnacht scheucht eine Vennfrau ihren Gatten immer wieder aus dem Bett, er solle nachsehen, ob die stattliche Zahl ihrer Söhne wieder daheim sei. Stets meldet der Gatte Unvollzähligkeit, bis nach 3 Uhr, als die Musik „om Saal opjehuert hätt, ze spelle“, da meint er, jetzt könne er ruhig liegen bleiben: „Et senn att zwei mie doo wie me hann.“ Die Söhne hatten offenbar Zechkumpane mitgebracht…

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