Mer zäbschen Lebber Talp

Manni kallt platt. Nicht nur die Stotzheimer Wanderhändler und Handwerker, Kesselflicker („Wannläpper“) und Scherenschleifer hatten eine eigene Geheimsprache, auch die Backofenbauer aus Bell am Laacher See verständigten sich mit einem Sprachcode, damit Fremde weder ihr Backofen-Knowhow noch Preisabsprachen mitbekamen.

Der Name dieser Geheimsprache, „Lebber Talp“, ist Programm: „Beller Platt“ verkehrt rum. Bell wird zu Lebb, Platt zu Talp, Ofen zu Nefo, Backofen zu Kabenefo, Holzbackofen zu Zlohkabenefo. Das Geheimnis der weltweit gefragten Beller Backofenbauer ist der Beller Tuff, aber auch die Kunst des Ofenbaus wurde nur untereinander weitergegeben.

Weil die Lebber Nefoauber während des Ofenbaus im Haus ders Kunden logierten, bedienten sie sich sicherheitshalber des Lebber Talps, um nicht ausgehorcht zu werden. Mit dem Wink „Mer zäbschen Lebber Talp“ (Wir „bätschen“ Beller Platt) wurde „umgeschaltet“.

Ähnlich verhält es sich mit dem Stotzheimer Rotwelsch, das vom Jiddischen und Jenischen stammt. Die Händler vom Erftmühlenbach wollten auf ihren Handelsfahrten nicht „beseibeln“ (betrügen), aber vielleicht hatten sie schon mal „Baschfellchen“ (miserable Ware) von schlechter Qualität („Bizzebeu“) dabei oder sogar „Sore“ (heiße Ware) vom „Sasserer“ (Hehler), die an „Schets“ (Mann, Herr), „Sure“ (alte Frau), „Raufer“ (Arzt), „Rebbe“ (Rabbiner), „Naffke“ (Dirne), „Lachonte“ (Sängerin), „Kafriem“ (Bauer), „Lui“ (Zuhälter) oder „Großkotzem“ (Steinreicher), kurzum an „Freier“ (Kunden) gebracht wurden.

Manchmal war die Ware der „Schrenser“ (Hausierer) „besohl“ (preisgünstig) und doch „toffte“ (gut), dann priesen sie sie eher „stikum“ (leise) an. Man warnte sich auf den Wanderschaften mit „Zinken“ (Geheimzeichen) vor „Zores“ (Streit, Krach), „Teffje“ (schlechten Mädchen), „Schmu“ (Betrug), „Scheikorim“ (Lügnern) und „Spannern“ (Spionen).

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