Trenge Steff

Manni kallt platt. Namen sind in Eifel und Börde weder Schall noch Rauch, sondern von großer Bedeutung. Das gilt für Vor- und Nachnamen, vor allem aber für Hausnamen, die sich unabhängig des Familiennamens der Bewohner über Jahrhunderte halten.

So ist der Autor in seinem Heimatdorf Bleibuir nicht nur „Langs Manni“, sondern „Halffe“, genauso wie der bekannte Schmiedemeister und Restaurator Stefan Pütz in Sistig „Trenge Steff“ gerufen wird.

„Trenge“ heißen Haus und „Pötze Männ“ nach einer offenkundig strengen Urgroßmutter Katharina, die sich die Zeiten überdauernden Respekt im Dorf verschafft hatte. Bekannt sind auch von Vornamen rührende Hausnamen wie „a Chreste“, „Käspesch“, „Mattesse“, „Stenge“, Klöhre“, „Pauelze“, „Dederichs“, „Tieße“, „Hendrichs“, „Klooße“, „Dröggches“ oder „Mechels“.

In der katholischen Eifel wurde grundsätzlich Namenstag gefeiert, keineswegs der Geburtstag, auch wenn beide Anlass gebenden Termine, Geburt und Taufe, nur Stunden auseinanderlagen. „Jedööf“ wurde in Abwesenheit der leiblichen Mutter, die noch das Wochenbett hütete, spätestens drei Tage nach Niederkunft, werktags und im kleinsten Familienkreis, Vater, Patt, Jött unn Pastuhr.

Nach dem Kirchgang war Stippvisite im örtlichen Gasthaus, wo man den Nachwuchs beim Umtrunk begrüßte, sprachlich „pinkele leet“. An den denkwürdigen Tag der Christwerdung erinnerte fortan der Namenstag. Auch die Aussaat- und frühesten Erntetermine im Garten oder schwere Unwetterkatastrophen wurden nach Heiligen benannt.

Überschwemmungen der Erft in Münstereifel sind nach den Feiertagen erinnerlich, an denen sie sich abspielten: Urban (1393), Barnabas (1402), Peter und Paul (1416) und im gleichen Jahr die verheerende Johannisflut, bei der laut einer Denkmalinschrift 1500 Menschen und 3000 Stück Vieh umgekommen sein sollen. Wenn die Steinmetze nicht übereifrig je eine Null zu viel gemeißelt haben…

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