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Die Ungewissheit zermürbt

"Life is a rollercoaster" – das Leben ist eine Achterbahn – ist der Titel eines Songs von Ronan Keating. Das Leben der Mayener Schaustellerfamilie Wingender passt auch zu diesem Lied, mit dem Unterschied, dass es aufgrund der Corona-Pandemie im Moment nur bergab geht.
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Wenn das Coronavirus nicht das Leben auf den Kopf gestellt hätte, würde jetzt in Mayen der 615. Lukasmarkt gefeiert. Die Pandemie hat auch das größte Volksfest im nördlichen Rheinland-Pfalz gekippt. Was für die Stammgäste des Marktes einen unschönen, aber sicher verschmerzbaren Verzicht darstellt, ist für die Schausteller und den Handel existenzbedrohend. In Mayen wurde am Wochenende mit einem Herbst- und Genussmarkt versucht die Einnahmeverluste der Schausteller und des Einzelhandels zumindest ein bisschen zu kompensieren. Ein Riesenrad von Wolfgang Wingender, dass sich noch bis Ende Oktober auf dem Marktplatz drehen soll, ist das äußere Zeichen, dass der Schausteller und die MY-Gemeinschaft zusammen mit der Stadt versuchen, ein Stück "Normalität" entgegen zu setzen. Tristesse trotz Sonnenschein Der eigentliche Lukasmarkt-Starttag präsentierte sich mit Kaiserwetter: blauer Himmel über der Stadt und doch schwang herbstliche Tristesse mit. "Für uns ist es ein ganz komisches Gefühl", sagt Martina Wingender-Barth. Mayen ohne Lukasmarkt mache sie sehr traurig. "Das Zermürbende ist aber die Ungewissheit. Niemand weiß, wie es weitergeht und wann wir unser Geschäft wieder aufnehmen können", beschreiben die Wingenders die aktuelle Situation. Wenn sie an das gute Wetter der vergangenen Monate zurückdenken, werden sie noch nachdenklicher. "Dieses Jahr hätte eine richtig tolle Kirmessaison werden können und dann müssen die Fahrgeschäfte unserer Betriebe in der Halle stehen. Das tut dann richtig weh", beschreibt Martina Wingender-Barth die aktuelle Lage der Wingender-Schaustellerbetriebe, die mittlerweile drei Generationen ernähren müssen. Zu allem bereit Die Wingenders haben aber alle Register gezogen, um die finanziellen Einbußen so gering wie möglich zu halten. Im Sommer konnten sie ihr Riesenrad zweieinhalb Monate am Moselufer in Bernkastel aufstellen. "Wir hatten von den Gästen, den Händlern und Gastronomen sehr viele positive Rückmeldungen. Als in Wittlich die Säubrenner-Kirmes abgesagt wurde, kam eine Frau zu uns, die sagte, dass sie die Fahrt mit unserem Riesenrad als Ersatz ansehe. Die Menschen wollen und brauchen die Kirmes", erzählt die Schaustellerin, die froh war, als sie in Mayen von der MY-Gemeinschaft angesprochen wurden, um das Projekt auch in der Eifelstadt umzusetzen. "Wir müssen für uns und für Mayen kämpfen und wir sind auch für alles zu haben", sagt Martina Wingender-Barth und man merkt, dass sie dazu bereit ist. Dass, das Standgeld in Mayen erlassen wurde, erleichtere ihre Situation. Jetzt hoffen die Wingenders auf gutes Wetter, denn das Riesenrad soll sich ja bis zum Ende des Monats drehen. "Wir versuchen auch noch die ein oder andere Aktion einzustreuen. Vielleicht gibt es eine Weinprobe oder ähnliches", so Wolfgang Wingender.  Fotos: Pauly