Jutta Kruft

Erste Kriegsflüchtlinge bewerben sich am regionalen Arbeitsmarkt

Arbeitslosigkeit in und um Koblenz geht im Mai wegen der Neuankömmlinge aus der Ukraine weniger stark zurück als üblich

Kreis. Trotz Corona und Ukraine-Krieg behält der Arbeitsmarkt in und um Koblenz seinen üblichen Rhythmus bei: Im Mai sinkt die Zahl der arbeitslosen Frauen und Männer in der Stadt - wenn auch eher verhalten - um 73 auf nun 3.445. Deutlicher fällt der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr aus, als am Deutschen Eck 641 Menschen mehr arbeitslos gemeldet waren. Die Arbeitslosenquote liegt Ende Mai bei 5,5 Prozent und damit um 0,1 Punkte unter dem Wert des Vormonats. Im Mai 2021 lag sie noch bei 6,6 Prozent. Ganz ähnlich stellt sich die Lage im Landkreis Mayen-Koblenz dar, wo Ende Mai 3.518 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet sind. Das sind 74 weniger als im April und 614 weniger als im Mai 2021. Die Arbeitslosenquote sinkt binnen vier Wochen um 0,1 Punkte auf 3 Prozent. Vor einem Jahr lag sie bei 3,5 Prozent. Dass die Frühjahrsbelebung in diesem Jahr eher verhalten ausfällt, erklärt Frank Schmidt, Leiter der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen, so: "Es sind tatsächlich die ers-ten Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten in der Ukraine, die sich bereits bei uns oder in den Jobcentern gemeldet haben, die diese Zahlen beeinflussen. Ohne diesen Effekt wäre der Rückgang der Arbeitslosigkeit deutlicher ausgefallen."

Vorübergehender Effekt

Allerdings halte er dies für einen vorübergehenden Effekt, betont der Agenturleiter. "Die meisten der Menschen, die sich bei uns melden, sind gut qualifiziert und werden sich deshalb auch ohne größere Probleme integrieren lassen." Der Stellenmarkt reagiert auf die aktuellen Herausforderungen eher zurückhaltend. 523 zusätzliche Stellenangebote wurden dem Arbeitgeberservice der Agentur in den letzten vier Wochen gemeldet - rund 100 weniger als im April. Insgesamt sind damit zum Monatsende in der Arbeitsagentur dennoch knapp 3.700 offene Stellen aus der Region gemeldet. Eine durchaus beachtliche Zahl, meint Schmidt. "Und fast 700 mehr als vor einem Jahr. Zunehmend schwierig gestaltet sich nach den Krisen der letzten beiden Jahre, aber auch angesichts des demografischen Wandels die Lage am Ausbildungsmarkt. Wäh-rend der Fachkräftebedarf in den Unternehmen steigt, nimmt die Zahl der potenziellen Bewerber*innen kontinuierlich ab. Dies spiegelt sich in der Statistik. So meldeten sich im laufenden Ausbildungsjahr - es begann im Oktober 2021 und endet im September 2022 - 1.364 junge Menschen aus Koblenz und dem MYK-Kreis bei der Berufsbera-tung, um sich bei der Suche nach einem Studien- oder Ausbildungsplatz helfen zu lassen. Das sind 107 weniger als im letzten Jahr. Gleichzeitig meldeten regionale Be-triebe 2.028 Ausbildungsstellen - 56 mehr als vor einem Jahr. Zurzeit gibt es laut Statistik in und um Koblenz noch 560 unversorgte Jugendliche und 1.132 offene Ausbildungsstellen. "Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage geht jedes Jahr weiter auseinander - zu Lasten der Unternehmen. Dem gegenzusteuern, indem wir vor allem den jungen Menschen, die unentschlossen sind, eine Perspektive bieten, ist eine unserer wichtigsten Aufgaben" betont Frank Schmidt. Eine Möglichkeit bietet sich bei den Azubispots am kommenden Freitag vor dem Kob-lenzer Schloss, wo zwischen 9 und 15 Uhr auf Initiative von Arbeitsagentur, IHK und HwK rund 100 Arbeitgeber ihre Betriebe und Ausbildungsstellen präsentieren. Darüber hinaus werden junge Menschen und ihre Eltern auf Wunsch umfassend beraten. Der Besuch der Veranstaltung ist kostenlos, Anmeldung nicht erforderlich. Termine bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur können auch kurzfristig un-ter der Hotline 02651 - 950 333 vereinbart werden. Die Beratung ist kostenlos.


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