Ein Diakon, ein Bauer, Tausendsassa und »Eifeler Original«

Menschen aus der Region. »Wann lümmelt Manni Lang eigentlich mal auf dem Sofa?« Die Antwort überrascht: »Viel öfter, als mancher denken wird.« Zweifel an der Aussage sind erlaubt. Denn Manfred »Manni« Lang vereinigt viele Talente und Professionen in einer Person. Er ist Journalist, Inhaber und Chef einer Presseagentur, ständiger Diakon, Landwirt, Buchautor, Rezitator, Moderator und ein gefragter Redner. Dennoch, am Ende des Gesprächs glauben wir ihm ? der Mann, der in Lückerath in einem alten Fachwerkhaus lebt, kennt auch den Müßiggang.

Prägend für das spätere Leben von Manni Lang ist sicherlich seine Herkunft. Er wurde 1959 in Bleibuir geboren, einen Steinwurf von der alten Schule entfernt, in der sich heute die Büros seiner Presseagentur »profipress« befinden. Er wuchs in einem landwirtschaftlich geprägten Elternhaus auf, in dem der Glauben natürlicher Bestandteil des alltäglichen Lebens war. Er besuchte die Volksschule in Bleibuir und baute schließlich sein Abitur am Gymnasium in Mechernich.

Benediktbeuren

Nach der Matura sollte sich, nach absolvierter Bundeswehrzeit, eigentlich ein Theologiestudium (»Pastor wollte ich aber nicht werden«) in Benediktbeuren anschließen. Sollte, hätte ihn sein Vater nicht 1980 Richtung Gemünd geschickt. Er sollte dort die Redaktion der Kölnischen Rundschau aufsuchen, damit die Zeitung Werbung für das Jubiläum des heimischen Sportvereins machen sollte. »Als ich die Redaktionsräume betrat«, erinnert sich Manni Lang, »saß dort der Redakteur Peter Kersken, der mich aufforderte, die entsprechende Meldung doch selbst zu schreiben.« Er kam der Aufforderung nach, stellte sich »net dumm« an und erhielt schließlich das Angebot eines Volontariats. Zuhause hatte er allerdings Schwierigkeiten, den Eltern seinen neuen Berufswunsch schmackhaft zu machen: »Mein Vater willigte erst ein, nachdem ich ihm versprochen hatte, mit meinen Beruf auch eine Familie ernähren zu können.«

Journalist

Manfred Lang wurde zunächst bei der Kölnischen Rundschau und später beim Kölner Stadt-Anzeiger ein angesehener Lokalredakteur, der für seine kritische Berichterstattung, aber auch für seine Heimatverbundenheit geschätzt wurde. Diese Bodenständigkeit und Verwurzelung in Eifeler Erde zeigte sich bereits früh. Schon als junger Wehrdienstleistender schaffte sich Manni Lang seine erste beide Schafe an. Bis heute ist er ein bei der Landwirtschaftskammer anerkannter Bauer, der eine 30-köpfige Schafsherde hält und gerne mit seinen Söhnen in den Wald zieht, um Holz zu machen. Die tägliche Arbeit im Stall ist für ihn aber keine Anstrengung und Mühsal.

Archaische Arbeit

»Ich brauche diese archaische Arbeit mit den Händen. Sie ist für mich ein wichtiger Ausgleich zu meinen Berufsleben«, so der Bauer Lang. »Es kommt vor, dass ich abends, wenn wir drei Meter Holz gesägt, gespalten und sauber gestapelt haben, noch einmal vor die Türe trete, um mir den Stapel glücklich und zufrieden eine halbe Stunde lang zu betrachten.« Das Jahr 1989 sollte einen Wendepunkt im Leben des Manni Lang darstellen. Als »Katholik in der Mauser« gab er dem jahrelangen Drängen von Bekannten nach und entschloss sich, an einer Fußwallfahrt nach Kevelaer teilzunehmen. »Lust«, sagt Lang, »hatte ich dazu gar nicht. Schließlich habe ich zugesagt unter der Maßgabe, nicht die ganze Zeit zu beten, sondern als Journalist eine Reportage darüber zu schreiben.« Sie ist nie erschienen. Denn schon am ersten Morgen machte Manni Lang eine tiefe, spirituelle Erfahrung: »Ich hatte die Erkenntnis, dass Kirche nicht ein bestimmter Personenkreis ist, sondern Kirche tief in mir drin ist.«

Diakon

Lachend erzählt er, wie er kurz danach an der Tür des Pastorats in Bleibuir klopfte und der Pfarrer oben aus dem Fenster heraus rief: »Wat willste?« Die Antwort: »Ich will helfen.« Das tat er zunächst als Mitglied im Pfarrgemeinderat, im Kirchenvorstand und als Lektor. Dann fiel ihm eine Broschüre in die Hände, die ihn über die Möglichkeit informierte, ständiger Diakon zu werden. »Das bist doch du«, mit diesen Worten gaben ihm seine Ehefrau und seine Familie grünes Licht, diesen Weg einzuschlagen. Manni Lang machte das Fernstudium in Theologie und wurde schließlich zum Diakon im Hohe Dom zu Aachen geweiht. Er kündigte seinen sicheren Job als Lokalredakteur und gründete eine eigene Presseagentur.

Seelsorge

»Nur so«, sagt der Diakon, »hatte ich die Freiheit, meine Zeit frei einteilen zu können.« Denn Tauf- oder Trauergespräche und die Seelsorge waren ihm zu wichtig, um sie mit dem unsteten Leben eines Journalisten vereinbaren zu können. »Diese Seelsorge«, so Manni Lang, »ist für mich auch keine Arbeit. Es sind Aufgaben, die ich mit Freude und Demut erfülle.« »Ich gehöre in diese Region, ich bin ein Kind dieser Region«, macht Manni Lang aus seiner Heimatverbundenheit keinen Hehl.

Ein Mann aus der Eifel

Diese Verbundenheit spiegelt sich auch in seinen Büchern wieder, deren Texte sich immer wieder mit der Eifel beschäftigen ? mal humorvoll, mal melancholisch, oft auch kritisch. Sehr oft setzt er dabei die Geschichte und die Geschichten dieses Landstrichs in den Kontext zur heutigen Zeit. Kurzum: Auch wenn er es wohl leugnen würde, so gehört Manni Lang in die Reihe der Personen, denen er immer »aufs Maul« geschaut hat und die er gerne zitiert ? er ist im besten Sinne ein »Eifeler Original«.

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geb. 1959 in Bleibuir, lebt in Lücke­rath

Autor und Herausgeber zahlreicher Eifel-Bücher

gelernter Redakteur

seit 2005 selbstständig mit der Agentur ProfiPress

ständiger Diakon

Landwirt

verheiratet und Vater von drei Kindern

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