Bleifüßen wird flexibler zu Leibe gerückt

»Wenn wir damit den Verkehr beruhigen und Gefahrenpunkte sicherer machen, dann ist unser Ziel erreicht. Denn Geld abzocken wollen wir - entgegen aller Behauptungen - ganz sicher nicht.«
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 Dass Buß- und Verwarngelder wegen Geschwindigkeitsüberschreitung eine Einnahmequelle für Kommunen ist, darum macht Birgit Nolte, Kreisdirektorin der Städteregion Aachen keinen Hehl. Schließlich hat man 2020 4,4 Millionen Euro damit eingenommen. »Und doch wäre es uns doch allen lieber, es brauche solche Messanlagen gar nicht«, versichert Dirk Meyer, Leiter der Bauverwaltung der Gemeinde Roetgen. Da aber viele Verkehrsteilnehmer uneinsichtig sind, dass zu schnelles Fahren eine Hauptursache für Verkehrsunfälle ist, gibt es 970 Messstellen in den Kommunen des ehemaligen Kreises Aachen. Eine davon wird künftig  durch die »semistationäre Geschwindigkeitsmessanlage Typ TraffiStar S 350« sicherer gemacht. Das ist ein 1,4 Tonnen schwerer, transportabler Anhänger, der mit zwei Kamerasystemen bestückt im 24-Stunden-Betrieb mehrere Fahrspuren auf Geschwindigkeitsverstöße überwachen kann. »So wird eine größere Flexibilität in der Geschwindigkeitsüberwachung erreicht. Das wiederum trägt zur Erhöhung der Verkehrssicherheit bei – gerade auch nachts und an Wochenenden«, weiß Mario Desombre, Leiter des Amtes für Ordnungsangelegenheiten der Städteregion.

Erste Station: Rosentalstraße

»Die Schule hat begonnen und damit steigt auch die Gefahr, der besonders die Neulinge im Straßenverkehr ausgesetzt sind«, so Susanne Bortot, Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule Roetgen. Denn vor dem Bürgersaal in der Rosentalstraße hat die »mobile Blitze« ihre ersten Fotos gemacht. »Ich glaube, ich habe das Gerät eingeweiht«, scherzt ein Autofahrer im Vorbeifahren, der mutmaßt nur leicht zu schnell gewesen zu sein. Das Ergebnis erfährt er, wenn die Daten ausgelesen worden sind.
»Die Akku-Leistung reicht bei Einsatz beider Kameras eine Woche«, erklärt Desombre. Auch gegen Diebstahl, Vandalismus und Brand sei die 250.000 Euro teure Anlage gesichert. »Das Laserscanner-Geschwindigkeitsmessgerät wird unsere drei mobilen Einheiten unterstützen - zudem gibt es 24 feste Messstellen«, so Birgit Nolte. Die ständig wechselnden Standorte des Messanhängers werden ebenso wie die mobilen Einheiten veröffentlicht. »Denn wir wollen sensibilisieren und nicht abzocken«, versichert sie noch einmal.

Messgerät mit Laserscanner

Es sind keine Messsensoren auf der Straße notwendig. Damit fallen Verlegungs-, Eich- und Unterhaltungskosten weg.
Das Messgerät kann mehrere Fahrspuren gleichzeitig überwachen und damit mehrere Verstöße selektieren.
Ist nur eine Kamera eingesetzt, erkennt der Verkehrsteilnehmer nicht, in welche Fahrtrichtung gemessen wird.
Laserscanner messen Fahrzeuge in größerer Entfernung, sodass auch der geahndet wird, der erst kurz vor der Anlage abbremst, um unmittelbar danach wieder zu beschleunigen.
Fahrzeuge, die die Linksabbiegespuren befahren, können ebenfalls geahndet werden.