Thomas Förster

»Bürgermeister wird einer von uns«

Bei der Bürgermeisterwahl geht es um Politik vor der Haustüre: Genau deshalb hatte das St. Michael-Gymnasium die vier Bewerber zur Diskussionsrunde geladen.
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Erstwähler am St. Michael-Gymnasium stellten den Monschauer Bürgermeisterkandidaten Fragen aus den Bereichen Bildung und Digitalisierung, ÖPNV, Wirtschaft und Jugendpartizipation.

Erstwähler am St. Michael-Gymnasium stellten den Monschauer Bürgermeisterkandidaten Fragen aus den Bereichen Bildung und Digitalisierung, ÖPNV, Wirtschaft und Jugendpartizipation.

Foto: Thomas Förster

Eifel (Fö). Junge Menschen für Politik zu begeistern ist nicht immer einfach. »Ich habe Politik in der Schule mit viel Theorie und ödem auswendig lernen verbunden«, gesteht Carmen Krämer. Das ist rund 20 Jahre her und nun ist sie ans Monschauer Gymnasium zurückgekehrt, um bei den Erstwählern darum zu werben, sie zur Bürgermeisterin der Stadt Monschau zu wählen. Und dieses Vorhaben teilt sie mit Micha Kreitz, Werner Maaßen und Henri Wegenka – allesamt haben einst am St. Michael-Gymnasium ihr Abitur gemacht und wollen nun Chef ihrer Heimatstadt werden. »Sie waren alle Schüler an unserem Gymnasium, haben danach unterschiedliche Wege eingeschlagen und sind uns doch verbunden geblieben«, lobt Schulleiter Dr. Bernd Gotzen. »Vielleicht sitzt unter Euch ja auch einer, der irgendwann mal als Bürgermeister-Kandidat antritt«, scherzt Gotzen und sorgt für erste lebhafte Diskussionen unter den Schulen.

Organisiert vom Bildungsbüro der Städteregion Aachen und vorbereitet im Unterricht für Sozialwissenschaften hatten rund 200 Jugendliche die Gelegenheit, den vier Kandidaten auf den Zahn zu fühlen. Und gerade die, die auch tatsächlich in der Stadt Monschau leben und für die am 15. Mai zwei Wahlen anstehen, machten von dieser Gelegenheit Gebrauch.

Ehe das Quartett einhellig versicherte, junge Menschen stärker ins politische Geschehen einbinden und ein entsprechendes Gremium bilden zu wollen, war es an Kreitz, Krämer, Maaßen und Wegenka, drei ihrer Stärken zu nennen. »Hartnäckigkeit, Neugierde und Kochen«, nannte der 43-jährige Schulleiter Micha Kreitz. Krämer warb mit Empathie, Kommunikationsfähigkeit und Gerechtigkeitssinn für sich, während Maaßen sich als geradliniger und heimatverbundener Musiker bezeichnete. Wegenka sieht sich hingegen bürgernah, verantwortungsbewusst und modern.

Digitalisierung an Schulen schleppend

Thematisch stieg Moderator Steffen Mingenbach mit der »Digitalisierung« in die Diskussionsrunde ein. Während Werner Maaßen kritisierte, dass die Schulen bei der digitalen Infrastruktur weit hinterher hinken, wusste Micha Kreitz, dass sich einiges tue, es aber auch daran scheitere, dass etwa digitale Tafeln nicht geliefert werden könnten. Henri Wegenka hob heraus, sich für einen höheren Stellenwert des Bildungssektors einsetzen zu wollen und Carmen Krämer versicherte den Schülern, sie ihn künftige Investitionen einbinden zu wollen, um zielgerichtet Anschaffungen zu tätigen.

Beim ÖPNV kritisierten die Schüler, dass der NetLiner zu selten fahre. Werner Maaßen und Micha Kreitz wollen das Angebot Schritt für Schritt erweitern und auch andere Kommunen anfahren, gaben aber auch zu bedenken, dass das der städtische Haushalt bezuschussen muss. Carmen Krämer und Henri Wegenka gingen noch einen Schritt weiter und wollen ein attraktives Busangebot nicht nur Richtung Aachen, sondern auch nach Kall oder Düren, um auch die Rheinschiene erreichen zu können. Krämer will auch eine Plattform für Mitfahrgelegenheiten.

Um den Wirtschaftsstandort Monschau sorgt sich eine Gruppe von Schülern. Micha Kreitz will neue Gewerbeflächen schaffen, um weitere Unternehmen in die Stadt Monschau zu locken. Henri Wegenka will einen Bieterwettbewerb unter den Kommunen verhindern und auf mehr Zusammenarbeit setzen, um die Nordeifel wirtschaftlich zu stärken und Betriebe in den ländlichen Raum zu locken. Carmen Krämer will durch Erweiterungen und Aufstockungen von bestehenden Gebäuden neuen Raum schaffen, mehr mit den Hochschulen kooperieren und so den ländlichen Raum an attraktive Arbeitsplätze anbinden. Werner Maaßen sieht auch in diesem Bereich die Digitalisierung als wichtigen Baustein. »Die Infrastruktur muss verbessert werden, damit wir von überall aus arbeiten können«, fordert er und will sich dafür einsetzen.

Das Quartett wollte keine Luftschlösser bauen und gab den Schülern zu verstehen, dass es derzeit keinen Spielraum dafür gebe durch Steuersenkungen Bürger und Betriebe zu entlasten.

Noch mehr Fragen beantworten die vier Kandidaten in ihren Videos auf www.dasgeht.de