Die Psyche kauft mit ein

Sie stellen die Versorgung sicher in der Corona-Krise, sie meistern Hamsterkäufe, Sicherheitsvorkehrungen und müssen sich sogar mit uneinsichtigen Kunden herumschlagen - die großen und kleinen Lebensmittler in der Region.
Bilder
Video

»Als der erste Corona-Fall in Heinsberg durch die Medien ging, haben die Menschen bei uns die Regale leergeräumt«, erinnert sich Michael Rieck an jenen geschichtsträchtigen 27. Februar. Seither sind immer wieder Toilettenpapier und Tiefkühlgemüse, Mehl oder gar Brot Mangelware in den Einkaufsgeschäften der Region. »Bestellungen erfolgen heutzutage automatisch über das Warenwirtschaftssystem«, erklärt der Betreiber der REWE-Märkte in Simmerath und Schleiden. Anhand prognostizierter Verkaufszahlen werden die Produkte nachgeordert. »Natürlich können wir da eingreifen, aber dann muss es auch der Lieferant vorrätig haben und der Erzeuger mit der Produktion nachkommen. Vieles geschieht heute just-in-time«, weiß Rieck. So waren etwa zwischenzeitlich die Brotregale leer, weil es keine Verpackung mehr gab. »Das ist alles Psychologie«, weiß Rieck aus Gesprächen mit Fachleuten. Wenn ein Kunde fünf Packungen Toilettenpapier im Wagen hat, denkt man, man müsse sich auch derart eindecken.

Umsatzeinbruch nach der Krise?

Den nächsten Schub erlebten Rieck und seine Kollegen am 13. März, als Belgien ankündigte, die Grenzen zu schließen und die Kunden aus dem Nachbarland im Monschauer Land hamsterten. »Natürlich hatten wir immer Sorgen, dass das Kaufverhalten irgendwann einbricht - dann bleiben wir gerade auf der Frischware sitzen«, erklärt ein nicht näher genannter Kollege aus der Lebensmittel-Branche. Doch das werde wohl in dieser Krise nicht mehr passieren. Und doch wissen die Beiden, dass die Zukunft ungewiss ist. »Wenn die Regelungen gelockert werden und die Menschen etwas beruhigter sind, werden sicher die Vorräte verbraucht«, glaubt Rieck. Und wenn der Tourismus nicht so floriere wie in den Vorjahren, bekämen das auch die Lebensmittler in der Eifel zu spüren.

Uneinsichtig und dreist

Zum Schutz von Kunden und Mitarbeitern sind die Lebensmittler frühzeitig tätig geworden. So wurden Schilder aufgehangen und Aufkleber auf dem Boden angebracht, um die Kunden um ein angemessenes »Abstand halten« zu bitten. Auch seien die Kassen fast durchgehend besetzt, um Schlangen zu vermeiden. Der Kassenbereich wurde mit Plexiglas versehen, damit Kassierer und Kunde nicht in direkten Kontakt kommen. Ebenso werde in den meisten Geschäften um Kartenzahlung statt Bargeld gebeten. »Die allermeisten Kunden halten sich an die Vorgaben und befolgen die Regelungen, die ja nicht wir machen, sondern die von Behörden gefordert werden, um das Infektionsrisiko zu minimieren«, so Rieck.
Doch manche, so ergänzt sein Kollege, seien unbelehrbar. Da werde an der Kasse gedrängelt, der Spuckschutz aus Plexiglas umgangen, über Flatterband an der Fleischtheke geklettert und genüsslich ein Pläuschen gehalten. »Wir haben Krankmeldungen von Kassiererinnen, die sich verbal aufs Übelste haben beleidigen lassen müssen«, ärgert sich Rieck über mangelnden Respekt. Denn die Mitarbeiter würden sich durch ihren Einsatz doch tagtäglich einer gewissen gesundheitlichen Gefahr aussetzen - und dann werde ihnen selbst das Desinfektionsmittel an der Kasse entwendet... Und das Ordnungsamt sei so manchem Kollegen auch auf den Hals gehetzt worden, um die Hygienemaßnahmen zu kontrollieren. »Wir tun alles, um die Bevölkerung bestmöglich zu versorgen und eine Infektionsgefahr zu minimieren. Aber da muss auch jeder etwas zu beitragen«, wirbt Rieck bei den ganz wenigen uneinsichtigen Kunden um ein Umdenken
Es geht auch anders: Das geschlossene Semirs Restaurant hat die REWE-Mitarbeiter als Dankeschön mit Lasagne bekocht...

Sicherheitsdienst beim Ostereinkauf

Lebensmittler, die ihre Geschäfte geöffnet haben, müssen dafür Sorge tragen, dass nicht zu viele Kunden gleichzeitig einkaufen. Der Abstand müsse gewahrt werden.
»Vor den Osterfeiertagen werden Securities eine Einlasskontrolle vornehmen«, erklärt Michael Rieck. Nur so könne man dem zu erwartenden Ansturm gerecht werden.
Übrigens: Süßigkeiten für das Osterfest gibt es schon jetzt vielfach zu vergünstigen Preisen, da die Branche sich sorgt, dass das Kontaktverbot den Verkuaf von Schokohasen und änhlichem drastisch einbrechen lässt.