Eifeler machen es den Langfingern schwer

»Wir haben die besten Zahlen seit zehn Jahren. Und doch ist eines klar: Jede Straftat ist eine zuviel. Denn das Leid der Opfer ist unermesslich.« Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach stellte die Kriminalitätsstatistik 2017 vor.
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Das Sichern von Häusern und Wohnungen - übrigens gerade auch tagsüber - sowie ein wachsames Auge des Nachbarn sind unerlässlich. Denn: Ehe die Polizei kommt, ist der Einbrecher in der Nordeifel meist über alle Berge. Archivfoto

Das Sichern von Häusern und Wohnungen - übrigens gerade auch tagsüber - sowie ein wachsames Auge des Nachbarn sind unerlässlich. Denn: Ehe die Polizei kommt, ist der Einbrecher in der Nordeifel meist über alle Berge. Archivfoto

Eifel (Fö). Und dabei nimmt die Eifel mal wieder eine positive Vorreiterrolle ein. Die Kriminalitätsrate in der Stadt Monschau und den beiden Eifelgemeinden Simmerath und Roetgen ist 2017 im Vergleich um 9,04 Prozent zurückgegangen. Das verkündeten der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach und Thorsten Müller von der Direktion Kriminalität im Polizeipräsidium. Behördenweit konnten mit 49.142 Straftaten 4.464 Fälle weniger (-8,3 Prozent) vermeldet werden. Das ist der zweitniedrigste Wert der letzten zehn Jahre. »Erfreulich ist, dass unsere vielfältigen Maßnahmen das Sicherheitsgefühl der Bürger verbessern konnten«, stellt Dirk Weinspach fest. Schließlich seien Wohnungseinbrüche in der Region um 19 Prozent gesunken, die Straßenkriminalität habe um 14,7 Prozent abgenommen und auch Gewalttaten wurden um fünf Prozent weniger verübt.

Straftaten gehen um neun Prozent zurück

Insgesamt verzeichnete die Polizei 2017 in Monschau, Simmerath und Roetgen 1247 Straftaten und somit 124 weniger als 2016. Die Aufklärungsquote im Südkreis sank hingegen leider erneut: um vier Prozentpunkte auf 41,3 Prozent. Da kann der ländliche Raum mit dem regionalen Durchschnitt nicht mithalten - den »kreisweit« werden 52,7 Prozent aller Straftaten aufgeklärt. Rückläufige Straftaten gibt es besonders im »Tor zur Eifel« zu verzeichnen. Dort gingen die Fallzahlen um 32 Prozent zurück. In der Gemeinde Simmerath waren es 7,4 Prozent weniger, in der Stadt Monschau hingegen 6 Prozent mehr (+25 Straftaten).

Kein Mord oder Totschlag in der Eifel

Auch wenn in der Region 26 Mal der Versuch von Mord oder Totschlag erfasst wurde (fünf davon wurden vollendet), so gibt es auch in diesem Jahr keinen Todesfall in der Eifel zu beklagen. Zwei Vergewaltigungen und zwei Missbrauchsfälle an Kindern (Vorjahr insgesamt neun) konnten aufgeklärt werden. Weiterhin niedrig sind die Fälle im Bereich der Raubdelikte. Hier weist die polizeiliche Statistik für 2017 fünf Fälle auf - zwei mehr als 2016. Im Bereich der Diebstähle sank die Quote um zehn Prozent von 559 auf 516 Fälle.

Wachsame Nachbarn erhöhen Sicherheit

Nach einem deutlichen Rückgang in 2016 wurden nun mit 67 Wohnungseinbrüchen stagnierenden Zahlen vermeldet. Allerdings sank die Rate der Aufklärung in diesem Bereich von 17,91 auf 4,55 Prozent. Einbrüche am Tag (zwischen 6 und 21 Uhr) gingen um 54 Prozent zurück (2016: 24, 2017/11). Ladenbesitzer mussten eine aufgebrochene Türen und/oder Fenster mehr verzeichnen. Die Zahl liegt eifelweit bei 23. Diebstähle von Kraftwagen, Krafträdern oder Fahrrädern bliebt mit 70 Fällen nahezu gleich (2016: 71). Jedoch sanken leider auch hier die Aufklärungsquoten, die eh schon auf einem neidrigen Niveau liegen.

Organisierte Kriminalität

»Geben Sie Acht auf Ihr Hab und Gut«, appelliert Dirk Weinspach gerade beim Einkauf an die Bürger. 14 Taschendiebstähle in der Eifel (2016: 4) liegen im Trend. »Verstärkt sind organisierte Banden aus Südosteuropa oder Nordafrika unterwegs«, bedauert Weinspach. »Halten Sie ihre Tasche gerade im Gedränge eng am Körper und vermeiden Sie unübersichtliche Situationen.« Kein einziger Langfinger konnte geschnappt werden. Anders in Geschäften: Dort wurden 80 Prozent der 30 Straftaten aufgeklärt. Sorgen bereiten Dirk Weinspach Betrugsdelikte - besonders über das Telefon. »Gerade ältere Menschen werden Opfer, wenn sich ein vermeintlicher Polizist meldet. Solch ein Vorgehen werden Sie nie bei einem wahren Polizeibeamten erleben.« Trauriger Höhepunkt ist eine ältere Frau aus Aachen, die um 355.000 Euro erleichtert wurde, weil sie glaubte, ihr Geld bei zwielichtigen »Polizisten« besser aufgehoben zu haben als bei ihrer Bank. Um den allgemein »guten« Trend der Kriminalitätsstatistik weiter fortführen zu können, hofft Dirk Weinspach auf mehr Personal. »Die hohe Belastung der Mitarbeiter kann nicht ewig so weiter gehen.« Zwar habe das Land neue Stellen bewilligt, eingestellt sind sie jedoch noch nicht. Und die Ausbildungsoffensive trage noch keine Früchte, auch wenn man sich vor Bewerbern im positiven Sinne kaum retten könne.

Weniger Straftäter in der Eifel

Die Häufigkeitszahl (HZ) drückt rechnerisch die durch Kriminalität verursache Gefährdung der Bevölkerung aus und stellt die Delikte mit 100.000 Einwohnern in Relation. Auf die drei Nordeifel-Kommunen entfällt dabei eine HZ von 3.467 (2016: 3.793). Der HZ-Durchschnitt der Kreispolizeibehörde Aachen liegt bei 8.872 (2016: 9.678) Negativer Spitzenreiter ist die Stadt Aachen mit 12.063 Delikten pro 100.000 Einwohner (2016: 12.947) https://aachen.polizei.nrw