»Fröhder hech dat jangs angisch«

»Was ist das für eine Geheimsprache, mit der Du mit Oma und Opa sprichst?«, fragt der Knirps neugierig nach dem kürzlichen Besuch bei den Großeltern. »Das ist keine Geheimsprache - das ist Eifeler Platt. So haben früher alle Menschen hier gesprochen.« Einer, der es heute noch voller Überzeugung tut und seine »Muttersprache« für nachkommende Generationen erhalten will, ist Mundartdichter Franz-Willi Hirtz.
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Franz-Willi Hirtz ist erfolgreicher Buchautor, Gedichteschreibe und Verfechter des Eifeler Platt. Seine Lesungen in Mundart erfreuen sich großer Beliebtheit.

Franz-Willi Hirtz ist erfolgreicher Buchautor, Gedichteschreibe und Verfechter des Eifeler Platt. Seine Lesungen in Mundart erfreuen sich großer Beliebtheit.

»Do ös at widder ene wönnijer, dä Platt mulle kann (Schon wieder einer weniger, der Plattdeutsch sprechen kann; Anm.d.Red.)«, sinniert der 68-Jährige, als die Totenglocke ertönt. »Und mit jedem Todesfall geht ein Stück Heimatgefühl und Identifikation verloren«, glaubt Franz-Willi Hirtz. Während die Bayern ihr »Mia san Mia«-Gefühl offen in die Welt tragen und das wirtschaftlich starke Baden-Württemberg unumwunden zugibt: »Wir können alles, nur kein Hochdeutsch«, sei das »Eifeler Platt« lange Zeit als Sprache der unterprivilegierten Eifelbauern verpönt gewesen. »Dabei ist es eine so schöne Sprache«, versichert Hirtz. Wer das nicht glaubt, sollte einmal einer Lesung des Mundartdichters beigewohnt haben. Seine feinfühlige und tiefsinnige Art, geradezu klassisch-lyrisch mit der oft eckigen und harten Mundart umzugehen, bringt ihm regelmäßig Lob und Anerkennung ein. Zu unterschiedlichsten privaten und öffentlichen Feiern und Anlässen - etwa bei der Siegerehrung zum Wettbewerb »Unser Dorf hat Zukunft« - tritt der Gedichte- und Geschichtenschreiber auf. Der naturverbundene Hirtz, der in einem Forsthaus aufwuchs, später im Marketing bei Grünenthal tätig war, erzählt von den kleinen Dingen am Wegesrand. »Ich möchte den Menschen ein ehrliches Bild der Eifel aufzeigen«, so Hirtz, der nie peinlich berührt, aber eben auch nichts beschönigt. Feinsinnig und treffend beschreibt er humorvoll Situationen beim Frisör, Zahnarzt oder aber beim »Totenkaffee«.

Neues Eifel-Image

Mit dem Schreiben hat er schon in der Schulzeit begonnen. »Natürlich auf Hochdeutsch«, versichert Hirtz. Angeleitet von Mundartdichter Andre Franzen hat Franz-Willi Hirtz später seine Liebe für das »Eifeler Platt« entdeckt. Bis heute hat der leidenschaftliche Landschaftsfotograf über 1000 Gedichte und Geschichten in acht Büchern, auf mehreren CDs und Jahreskalendern in Mundart herausgegeben. »Meine Lesungen sind schnell Geschichte, aber mit den Werken will ich der Nachwelt etwas von unserer Muttersprache erhalten«, so Hirtz. »Die Jugend hat in Zeiten von SMS und WhatsApp eine eigene Sprache entwickelt - aber vielleicht bleibt ja etwas hängen und das Platt stirbt nicht ganz aus.« Sein neuestes Werk ist »Eifelwind«. Um es für Jedermann verständlich zu machen, hat Hirtz hinter die Passagen in »Platt« die hochdeutsche Übersetzung gesetzt. »Die Stimmung des Stückes kann nicht immer treffend wiedergegeben werden«, weiß Hirtz. Aktuell werkeln Franz-Willi Hirtz und seine Mitstreiter an einer »Mundartmesse«. Zum Festtag des Heiligen Franziskus wird in der Vichter Pfarrkirche am Sonntag, 16. Oktober, ausschließlich Platt gesprochen. »Passende Texte und Lieder aussuchen, diese umschreiben, Messhefte erstellen und alles mit dem Pfarrer abstimmen - das nimmt schon einige Stunden in Anspruch.« Die Eifel hat in den letzten Jahren einen Wandel erfahren - die Bevölkerung ist wieder offen stolz, auf dem Land zu leben. Touristen kommen vermehrt in die Naturerlebnisregion und mit regionalen Produkten macht man sich bundesweit einen Namen. »Vielleicht kann auch unsere Muttersprache vom neuen Image der Eifel profitieren,« hofft Hirtz. Dann kann auch in 100 Jahren noch der Vater zum Sohn sagen: »Fröhder hech dat jangs angisch« (Früher hieß das ganz anders; Anm.d.Red.).

Eifelwind

»Eifelwind« - das achte Buch aus der Feder von Franz-Willi Hirtz - dreht sich mal lustig, mal besinnlich um das dörfliche Leben mit seinen Sitten und Gebräuchen, um typische Charaktere, die das Bild der Eifeldörfer prägten und es heute noch tun. Erhältlich ist es in der Buchhandlung Lesezeichen in Roetgen, im Dorfladen Vicht, per E-Mail an fw.hirtz@t-online.de oderunter Tel. 02402/72811

Auch für Lesungen kann man Franz-Willi Hirtz so kontaktieren.