Thomas Förster

Grausamer Mord eine Zufallstat?

Nach zwei von vermutlich fünf Verhandlungstagen kommt das grausame Ausmaß des Mordes an einer 61-jährigen Frau aus Kesternich ans Licht. Ein 26-Jähriger hat sich vor dem Aachener Schwurgericht zu verantworten. Dabei geht es nicht nur um die Hintergründe der Tat, sondern auch die Frage der Schuldfähigkeit.

Am 10. Februar war eine 62-Jährige auf brutale Art im Haus ihrer Tochter ums Leben gekommen. Sie hatte dort auf die Enkelkinder aufgepasst, als der mutmaßliche Mörder an der Türe schellte. Er habe eigentlich nur zur Toilette gemusst, war freundlich hereingelassen worden und hatte um einen Tee gebeten. Der 26-Jährige, dem man als Heimkind nie Beachtung geschenkt habe, wollte plötzlich wissen, wie es ist "wenn es jemanden hart trifft", wie es ist "jemanden umzubringen". 20 Mal hat er in der Küche auf das Opfer mit einer Fingerhantel eingeschlagen. Die Frau schleppte sich auf ein Sofa im Wohnzimmer nebenan, wo er wieder auf die wehrlose Frau losging. Dann hat Stephan B. versucht, im Bad das Blut abzuwischen und erspähte in der Küche einen Laptop als Beute. Da das Opfer sich noch regte, sei er wieder zum Sofa gegangen - ob er wieder zugeschlagen habe, daran erinnert sich der vermeintliche Täter nach Aussage seines Verteidigers nicht. An Morden habe er schon mehrmals gedacht. Doch die 62-Jährige aus Kesternich sei eher zufällig zum Opfer geworden, weil es ihn plötzlich überkommen habe. Dass die Enkeltöchter nicht auch Opfer des grausamen Verbrechens wurden, ist ein großes Glück. Der 26-Jährige hat die Schwestern im Haus nicht bemerkt, erfuhr nicht nur das Schwurgericht, sondern auch anwesende Familienangehörige der Getöteten. Der Staatsanwalt hatte als Motive "Mordlust und Habgier" genannt. Der Tatverdächtige ist aktuell in einer psychiatrischen Einrichtung in Essen untergebracht. Am 7. Juli ist der dritte Verhandlungstag. Dann wird es wohl auch um die Schuldfähigkeit


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