Kinder statt Smartphone im Blick behalten

Ein Leben ohne Smartphone ist heute nahezu undenkbar. Aber gerade für Kinder und Babys ist direkte Kommunikation lebenswichtig. Daher starten die Jugendämter jetzt die Aktion "Im Blick - Sprich mit mir".
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Das Netzwerk »Im Blick« hat die Kampagne »Sprich mit mir!« vorgestellt. Damit soll bei Eltern für mehr Kommunikation mit ihren Kindern geworben werden und für eine bewusstere Smartphone-Nutzung. Foto: H. Benend

Das Netzwerk »Im Blick« hat die Kampagne »Sprich mit mir!« vorgestellt. Damit soll bei Eltern für mehr Kommunikation mit ihren Kindern geworben werden und für eine bewusstere Smartphone-Nutzung. Foto: H. Benend

Ein Leben ohne Smartphone? Das ist heutzutage kaum noch vorstellbar. Auch für Mütter und Väter mit kleinen Kindern ist es zum unverzichtbaren Werkzeug geworden, um den eng getakteten Alltag zu managen. Allerdings verführt es schleichend dazu, dass sich die digitale Kommunikation in den Vordergrund drängt. Die Folge: Das Kind ist nicht »ImBlick!« Mehr noch, dem Kind, insbesondere dem Baby, fehlt das Allerwichtigste um gesund aufwachsen zu können: die Kommunikation mit seinen engsten Bezugspersonen - den Eltern. Weil diese heutzutage abnimmt, stellen beispielsweise Kinderärzte immer häufiger fest, dass die Sprachentwicklung leidet. Auch Unfälle mit kleinen Kindern nehmen zu, weil sie aus dem Blick geraten. Unter dem Titel »Sprich mit mir!« haben jetzt alle Jugendämter in der StädteRegion mit dem Gesundheitsamt eine gemeinsame Aktion gestartet. Die Institutionen, zusammengeführt im Netzwerk »Frühe Hilfen/Kinderschutz«, wollen damit auf ein immer stärker werdendes Problem aufmerksam machen: Eltern schenken ihrem Smartphone mitunter mehr Aufmerksamkeit als ihrem Nachwuchs. »Heute gibt es sogar beim Kinderarzt das Bild, dass viele Eltern im Wartezimmer auf ihrem Smartphone in Sozialen Medien aktiv sind, statt ihrem kranken Kind die nötige Aufmerksamkeit zu schenken«, sagt Stefan Pietsch, Arbeitsgruppenleiter Allgemeiner Sozialer Dienst der Stadt Eschweiler. Dass diese Tendenzen problematisch sind und weitreichende Folgen für die Entwicklung von Kindern - gerade in deren ersten Lebensjahren - haben, soll mit dieser Aktion deutlich in die Öffentlich getragen werden.

Cartoons und Videoclips

»Papa! Papa!..«  ruft das kleine Mädchen auf dem Laufband der Supermarktkasse. Gedankenversunken auf das Smartphone blickend, hat der Vater neben Obst und Gemüse auch gleich das eigene Kind mit Richtung Kasse geschickt. Die Szene ist Teil eines von vier kurzen Videoclips der Aktion »Sprich mit mir!«, die alle Jugendämter und das Gesundheitsamt in der StädteRegion Aachen jetzt vorgestellt haben. Zudem werden noch Plakate, ansprechende Postkartenmotive und ein Flyer mit vielen Informationen und Tipps zu dem Thema verteilt. Die Gesamtauflage liegt bei mehr als 10.000 Exemplaren. »Die ersten drei Jahre eines Kindes sind von besonderer Bedeutung, denn in dieser Zeit werden alle Grundlagen gelegt! Auch wenn das Baby selbst noch nicht sprechen und Sprache verstehen kann, ist es ganz wichtig, dass es trotzdem angesprochen wird. Die vertraute Stimme der Eltern und der Blickkontakt gibt ihm Sicherheit und ist Grundlage für eine gesunde Sprachentwicklung«, sagt Dr. Josef Michels vom Gesundheitsamt der StädteRegion.

Blickkontakt gehört zur Kommunikation

Auch für eine gute emotionale und geistige Entwicklung ist die sichere Bindung zu den Bezugspersonen unabdingbare Voraussetzung. Und Kommunikation beginnt schon mit Blickkontakt, mit Mimik und Gestik, die gegenseitige Reaktionen zwischen dem Kind und den Eltern auslösen. Mit dem Kind zu sprechen, seine Reaktionen zu sehen und darauf zu antworten, seine Bedürfnisse zu erkennen und darauf zu reagieren ist eine notwendige Zuwendung, die ein Kind für seine Entwicklung unbedingt benötigt. Und das ist, so der Leiter des Amtes für Kinder, Jugend und Familienberatung der StädteRegion Aachen, Sebastian Heyn, gerade in Zeiten der zunehmenden Smartphone-Nutzung ein Problem geworden: »Wenn Kinder merken, dass für ihre Eltern das Handy wichtiger ist als sie selbst, hat das deutlich negative Folgen für die kindliche Entwicklung.« Weil die Kommunikation zwischen den Kindern und den Eltern heutzutage abnimmt, stellen Erzieherinnen ebenso wie Kinderärzte immer häufiger fest, dass die Sprachentwicklung leidet. Auch Unfälle mit kleinen Kindern nehmen zu, weil Kleinkinder aus dem Blick geraten. Heyn: »Wir wollen mit der Kampagne aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinder arbeiten, sondern vielmehr bei Eltern positiv dafür werben, mehr mit ihren Kind zu sprechen und sich auf dieses zu konzentrieren.«

Hintergrund

Anlässlich des Weltkindertages am 20. September sensibilisiert das Netzwerk »Frühe Hilfen/Kinderschutz« nun mit den Plakaten, Postkarten und Video-Clips für einen bewussten Umgang mit der täglichen Smartphone-Nutzung und der Notwendigkeit einer intensiven Interaktion zwischen Eltern und Kind. Auf der Internetseite www.imblick.info/sprich-mit-mir gibt es weitere Informationen und dort sind Ansprechpartner genannt, an die man sich wenden kann.


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