Thomas Förster

»Kleinkinderverwahranstalt« in Monschaus Altstadt feiert Geburtstag

Die Kindertagesstätte St. Ursula feiert Jubiläum: Vor 180 Jahren, genau am 25. April 1842, wurde erstmalig in Monschau eine Kleinkinderverwahranstalt erwähnt.

Bilder

Monschau (ale). Die Kindertagesstätte St. Ursula im Herzen der Altstadt feiert Jubiläum: Vor 180 Jahren, genau am 25. April 1842, wurde erstmalig in Monschau eine »Kleinkinderverwahranstalt« eingerichtet.

Aus dem von David Hansemann gegründeten »Aachener Verein zur Förderung der Arbeitsamkeit«, der die »Verminderung der Hilfsbedürftigkeit« zum Ziel hatte, ging der Kindergarten hervor. David Hansemann, der übrigens später preußischer Finanzminister wurde, kannte aufgrund seiner geschäftlichen Aktivitäten in Monschau die Situation der Arbeiter sehr wohl. In die Verwahranstalt wurden ausschließlich Kinder der »unteren handarbeitenden Klassen« aufgenommen. Man muss sich vor Augen halten, dass damals in Monschau ca. 100 Kinder im Jahr auf die Welt kamen!

Die Kleinkinder-Verwahranstalt wurde in der ehemaligen Seidenfabrik in der Laufenstraße untergebracht; es gab zwei Aufseherinnen, und Monschauer Damen kümmerten sich um die Kinder, häkelten und strickten für sie Hemdchen, Schürzen und Mützen. Jedes Jahr gab es eine Nikolausfeier mit einer großen Bescherung.

In einem Aufsatz von Pejo Weiß, der in der Festschrift zum 155-jährigen Jubiläum abgedruckt wurde, erfahren wir mehr: Zu den Zielen Hansemanns in der Kindererziehung gehörte: »Erwerbung eines frommen, religiösen heiteren Sinnes« sowie »die Gewöhnung an Ordnung, Reinlichkeit und Verträglichkeit«. Spiele und Bewegung in frischer Luft sollten Leib und Seele gesund erhalten. Dazu meint lächelnd Ingrid Schröder, die heutige Leiterin der Kindertagesstätte: »Diese Grundsätze gelten im Großen und Ganzen auch heute, man drückt es in einer anderen Sprache aus.«

Die Kinder der Verwahrschule wurden ab 1927 im Kindergarten der Ursulinen, die wieder nach Monschau zurückgekehrt waren, übernommen. Dadurch fand eine soziale Mischung aller Monschauer Familien im Kindergarten statt.

Von 1941 bis 1945 hatte die Nationalsozialistische Volksfront (NSV) das Sagen; doch ab 1945 führten wieder die Ursulinen den Kindergarten. Als Verlängerung der alten Pfarrkirche wurde 1959 ein Neubau errichtet, die Ursulinen hatten Nachwuchsprobleme, und die erste weltliche Leiterin wurde eingestellt. Bis zu hundert Kinder besuchten die dreigruppige Einrichtung.

Kindergartenfest am Samstag, 30. April

Im Zusammenhang mit dem Neubau des Seniorenheims wurde die Kindertageseinrichtung im Jahr 2007 am jetzigen Standort errichtet.

Seit 2010 befindet sich der Kindergarten unter dem Dach von »profinos«, einem katholischen professionellen Träger von Kindertagesstätten. Zurzeit besuchen ihn in zwei Gruppen 29 Kinder, davon acht mit besonderem Förderbedarf; die Kinder kommen aus Monschau, Höfen und Hammer. »An den Bedürfnissen der Kinder hat sich nichts geändert«, sagt Ingrid Schröder; allerdings seien »Ökologische Bildung« und »Medien« neuere Bereiche in den Bildungsgrundsätzen. Dem Team in Monschau liegt die individuelle Förderung eines jeden Kindes am Herzen, insgesamt sind es zwölf Fachkräfte und Praktikanten, denen man die Kinder anvertraut. Deren Einstellung zu ihrem Beruf drückt Ingrid Schröder so aus: »Wir gehen von der Begeisterungsfähigkeit der Kinder aus, sich die Welt zu eigen zu machen. Wir haben Personal, das diese Begeisterung trägt.«

Die Vielfalt in den gemischten Gruppen sei ein Gewinn, so die Leiterin; Fachkräfte für Logopädie, Ergotherapie und Heilpädagogik ergänzen das Team; Inklusion ist kein Fremdwort. Der Kindergarten darf sich »Bewegungskindergarten« nennen und ist auch eine zertifizierte Nationalpark-KiTa. Ein weiteres Plus ist die Begegnung mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Maria-Hilf-Stifts, gemeinsames Singen und Basteln, was man gern wieder in Angriff nehmen möchte, wenn die Bestimmungen zum Schutz vor Corona es zulassen.

Am Samstag, 30. April, ab 14 Uhr wird das große Jubiläumfest gefeiert. Man darf auf den Auftritt der »Giraffenkinder« gespannt sein, außerdem wird ein Seifenblasenkünstler die Zuschauer faszinieren. Alte Spiele werden neu entdeckt, und es gibt Mitsing- und Bastelangebote. Die Kinder freuen sich, allen Interessierten ihren Kindergarten zu zeigen.