Märchenstunde seit 50 Jahren

Die Roetgener Theaterfreunde feiern im nächsten Jahr ihr 90-jähriges Bestehen. Und kurz vor Weihnachten laden die jungen Darsteller zur Märchenstunde in den Bürgersaal.
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Monika Bahr ist eine Frau der ersten Stunde. Als sich im Dezember 1968 erstmals der Vorhang für eine Märchenaufführung im damaligen Saal Wilms hob, stand sie als einer von sieben Zwergen auf der Bühne. Heute leitet sie auf den Brettern, die die Welt bedeuten, die »Theaterfreunde 1929 Roetgen« als erste Vorsitzende. Rita Kreitz war es, die das Bühnenspiel für die kleinen Darsteller erfand. Bis 1983 führte sie Regie und ließ dabei große und kleine Laiendarsteller gemeinsam auftreten. Unter der Führung von Monika Bahr und ihren Schwestern Claudia Löhrer und Marion Nickel hingegen sind ausschließlich Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 14 Jahren zu sehen. »Kinder spielen für Kinder«, erklärt Monika Bahr das Motto der Märchenaufführungen in Roetgen. »Schneewittchen und die sieben Zwerge« wurden zur Premiere im Dezember 1968 ausgewählt. »Und seitdem bestimmt schon fünfmal gespielt«, erinnert sich Bahr. Auch andere bekannte Märchen wie »Der Froschkönig« oder »Hänsel und Gretel« haben es mehrmals zur Aufführung im »Tor zur Eifel« gebracht.

Faszination und Herausforderung

»Dabei ist jede Inszenierung und jede Aufführung anders«, beschreibt Bahr das Faszinierende am Theaterspiel mit Kindern. »Vieles lässt sich einstudieren, manches ist aber unvorhersehbar«. Zudem wechsle fast alljährlich die Besetzung der 15 bis 20 Darsteller. »Das ist schon eine große Herausforderung, wenn starke Charaktere mit 14 Jahren aufhören und man dafür junge Anfänger integrieren muss.« Positiver Nebeneffekt für das große Theater in Roetgen: »Wir ziehen uns den ein oder anderen Darsteller schon früh heran«, unterstreicht Bahr. Seit 2017 steht Eva Jünger an der Seite von Bahr und Nickel. Und die zweifache Mutter hat gleich ihre Kinder zum Spiel und ihren Mann als Bühnenbauer mitgebracht. Seitdem es den schmucken Bürgersaal gibt, haben die Theaterfreunde 1929 Roetgen wieder eine feste Bleibe gefunden. Zuvor wurde im Saal Hövel, in der Grundschule und ganz kurz auch im katholischen Pfarrheim gespielt. Und während Bahr sich auf die 50. Inszenierung eines Weihnachtsmärchens freut, bereiten sich die jungen Schauspiel auf ihren großen Auftritt vor. Und nicht nur die: Bühnenbilder werden erstellt und Kostüme geschneidert. Diese Aufgabe obliegt seit wahrlich 50 Jahren Ingrid Schmitz. »Ihr schier unerschöpflicher Fundus an Kostümen, ihre Erfahrung und ihr Ideenreichtum sind unersetzlich«, lobt Bahr ihre 75-jährige Mitstreiterin. Zum Jubiläum des Weihnachtsmärchens in Roetgen wurde »Die Schöne und das Biest« ausgewählt. Der Zwei-Akter von Ina Raßbach-Bernscheid ist für Kinder ab vier Jahren geeignet: Ein verzauberter Prinz lebt in seinem Schloss mit einigen liebenswerten und ebenfalls verzauberten Dienstboten. Der Prinz wartet in seinem Schloss auf die Erlösung durch eine Frau, die ihn, trotz seiner abstoßenden Gestalt, liebt. Wird die zauberhafte Belle ihn mit ihrer liebenswerten Art erlösen können?

Infos

Zu den Aufführungen am Samstag und Sonntag, 8. und 9. Dezember, jeweils um 17 Uhr im Bürgersaal werden je rund 200 Zuschauer erwartet. Karten gibt es bei Geschenke Kessel, im Salon Moosmayer und an der Tageskasse.