Thomas Förster

Nächtliche Schönheiten im Nationalpark Eifel

Wenn es Nacht wird im Nationalpark Eifel und Ruhe einkehrt, dann beginnt die Zeit der Schmetterlinge, die oft verächtlich Motten genannt werden...
Bilder
Die Langhornmotte Nemophora ochsenheimerella ziert das Titelbild der umfangreichen Studie zu den Nachtfaltern im Nationalpark Eifel. Die Art gehört zu den Erstmeldungen für den Naturraum Eifel und steht für die Vielfalt an Artenfunden während der zwölfjährigen Kartierung der Schmetterlinge im Nationalpark.

Die Langhornmotte Nemophora ochsenheimerella ziert das Titelbild der umfangreichen Studie zu den Nachtfaltern im Nationalpark Eifel. Die Art gehört zu den Erstmeldungen für den Naturraum Eifel und steht für die Vielfalt an Artenfunden während der zwölfjährigen Kartierung der Schmetterlinge im Nationalpark.

Eifel. Der filigran gezeichnete Nagelfleck oder die elegante Langhornmotte gehören zu den Nachtfaltern und sind nur zwei von überraschend vielen im Nationalpark Eifel nachgewiesenen und teilweise sehr seltenen Nachtschmetterlingen. Zu diesen Arten wurde bisher nur wenig geforscht. Die jetzt veröffentlichte, rund 300 Seiten starke Broschüre ist die erste umfassende Erfassung dieser Tiergruppe im Nationalpark Eifel. Sie ist eine wichtige Grundlage, um die weitere Entwicklung der Natur im Nationalpark Eifel fachlich zu bewerten.
Möglich wurde diese Forschung unter anderem durch sechs ehrenamtliche Schmetterlingsforscher, die in langen nächtlichen Beobachtungen das Arteninventar erfasst haben. Wichtigster Partner in diesem Projekt ist die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen (Schmetterlingskundlern). Über einen Zeitraum von zwölf Jahren haben die Nachtfalterexperten um Wolfgang Wittland und Rudi Seliger mit viel Engagement und Herzblut 1.288 Nachtfalterarten nachgewiesen. Jetzt wurden die Ergebnisse der Forschungsarbeiten in einem 288 Seiten starken Gesamtwerk zusammengetragen und von Wald und Holz NRW in Arnsberg vorgestellt.
Die Arbeit der ehrenamtlichen Schmetterlingskundler ist ein so genanntes »Citizen Science-Projekt« – übersetzt »Bürger schaffen Wissen«. Dr. Andreas Pardey vom Fachgebiet Forschung des Nationalparkforstamtes Eifel: »Die Broschüre wäre ohne das «Citizen Science-Projekt» nicht möglich gewesen. Sie liefert einen wichtigen Beitrag zur Erfassung der Artenvielfalt in der nordrhein-westfälischen Eifel und eine solide Basis für die Untersuchung der zukünftigen Naturentwicklung im bisher einzigen Nationalpark des Landes.«

Erkenntnisse aus zweiter Hand

Ziel war es, eine Vergleichsstudie für spätere Wiederholungs-Untersuchungen zu haben, wenn die natürliche Entwicklung im Nationalpark Eifel weiter fortgeschritten ist und sich deshalb die Lebensraumbedingungen verändert haben. Der noch junge Entwicklungsnationalpark wurde 2004 gegründet und ist auf dem Weg zu einer Wildnis aus zweiter Hand. Die Nachtschmetterlinge, die dort aktuell vorkommen und künftig vorkommen werden geben den Experten des Nationalparks wertvolle Hinweise, wie die Entwicklung zur Natur aus zweiter Hand vorankommt.
Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW: »Naturschutz, Artenschutz und der Erhalt der Biodiversität gehören zum Markenkern von Wald und Holz NRW. Besonders wichtig ist mir, dass die Diskussion um Biodiversität faktenbasiert erfolgt. Das ist leider nicht immer selbstverständlich. Die Forschung zu den Nachtfaltern im Nationalpark Eifel liefert wichtige Daten Entwicklung der Biodiversität in unseren Wäldern. Für diese Forschung arbeiten unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gern gemeinsam mit ehrenamtlichen Naturschützern und Artenexperten. Das «Citizen Science Projekt» im Nationalpark Eifel ist dafür ein gutes Beispiel.«
Die ehrenamtlichen Wissenschaftler lagen 273 Tage, aber vor allem Nächte auf der Lauer und lockten mit Lichtquellen und Ködern an 12 ausgewählten Wald- und Grünlandbereichen über 90.000 Einzeltiere an. Dabei wurden 1.337 Schmetterlings-Arten gefunden, darunter 1.288 Nachtfalter-Arten. Dies sind rund 36 Prozent der für Deutschland bekannten Arten. Darunter sind 248 Arten mit einem Gefährdungsstatus in NRW. Zahlreiche Arten wurden für die Nordeifel bzw. NRW sogar zum ersten Mal nachgewiesen.
»Die ehrenamtlichen Spezialisten sind für solch grundlegende Forschungsarbeiten wichtiger denn je«, so Projektleiter und Biologe Dr. Andreas Pardey vom Fachgebiet Forschung des Nationalparkforstamtes Eifel von Wald und Holz NRW. Infolge der rückläufigen Vermittlung von Artenwissen in der universitären Ausbildung gibt es immer weniger Menschen mit guten Artenkenntnissen. Eine natürliche Artenvielfalt ist die Grundlage für stabile Ökosysteme, so der Biologe Dr. Pardey.
Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW: Im Wald gibt es bei der Entwicklung der Artenvielfalt, zum Beispiel in der Vogelwelt viele positive Entwicklungen. Umso wichtiger ist es genau hinzuschauen wo die Biodiversität sinkt. Deshalb werden Expertinnen und Experten zur Erfassung der Artenvielfalt dringend benötigt.
Die Studie wurde als neunter Band der Schriftenreihe zum Nationalpark Eifel der Nationalparkverwaltung herausgegeben und ist für 20 Euro zu beziehen bei der Nationalparkverwaltung Eifel per E-Mail an info@nationalpark-eifel.de oder unter Tel. 02444/9510-0
www.nationalpark-eifel.de