Anja Breuer

Schülerzahl deckt nicht den Bedarf

Simmerath (AB). Um dem steigenden Betreuungsbedarf gerecht zu werden, reicht es schon lange nicht mehr, lediglich die Einrichtung in Beton zu gießen.

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Ingrid Wagner, Schulleiterin am Berufskolleg Simmerath/Stolberg, Auszubildende Veronika Burchartz-Betke, Auszubildende Luisa Koonen sowie Schuldezernent Markus Terodde werben für die Erzieherausbildung am Standort in Simmerath.

Ingrid Wagner, Schulleiterin am Berufskolleg Simmerath/Stolberg, Auszubildende Veronika Burchartz-Betke, Auszubildende Luisa Koonen sowie Schuldezernent Markus Terodde werben für die Erzieherausbildung am Standort in Simmerath.

Foto: Anja Breuer

Laut bundesweiter Studie mangelt es vor allem an Personal - und zwar in jeder zweiten Kita.

Simmerath (ab). Dass sich immer weniger Menschen für die Ausbildung zum Erzieher interessieren, spürt auch Ingrid Wagner, Schulleiterin des Berufskollegs Simmerath/Stolberg. »Wir haben noch 20 Plätze frei, wenn wir nicht noch vier Anmeldungen erhalten, droht die Klasse am Standort in Simmerath nicht zustande zu kommen«, erklärt sie die Lage. Zwar könne am Zweig in Stolberg und an der Käthe-Kollwitz-Schule in Aachen ausgebildet werden, doch sie wünscht sich vor allem den Eifeler Standort zu stärken. »Wir wollen eine hochqualifizierte Ausbildung in der Eifel für die Eifel anbieten«, ergänzt Wagner. Einen Grund in den niedrigen Anmeldezahlen sieht sie in der erschwerten beruflichen Orientierung. Viele Interessierte haben kein Praktikum in der Corona-Zeit machen können und der Beruf war für das vorhandene Personal auch sehr belastend, was auch potenzielle Bewerber abgeschreckt haben könnte.

Nicht abgeschreckt wurde Luisa Koonen. Die 20-Jährige hat im letzten Jahr ihre insgesamt dreijährige Ausbildung, bei der das letzte Jahr aus einem Berufspraktikum besteht, zur Erzieherin begonnen: »Die Ausbildung ist sehr vielfältig und praxisnah. Ich mag es sehr, dass ich nicht nur irgendeine Nummer bin und mich niemand kennt, wie es an anderen Hochschulen der Fall ist. Am Berufskolleg in Simmerath fühle ich mich gesehen. Ich freue mich, durch meinen künftigen Beruf, in der Gesellschaft etwas verändern zu können.«

Während Luisa Koonen mit ihrem Hochschulabschluss und Vorpraktikum alle Voraussetzungen für den Start der Ausbildung erfüllt hat, kam Veronika Burchartz-Betke, 43 Jahre, als Quereinsteigerin in die Klasse. Dank ihres Abschlusses als Kinderpflegerin erfüllte auch sie alle Kriterien. Auch wenn viele Wege nach Rom führen, meint Schuldezernent Markus Terodde: »Um dem Personalmangel entgegenzuwirken, sollten die Zugangsvoraussetzungen jedoch in Zukunft differenzierter betrachtet und somit vereinfacht werden«, meint Markus. Schließlich soll es Situationen, wie die in Roetgen, nicht noch häufiger geben. Dort ist die AWO als Träger für die Kita Lummerland von der künftigen Trägerschaft zurückgetreten, da sie personell für den Wohlfahrtsverband nicht zu stemmen gewesen wäre. Mit einer Entfristung der Arbeitsverträge und vielen Zusatzqualifikationen hofft die Städteregion Aachen, als Träger der meisten Betreuungseinrichtungen in der Nordeifel, den Beruf noch attraktiver zu gestalten - die Entlohnung nach der Ausbildung wird die wenigsten locken.

Voraussetzungen für die Ausbildung

Für die Erzieherausbildung in NRW ist mindestens die Fachoberschulreife sowie ein einschlägiger Berufsabschluss notwendig.
Wenn bereits ein Abschluss der höheren Berufsfachschule des Sozialwesens oder der Fachoberschule des Sozialwesens vorhanden ist, ist keine zusätzliche Berufsausbildung notwendig.
Wer über die Allgemeine Hochschulreife oder einen nicht einschlägigen Beruf verfügt, muss Erfahrungen in diesem Tätigkeitsfeld nachweisen.