Unterhaltsam den Spiegel vorhalten

»Viele Menschen können nicht damit umgehen, kritisiert zu werden. Doch wenn man sich selbst nicht ganz so ernst nimmt, kann das Leben sehr unterhaltsam und vergnüglich sein.«
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Konrad Schöller aus Schmidt ist Gästeführer, ebenso wie sein Sohn Benedikt. Doch die Beiden bieten ihren Besucher aus Nah und Fern kein klassisches Sightseeing in der Monschauer Altstadt, am Rurses oder im Nationalpark Eifel. Sie zeigen den Mensche Dinge, die sie garantiert noch nicht gesehen haben. »Uns ist es wichtig, mit Mythen aufzuräumen und den Gästen mit Humor klarzumachen, was tatsächlich los ist in der Eifel«, so Benedikt Schöller, der im Hauptberuf Geschichtslehrer am St. Angela-Gymnasium in Bad Münstereifel ist. Als »Guter Geist von St. Mokka« ist der ehemalige Rendant der Schmidter Kirchengemeinde bereits seit 2011 unterwegs. Humorvoll verkörpert er - in eine kaffeebraune Gewandung gekleidet - den von der Amtskirche Geächteten. Eine Führung, die sich mit der sakralen Ausstattung der Kirche beschäftigt, darf man von Konrad Schöller nicht erwarten. »So mancher Geistlicher, der den Schmidter Gläubigen vorsteht, hat es die Zornesröte ins Gesicht gerufen«, weiß Schöller, das er auch manches Mal aneckt. Aber das macht ihm nichts. Für seine Gäste hält Schöller ein ganzes Bündel überraschender Erkenntnisse bereit. Er gibt nicht nur eine Einführung in die gallospezifische Gesinnung der St. Mokka-Jüngerschaft. Er lüftet auch das Geheimnis des besonderen Elixiers, dessen man sich im Lande zwischen Kall und Rur so gerne bedient. Und last but not least erfährt der interessierte Gast, wie die Schmidter mit Hilfe des magischen Gebräus der kirchlichen Obrigkeit ein Schnippchen nach dem anderen schlagen konnten. Wie es dazu kam, dass St. Mokka als einzige Kirche einen Nationalpark-Infopunkt bekam, ist auch ein Thema. Wie die Idee einer energiesparenden Holzpellets-Heizung verwirklicht wurde und warum man hier das größte Solardach auf einem Kirchendach in der Eifel findet.

»Tour de Roer« gegen Wutbürger

»Ich möchte keineswegs belehren, sondern unterhalten«, unterstreicht der 59-Jährige, der seine Leidenschaft für Lokalgeschichte an seinen Sohn weitergegeben hat. Dieser ist unter anderem als »History-Guide« auf Vogelsang tätig. »Der Eifeler mag es, wenn alles so bleibt, wie es ist. So wollten viele den Nationalpark verhindern, später ging es radikal gegen das Pumpspeicherkraftwerk und heute zieht ein möglicher Kletterwald die Wutbürger an«, stellt Schöller sarkastisch fest. Und so wurde die »Tour de Roer« ins Leben gerufen, die auf einem 4,5 km langen Teilstück des Seeuferrandweges zwischen Eschauel und Schwammenauel an neun Erzählstationen zum Verweilen und Amüsieren einlädt. »Die Teilnahmebedingungen wurden bewusst so gestaltet, dass unsere Gäste die Kunst des sich ‚Selbst-auf-die-Schippe-nehmens‘ beherrschen müssen«, ergänzt Benedikt Schöller. Illustriert durch seltenes Karten- und Bildmaterial aus der guten alten Zeit werden Texte und Reime dargeboten, die so gar nicht in die verträumte »Heile-Welt-Idylle« am Rursee passen wollen. Welch‘ dominierende Rolle die Rurtalsperre bei der Wasserversorgung des in Deutschland viert- und europaweit sechstschmutzigsten Kohlekraftwerks einnimmt, dürfte durchaus auch Nicht-Monschäuer interessieren.

Mehr als Klosterlikör und Erbsensuppe

Ganz neu im Programm ist nun die Abtei Mariawald. »Auch wenn Führungen im Kircheninnern nicht möglich sind, bietet das Umfeld des Klosters eine solche Fülle und Vielfalt an Themen, dass sie bei einer einzigen Gästeführung kaum abbildbar wären«, erläutert Konrad Schöller das neue Gästeführungsformat. Schöllers Patenonkel, der Schreiner Peter Lehnen aus Heimbach, gestaltete nach dem Krieg das Beichtgestühl der Abteikirche Mariawalds und hat so manche Anekdote vererbt. Bei ihren Exkursionen in das geheimnisumwitterte Reich der schweigenden Mönche wagen die Schöllers den Blick hinter dicke Klostermauern weit zurück bis in die Anfänge des Trappistenordens. Was bewegt eine Klostergemeinschaft dazu, wie in Mariawald streng asketisch und weltabgewandt zu leben?

Führungen für 15 bis 30 Personen

»Regio Oratio« lautet das zeitkritische Informationsangebot von Konrad und Benedikt Schöller.
Bei Interesse kann man sich unter Tel. 02474/99180, per E-Mail an schoeller110@t-online.de oder im Netz unter www.regio-oratio.com melden.