Thomas Förster

Wasserstoff ist der Energieträger der Zukunft

Imgenbroich (Fö). Um den Folgen von »Dieselgate« entgegenzuwirken, erweiterte Ecoclean vor ca. 2 Jahren sein Betätigungsfeld um Systeme für die Präzisionsreinigung
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»Mit der Dieselkrise sank die Nachfrage bei uns spürbar.« Schließlich war die Automobilindustrie viele Jahre lang der Hauptkunde der Ecoclean GmbH (früher als Dürr bekannt). Nun setzt man dort auf die Industrialisierung einer Zukunftstechnologie: Den Wasserstoff.
2021 hat man sich erfolgreich für ein Förderprojekt »EcoLyzer BW« des Umweltministeriums Baden-Württemberg beworben und mit Jahresbeginn 2022 gemeinsam mit dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) die Entwicklung, den Aufbau entsprechender Fertigungskapazitäten und die weltweite Vermarktung eines international wettbewerbsfähigen Elektrolysesystems gestartet. Ziel ist sie effektiv und nachhaltig nutzen zu können. Dafür bedarf es einer schnellen Entwicklung und Serienfertigung im Megawatt-Bereich.
»Aktuell sind ein Dutzend der gut 200 Mitarbeiter am Imgenbroicher Standort aus Projektmanagement, Vertrieb, Entwicklung und Konstruktion in das Projekt eingebunden«, weiß Daniel Jessen, einer der für das Förderprojekt zuständigen Vertriebler bei Ecoclean. Kunden kommen z.B. aus der Medizintechnik, Optik, Uhrenindustrie sowie dem sogenannten HighPurity-Bereich.

Riesiger, globaler Wachstumsmarkt

Das bisher als international agierender Hersteller von Systemen für die industrielle Bauteilreinigung und Oberflächenbearbeitung bekannte Unternehmen baut seine Geschäftsfelder damit um eine Zukunftstechnologie aus: »Weltweit existieren derzeit rund zehn Unternehmen, die kommerzielle Elektrolysesysteme im Megawatt-Maßstab anbieten. Dieser Markt bietet daher ein großes Wachstumspotenzial«, so Jessen. Schließlich prognostiziert die Unternehmensberatung Roland Berger bis 2050 eine Nachfrage von mehr als 45 Millionen Tonnen Wasserstoff in Europa. Es wird daher ein global stark steigender Bedarf an Elektrolysesystemen erwartet.
Ziel von Ecoclean ist die Entwicklung eines skalierbaren Baukastensystems mit einem Basismodell, dessen Leistung bei einem Megawatt liegt. »Damit lassen sich pro Stunde etwa 20 Kilogramm Wasserstoff produzieren, was ausreicht, um drei Pkw zu betanken und insgesamt 2.000 Kilometer zu fahren«, erklärt Jessen. Dieses Standardprodukt soll nach unten und oben anpassbar sein – zunächst bis hin zu einer Leistungsklasse von zehn Megawatt. Parallel dazu werden die Fertigungskapazitäten aufgebaut. Die Produktion erster Anlagen soll 2023 anlaufen. Das Förderprojekt ist bis zum Frühjahr 2024 angelegt.
Auch heute sind hohe Qualitätsansprüche, eine umfangreiche Dokumentation, ein breit ausgestattetes Technikum mit dazugehörigem Analyselabor für die Ecoclean GmbH eine Selbstverständlichkeit. Und doch ist der Wandel von den Wünschen der Automobilindustrie hin zur fast steril anmutenden Medizin- und Präzisionstechnik, wo Anlagen zur Reinigung hochsensibler optischer Komponenten oder medizinischer Erzeugnisse ein herausfordernder Spagat. Das Recruiting von fachspezifischen Experten, die Qualifizierung des Stammpersonals und die ständige Ausbildung von Nachwuchskräften liegt dem Unternehmen daher am Herzen, ist aber auch unerlässlich, um zukunftsfähig zu sein. Mehr auf

Energiewende mit Wasserstoff

Bei der Elektrolyse wird Wasser durch den Einsatz elektrischer Energie in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt. Mit dem erzeugten Wasserstoff gelingt es einerseits, erneuerbare Energie aus Windkraft- und Photovoltaik-anlagen zu speichern beziehungsweise in andere Energiesektoren wie Wärmeversorgung und Verkehr zu transferieren. Andererseits ermöglicht er, auch energieintensive Industriebereiche wie die Stahl- und Chemieindustrie klimaneutral zu gestalten. Denn sauberer Wasserstoff gilt als Energieträger der Zukunft.
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