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Weiße Welpen und schwarze Geschäfte...

Mutmaßlicher Steuerbetrug mit Hundewelpen

Mosel. Die kleinen süßen Hundebabys wiegen nur wenige hundert Gramm, wenn sie im Alter von acht Wochen von ihrer Mutter getrennt werden. Die putzigen Tierchen der Gattung "Mini-Malteser" sind sehr beliebt bei Hundefreunden und die Nachfrage in ganz Europa ist hoch.

Im Kreis Cochem-Zell hat sich in den letzten Jahren eine Familie der Zucht verschrieben und offenbar hunderte der kleinen "Schoßhündchen" gezüchtet. Das eigentlich von Hartz IV lebende Paar soll nach Berechnungen der Steuerfahndung damit fast eine halbe Million Euro eingenommen haben. Nur eines wurde von dem geschäftstüchtigen Duo offenbar vergessen: Die horrenden Einnahmen auch zu versteuern.

Steuerfahndung schlug zu

Jetzt schlug die Steuerfahndung zu: Hausdurchsuchung! Die Ermittler kamen in aller Frühe, ausgestattet mit einem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichtes Trier (Az. 35bGs3079/16). Als die 14 Beamten von der Steuerfahndung, Polizei Cochem und der Kreisverwaltung am frühen Morgen am Wohnhaus der Familie klingelten, lag die Hundezüchterin noch im Bett. Nachdem die Fahnder sich im Haus umsahen, stellten sie schnell fest, dass hier offenbar professionell Hunde gezüchtet werden. Insgesamt stellten sie in dem Anwesen 25 "Mini-Malteser", darunter zehn wenige Tage alte Welpen, fest. Bei der rund fünfstündigen Durchsuchung fanden die Steuerfahnder, so WochenSpiegel-Informationen, auch eine Reihe Unterlagen, die den Verdacht ergaben, dass nicht nur bei der Steuer betrogen worden sein soll. Nach Informationen unserer Zeitung wurden nämlich auch Blanko-Impfpässe für die Hunde gefunden, teilweise von polnischen Ärzten und teilweise von einem Tierarzt aus dem Landkreis Mayen-Koblenz.

Kamen Hunde aus Osteuropa?

Die Ermittler gehen nach WochenSpiegel-Informationen Hinweisen nach, wonach auch Hunde in Osteuropa gekauft - und dann hier als "Deutsche Züchtungen" verkauft worden sein sollen. Der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Cochem, Norbert Puth, bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung die Ermittlungen. Konkret gehe es um den Vorwurf des Betruges. Hunderten Käufern der Malteser-Welpen im gesamten Bundesgebiet flatterten in den vergangenen Tagen, so WochenSpiegel-Informationen, Schreiben der Polizeiinspektion Cochem ins Haus. Darin fragen die Ermittler nach Einzelheiten, etwa wie die Verkäufe der Hunde abgelaufen sind. Konkret geht es um einen möglichen Tatzeitraum von 2012 bis 2016. Die Steuerfahndung Trier hingegen greift auf einen noch längeren Zeitraum zurück. Dem Durchsuchungsbeschluss zur Folge geht es um den Verdacht der Einkommen-, Gewerbe- und Umsatzsteuerhinterziehung für die Jahre 2010 bis 2014 sowie der Umsatzsteuervorenthaltung für die Jahre 2015 bis 2016. Besonders ärgerlich für die Ermittler ist die Tatsache, dass das Paar bereits seit 2007 offenbar keine Steuererklärungen mehr abgegeben hat.

Welpen sollen für 1.500 Euro angeboten worden sein

Die gefundenen Unterlagen und Beweismittel werden nun von den Trierer Steuerfahndern und den Polizeibeamten ausgewertet. Laut dem zweiseitigen Sicherstellungsprotokoll wurden insgesamt 20 Positionen Beweismittel beschlagnahmt. Darunter auch Stammbäume, Welpen-Käuferanmeldungen, Blanko-Impfpässe sowie Bauunterlagen. Außerdem "spiegelten" die Steuerfahnder mehrere Festplatten sowie einen Laptop. Die so sichergestellten Computerdaten werden nun von Spezialisten ausgewertet. Bei den Beweismitteln sind für die Fahnder insbesondere die Zuchtbücher und die Anmeldungen beim Zuchtverband interessant. So sollen von dem Paar, so der Verdacht der Steuerfahnder, im Jahr 2014 23 Würfe mit 83 Welpen angemeldet worden sein. Im Jahre 2015 sollen es nach den vorliegenden Erkenntnissen offenbar bereits 64 Würfe mit 167 Welpen und im Jahre 2016 (bis Mai) bereits 26 Würfe mit 73 Welpen gewesen sein. Offenbar ein gutes Geschäft für das Paar wie Hochrechnungen der Steuerfahnder ergaben. Demnach wurden die Welpen laut Ermittlungen der Beamten im Internet für 1.500 Euro angeboten, was bei der Anzahl an Welpen eine Summe von 484.500 Euro ergeben würde. Verkauft wurden die schneeweißen Welpen an Hundefreunde in ganz Europa, schwerpunktmäßig in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Die Abnehmer fand das Paar nach Recherchen des WochenSpiegel meist über Anzeigen in Portalen wie "Ebay-Kleinanzeigen", "Kalaydo" und "Quoka". Das Paar betreibt auch eine eigene Homepage und ist auf Facebook aktiv.

Wurden Welpen selbst "gechipt"?

Bei der Durchsuchung in dem Anwesen in einem Nachbarort von Cochem war auch eine Veterinärin der Kreisverwaltung Cochem-Zell zugegen. Diese hatte ebenfalls einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss (Az: 3 GS29/16) beim Amtsgericht Cochem erwirkt. Begründet wurde dieser mit einer illegalen Hundezucht und dass Welpen ohne erforderliche Impfung und in jungem Alter in Deutschland eingeführt worden sein sollen. Zudem wurde dieser Durchsuchungsbeschluss auch auf den Verdacht hin ausgestellt, dass Hundewelpen durch eine nicht autorisierte Person, nämlich den Ehemann der Züchterin, selbst "gechipt" worden sein sollen. Auf Anfrage bestätigte die Kreisverwaltung entsprechende WochenSpiegel-Informationen. Sarah Hillen, Pressesprecherin der Kreisverwaltung in Cochem: "Aufgrund von verschiedenen Beschwerden über eine Hundezucht und einen Hundehandel mit Mini-Maltesern erfolgte durch das Veterinäramt der Kreisverwaltung die Durchsuchung eines Anwesens zu Zwecken der Beweissicherung. Auf der Grundlage der vorliegenden Erkenntnisse wurde anschließend die gewerbsmäßige Hundezucht sowie der gewerbsmäßige Handel mit Hunden mit sofortiger Wirkung untersagt, da die erforderliche Erlaubnis nach § 11 Absatz 1 Nr. 8 Tierschutzgesetz nicht vorlag. Weiterhin wurde verfügt, dass nicht mehr als zwei unkastrierte Hunde in dem Anwesen gehalten werden und der Hundebestand im Übrigen aufgelöst wird." 

"Hier will uns jemand fertigmachen."

Bei der Durchsuchungsaktion wurden nach Informationen des WochenSpiegel 25 Hunde in dem Haus aufgefunden. Diese wurden von der Kreisverwaltung beschlagnahmt und untersucht. Später wurden sie jedoch an die Hundezüchterin zurückgegeben. Mittlerweile sind die meisten verkauft. Die Polizei muss nun untersuchen, ob sich der Verdacht erhärtet, wonach Hunde aus Osteuropa als »Deutsche Züchtungen« verkauft worden sein sollen. Dass, das Paar enge Beziehungen nach Polen unterhält ist auch daran zu erkennen, dass in den Stammbäumen der Hunde als "Deckrüde" oftmals Tiere aus Polen aufgeführt wurden. Auch die stark frequentierte Internetseite des Züchterpaares ist auf eine polnische Adresse registriert. Für die Ermittler der Steuerfahndung ist interessant, wie das Paar seine umfangreichen Bauaktivitäten der vergangenen Jahre finanziert hat. Da beide offiziell von Hartz IV leben und seit 2007 keine Steuererklärung abgegeben haben, besteht bei den Steuerfahndern der Verdacht, dass Baukosten für Um- und Anbau am großzügigen Anwesen des Paares durch Schwarzverkäufe der Hunde finanziert worden sein könnten. Deshalb nahmen die Fahnder bei der Durchsuchung auch sämtliche Bauunterlagen mit, die sie in dem Wohnhaus finden konnten. Ein besonderes Augenmerk legen die Ermittler auch auf Unterlagen von Grundstücken auf der Baleareninsel Mallorca. Hier soll das Paar in den vergangenen Jahren ein Grundstück erworben haben. Für die betroffene Hundezüchterin ist der Fall klar. Vom WochenSpiegel mit den Vorwürfen konfrontiert sagt sie verärgert: "Hier will uns jemand fertigmachen." Sie deutet an, dass sie zu Unrecht angezeigt wurde und viele der Vorwürfe, insbesondere, dass ausländische Hunde als deutsche Hunde verkauft worden sein sollen, bestreitet sie. Angesprochen auf die vergessene Steuererklärung räumt die Dame kleinlaut ein: "Ja, da haben wir nicht korrekt gehandelt."

Foto: Zender

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Kommentar von lea
wenn es die ist die ich denke die verkauft immer noch............