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Brandanschlag: Jetzt spricht das Opfer

Brutales Vorgehen / Tatverdächtiger in Untersuchungshaft

Cochem. Ein brutaler Überfall auf einen Gastwirt in Cochem hat am Wochenende für Entsetzen bei der Bevölkerung gesorgt. Der mutmaßliche Täter sitzt in Haft. Langsam kommen die genauen Hintergründe ans Licht.

Von Mario Zender

Cochem.  Es hätte in einer Katastrophe enden können, mit Toten und einem immensen Sachschaden. Dass es »nur« bei einer Kopfverletzung und Sachschaden von lediglich einigen tausend Euro geblieben ist, dürfte sicher dem dilettantischen Vorgehen des Täters und einem fleißigen Schutzengel des Opfers zu verdanken sein.
Es ist 20.30 Uhr am Samstagabend als Matthias Otto seine kleine Gaststätte »Schatzkammer« öffnet. Plötzlich knallt die Tür auf und ein maskierter und bewaffneter Mann stürmt in das Lokal in der Kirchgasse 1. Er wirft sofort einen so genannten »Molotowcocktail« (Flasche gefüllt mit Brandbeschleuniger und einem brennenden Lappen) in die Gläserauslage. Dann schlägt er, so wird es später das Opfer den Beamten berichten, mit einem  »Totschläger« auf den Kopf des Gastwirts ein.
Dieser versucht sich zu wehren und reißt dem Täter dabei die Sturmhaube vom Kopf. Schwer am Kopf verletzt versucht Matthias Otto aus der Kneipe zu flüchten und alarmiert Polizei und Feuerwehr. Die rückt mit einem Großaufgebot an. Glücklicherweise greift das Feuer nicht über und kann schnell gelöscht werden. Die Polizei Cochem alarmiert währenddessen sämtliche Polizeidienststellen der Region und bittet um Unterstützung bei der Fahndung nach dem flüchtigen Tatverdächtigen.  
Als die Beamten eine erste Vernehmung des Opfers vornehmen,  erfahren sie schnell, wer der mutmaßliche Täter sein soll. Bei dem Mann soll sich um einen polizeibekannten Rumänen handeln, der als Koch in Cochem arbeitet und in Cond wohnt. Etwa 15 Minuten später können vier Polizeibeamte Alexandru-Nicolae K. auf der Moselbrücke überwältigen und festnehmen.
Nach ersten Ermittlungen, so WochenSpiegel-Informationen, stellt sich heraus, dass es sich bei dem Verbrechen um eine Beziehungstat handelt - Opfer und Täter kennen sich. Der Rumäne soll, so geht es aus einer Anzeige aus dem August hervor,  offenbar versucht haben, dem Cochemer Gastwirt beim Weinfest die Geldbörse zu stehlen.  Matthias Otto hatte daraufhin Anzeige bei der Cochemer Polizei erstattet. Das könnte der Auslöser für die hasserfüllte Attacke am Samstagabend gewesen sein. Der Cochemer Gastwirt ist im Gespräch mit dem WochenSpiegel immer noch geschockt: »Der wollte mich umbringen«. Die Ermittlungen in dem Fall hat das Kommissariat 11 (Mordkommission) des Polizeipräsidiums Koblenz übernommen.   Gegen Alexandru-Nicolae  K. wurde Haftbefehl wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung, versuchter schwerer Brandstiftung sowie Verstoßes gegen das Waffengesetz erlassen. 

Bei einem Besuch spricht erstmals das Opfer, der Cochemer Gastwirt Matthias Otto, über die schlimmsten Stunden in seinem Leben. der 50-Jährige hat noch starke Kopfschmerzen als er mit dem WochenSpiegel-Reporter spricht. Er spricht langsam und macht immer wieder längere Pausen.
Man merkt dem 50-Jährigen an, dass ihn die Erlebnisse vom vergangenen Samstag mitgenommen haben. »Ich bin froh, dass ich noch lebe. Der wollte mich umbringen«, so Otto im Gespräch. Ohne Vorwarnung sei der mutmaßliche Täter in die Gaststätte gestürmt, habe den Brandsatz ins Regal geworfen und sofort auf ihn eingeschlagen. »Ich bekam von der Brandflüssigkeit einiges auf meinen Pullover ab, hatte Angst, dass ich jeden Moment auch in Flammen stehe«. Ohne großartig nachzudenken sei er auf den Verbrecher losgegangen. »Ich habe in diesem Moment nicht nachgedacht, wollte nur da raus.« In dem Gerangel riss er ihm die Maske vom Kopf. Der mutmaßliche Täter ließ aber immer noch nicht von ihm ab. Als Matthias Otto flüchtet, soll er ihn mit einem Messer bewaffnet verfolgt haben. Als der Gastwirt sich hinter einer Glastür verstecken wollte, soll der Tatverdächtige versucht haben, die Scheibe zu zertrümmern. »Er schlug mit dem Griff des Messers gegen die Scheibe. Doch die ging nicht kaputt«.
Als der mutmaßliche Täter geflüchtet war, realisierte Otto die ganze Tragweite des Verbrechens. Er war blutüberströmt, vor der Tür stand noch ein weiterer Molotowcocktail. »Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn er mehrfach zugeschlagen hätte. Otto wird ins Krankenhaus eingeliefert. Durch den massiven Schlag hat er eine große Wunde am Hinterkopf, die im Krankenhaus genäht werden musste.
Wie hoch der Schaden im Gastraum ist, kann der Cochemer Gastwirt noch nicht beziffern. Derzeit ist die Eingangstür des Lokals noch versiegelt. Die Spurensicherung muss möglicherweise - je nachdem wie sich der Beschuldigte eingelassen hat - nochmals in den Räumlichkeiten nach Spuren suchen. Fest steht bereits jetzt, so Informationen des WochenSpiegel, dass der mutmaßliche Täter mehrere Molotowcocktails mit zum Tatort gebracht hatte. Einen warf er demnach in den Gastraum und einen hatte er noch vor der Tür stehen. Die Brandsätze hatte er sich zuvor mit Schnapsflaschen hergestellt.  Die Williams-Christ-Birnenbrand-Flaschen soll er mit einem Brandbeschleuniger, also Benzin oder Spiritus gefüllt haben. Um was es sich genau handelt, wird von der Polizei noch im Landeskriminalamt in Mainz analysiert. Eine volle Flasche wurde von den Ermittlern sichergestellt.
Am Montag liefen weitere Vernehmungen. Insbesondere Zeugen, die vor dem Lokal standen, könnten darüber Auskunft geben, wie das Verbrechen abgelaufen ist. Offenbar war der Tatverdächtige bei dem Anschlag angetrunken.
Harald Kurse, Leitender Oberstaatsanwalt: »Dem zur Tatzeit erheblich alkoholisierten Beschuldigten wird zur Last gelegt, in einer Gaststätte in Cochem einen mitgeführten Molotowcocktail in ein Gläserregal geworfen zu haben. Anschließend habe der Beschuldigte den Betreiber der Gaststätte mit einem Schlaggegenstand, einem sogenannten Totschläger, angegriffen und ihn erheblich am Kopf verletzt. Eine Lebensgefahr des Geschädigten bestand nicht.«
Den Tatverdächtigen erwartet im Falle einer Verurteilung eine langjährige Haftstrafe. Der Gesetzgeber sieht bei Totschlag einen Strafrahmen von fünf bis 15 Jahren vor.
Nach WochenSpiegel-Informationen hat der Tatverdächtige ein Teilgeständnis abgelegt.

Fotos: Walz/privat

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