Ein Netzwerk für das Leben und die Wirtschaft

Cochem. Der Kreis schmiedet seine Zukunft: Mit der Zukunftsallianz Cochem-Zell (ZaC) ist 2014 ein Netzwerk aus der Taufe gehoben worden, das den Wirtschafts- und Lebensstandort Cochem-Zell stärken soll. Landrat Manfred Schnur im Gespräch.

WochenSpiegel: Stichwort "Digitaler Wandel in Gesellschaft und Wirtschaft": Welche Chancen sehen Sie hier für den Kreis Cochem-Zell?

Landrat Manfred Schnur: Die "Digitalisierung" ist kein Selbstzweck, sondern ein Instrument, um ein bedarfsgerechtes Leistungsangebot für unsere Bürgerinnen und Bürger sowie unsere Unternehmen bereitstellen zu können. Sie kann helfen, Angebote aufrecht zu erhalten, wenn beispielsweise örtliche Infrastrukturen wegfallen. Sie kann aber auch helfen, bestehende Angebote zu verbessern bzw. die Nutzung zu erleichtern. Insgesamt ist die Digitalisierung eine "Chance für den ländlichen Raum", da dadurch Defizite gegenüber den urbanen Zentren ausgeglichen werden können. In Zeiten wachsender Bedeutung der "Work-Life-Balance" und zunehmender Verknappung / Verteuerung von Wohnraum, aber auch Gewerbeflächen, in Ballungszentren, kann die "Digitalisierung" das Leben auf dem Land attraktiver gestalten und eine echte Alternative darstellen. Dabei soll keiner abgehängt werden. So gewährleistet eine hochleistungsfähige Breitbandinfrastruktur sowohl "Telearbeit" oder "Wirtschaft 4.0", wie auch das "Smarte Wohnen im Alter".

Der wichtigste Wirtschaftsfaktor in unserer Region ist der Tourismus. Zur Sicherung und zukunftsfähigen Ausrichtung des Tourismus im Landkreis wurde mit dem Tourismuscluster ein "Schlüsselprojekt" beschlossen. Was hat es damit genau auf sich?

Es ist gut und schön, wenn der Tourismus im Landkreis noch boomt. Aber was ist, wenn wir der Nachfrage irgendwann kein adäquates Angebot mehr entgegensetzen können, weil z. B. Fachkräfte fehlen, die Angebote nicht mehr den Bedürfnissen der Gäste entsprechen ("Sanierungsstau"), oder Betriebe mangels Nachfolger schließen müssen? Das Tourismuscluster soll sich genau diesen Themen widmen und dafür sorgen, dass die touristische Infrastruktur intakt bleibt und auf zukünftige Anforderungen angepasst wird. Die "Fachkräftesicherung", das "schlechte Image", die "Unternehmensnachfolge" und die "Saisonverlängerung" sind dabei zentrale Handlungsfelder. Über allem steht die "Qualität". Daher gibt es für die Aufnahme ins Cluster gewisse Aufnahmekriterien. In der 1. Jahresabschlusskonferenz am 4. Dezember 2019 werden die bisherigen Ergebnisse und zukünftigen Planungen vorgestellt.

Auch der Kreis Cochem-Zell hat mit Abwanderung von jungen Menschen zu tun. Dabei lebt es sich in unserer Region doch eigentlich sehr gut. Welche Defizite gibt es nach Ihrer Meinung und was kann die Politik tun, um dem entgegen zu wirken?

Wie jüngst eine Studie von Prognos im Auftrag des ZDF zum Thema "Wo lebt es sich in Deutschland am besten?" gezeigt hat, müssen wir insbesondere am eigenen Bewusstsein und an der Wahrnehmung, nach innen und nach außen, arbeiten. Dennoch ist natürlich auch nicht alles gut bei uns. Neben einem adäquaten Ausbildungs- und Arbeitsplatzangebot fehlen für jungen Menschen oft auch Angebote im Bereich Kultur und Freizeit. Vorhandene Angebote, insbesondere auch in benachbarten Städten, sind mit öffentlichen Mobilitätsangeboten vielerorts nur sehr schwer zu erreichen. Im Rahmen des angestoßenen Prozesses "Masterplan Integrierte Standortentwicklung" werden wir uns diesen Themen widmen.

Sie sprachen den "Masterplan Integrierte Standortentwicklung" an. Was hat es damit genau auf sich?

Der Masterplan verfolgt das Ziel, den Landkreis Cochem-Zell als attraktiven Lebens- und Arbeitsstandort zu positionieren und bestmögliche Rahmenbedingungen für die Ansiedlung von Unternehmen und den Zuzug von jungen Menschen sowie Fachkräften zu bieten. Ein Schlüsselprojekt ist der Aufbau eines "Standortmarketings" auf Kreisebene, das letztlich auch bei der Vermarktung von Gewerbeflächen unterstützen soll. In diesem Zusammenhang müssen wir uns natürlich auch fragen, wie wir unsere "Standortqualität", beispielsweise in den Bereichen Kultur und Freizeit, Wohnen oder auch medizinische Versorgung weiter verbessern können. Als erste Projektphase wird noch in diesem Jahr die Bestandsanalyse abgeschlossen.

Viele Diskussionen und politischen Zündstoff gab es um ein geplantes "Interkommunales Gewerbegebiet" in der Eifel. Sie waren immer ein Befürworter eines solchen. Nun wird es dort, wo es geplant war, nicht realisiert werden können, da sich die Kommunalpolitik vor Ort querstellt. Haben Sie das Projekt nun gedanklich "beerdigt"?

Nein, keinesfalls! Wir haben eine eindeutige Beschlusslage: Alle Räte der Verbandsgemeinden und der Kreistag haben sich mit großer Mehrheit für die Entwicklung eines "Interkommunalen Gewerbegebiets" ausgesprochen. Natürlich geht es nur mit den Gemeinden und den Menschen vor Ort. Aufgrund der herausragenden Bedeutung des Themas und der hohen Nachfrage nach Gewerbeflächen im Landkreis Cochem-Zell, werden wir mit den Verbandsgemeinden und interessierten Standortgemeinden alternative Standorte prüfen.

Ein Schwerpunkt Ihrer Arbeit war immer der Ausbau der "digitalen Infrastruktur". Hier hat der Kreis Cochem-Zell enorme Fortschritte zu verzeichnen und der Kreis nimmt mittlerweile eine Spitzenposition im Vergleich zu anderen ländlichen Regionen ein. Wie man Sie kennt, ruhen Sie sich nun nicht auf diesen digitalen Lorbeeren aus. Wie ist Ihre weitere digitale Strategie für unseren Landkreis?

Wir arbeiten konsequent an der weiteren Verbesserung der digitalen Infrastruktur. Die Baumaßnahmen im Nacherschließungsprojekt werden noch im November 2019 beginnen. Gleichzeitig bereiten wird derzeit bereits den Förderantrag für die Versorgung von Industrie- und Gewerbegebieten mit direkten Glasfaseranschlüssen - nach Möglichkeit mit Aufbau von lokalen 5G-Infrastrukturen - vor, der noch im vierten Quartal 2019 eingereicht werden soll. Parallel planen wir den flächendeckenden Gigabitausbau, das heißt die flächendeckende Versorgung mit FTTH. Hierzu sind allerdings noch intensive planerische Vorarbeiten zu erbringen, bevor eine Antragstellung in dem für nächstes Jahr angekündeten Förderprogramm zur Erschließung sogenannter "grauer Flecken" erfolgen kann. Auch die "Inwertsetzung" der digitalen Infrastruktur soll durch weitere Projekte, wie zum Beispiel das Virtuelle Kraftwerk, Smartes Wohnen im Alter, Smarter Weinberg, Mittelstand 4.0, vorangetrieben werden.

Die Fragen stellte Mario Zender.

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