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Ferrari geschrottet: Stadt Cochem soll nun zahlen

Klage beim Landgericht Koblenz eingegangen

Cochem.  Der Urlaub eines Multimillionärs aus Nordrhein-Westfalen in der Moselstadt Cochem war für diesen sicher »unvergesslich«. Denn der Autofan hat einen folgenschweren Unfall in Cond gebaut. Nun soll die Stadt Cochem den Schaden an dem Luxusschlitten zahlen – stolze 62.432,60 Euro. Beim Landgericht ist eine entsprechende Klage eingegangen.

Von Mario Zender

Es ist der Traum eines jeden Autofans: Vom Modell »Ferrari F 40« (478 PS) wurden lediglich 1.315 Exemplare in der italienischen Autoschmiede gefertigt. In dem Luxus-Supersportwagen, den der italienische Sportwagenhersteller von 1987 bis 1992 baute, steckt viel Rennsporttechnik, wie etwa Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff.
Der »F40« war, als bis dahin schnellster und stärkster »Ferrari« für den Straßeneinsatz, technisch und optisch ein besonderes Modell und der letzte »Ferrari«, der unter der Regie von Enzo Ferrari entwickelt wurde. Einer dieser Luxuswagen schreibt nun eine unrühmliche Geschichte in der Moselstadt Cochem. Sein Besitzer ist ein schwerreicher Industrieller aus Nordrhein-Westfalen.  Der 72-Jährige weilte 2019 anlässlich des Heimat- und Weinfestes in Cochem. Und dieser Aufenthalt dürfte für dem Autofan vermutlich »unvergesslich« bleiben. Sein Erholungs-Trip an die Mosel verlief nämlich anders als geplant. Am 24. August 2019, gegen 16.30 Uhr, baute er mit seinem »Ferrari F 40« im Stadtteil Cond einen folgenschweren und kostspieligen Unfall. In der Brauselaystraße krachte es plötzlich.  Der tiefliegende Luxuswagen, mit einem Zeitwert von 940.000 Euro, war auf der abschüssigen Straße auf den Asphalt geknallt. Durch das Aufsetzen auf der Straße wurde das Fahrzeug erheblich hinten links beschädigt. Weiterhin brachen, so ein Gutachten, die Frontmaske und der Spoiler ab und die »A-Säule« und die Motorhaube wurden zerkratzt. Dazu wurde noch die Schottwand beschädigt und musste erneuert werden. Gesamtschaden laut Sachverständigen-Gutachten: 62.432,60 Euro. Diesen Schaden meldete der Eigentümer seiner Versicherung, die die Kosten für die Wiederherstellung des roten Flitzers auch bezahlte.
Doch nun will die Versicherung das Geld von der Stadt Cochem zurückhaben. Begründung: Die Straße im Cochemer Stadtteil Cond war nicht in Ordnung.  
Als der Fahrer des »Ferrari F 40« am 24. August 2019 den Luxuswagen auf der Brauselaystraße in Cond aufsetzte, dürfte vermutlich die Gesichtsfarbe des Fahrers die des Sportwagens geähnelt haben: »Rosso Corsa«, italienisch rosso, »rot«, und corsa, »Rennen«, ist ein für Fahrzeuglackierungen im Motorsport verwendeter roter Farbton.
Doch der millionenschwere Unternehmer aus einer Großstadt in Nordrhein-Westfalen hatte Glück im Unglück. Der 1991 gebaute Luxuswagen, mit einem Verkehrswert von 940.000 Euro, war gut versichert. Die Versicherungsgesellschaft erstattete ihrem Top-Kunden umgehend die Kosten für die aufwendige Reparatur des Nobelwagens: 62.432,60 Euro.  
Und die Versicherung möchte nun dieses Geld von der Stadt Cochem zurückhaben, nebst den Kosten für Rechtsanwalt, Gutachten und Auslagen.  Denn die Stadt sei, aufrund des schlechten Straßezustandes Schuld am Unfall.  
Cochems Stadtbürgermeister Walter Schmitz bestätigt die Forderung im Gespräch mit dem WochenSpiegel. »Wir haben den Vorgang an unsere Versicherung abgegeben«, so Stadtbürgermeister Walter Schmitz.
Die Frage, die sich stellt ist, ob die Ursache für en Unfall in einem schlechten Zustand der Brauselaystraße zu suchen ist oder auf einen »schnittigen Fahrstil« des 72-jährigen Unternehmers zurückzuführen ist.  
Der Industrielle hat offenbar viel Erfahrung im Auto- und Motorsport. Recherchen des Cochemer WochenSpiegel belegen, dass der Unternehmer bereits an zahlreichen Motorsportrennen als Fahrer teilgenommen hat, unter anderem am 24h-Rennen in Dubai. Wer nun schuld am Unfall in Cochem-Cond ist, soll nun das Landgericht Koblenz klären. Die dortige Pressesprecherin Katrin Weinert bestätigte auf WochenSpiegel-Anfrage, dass das betreffende Zivilverfahren anhängig sei (AZ: 10 O359/20). Die Klage sei der Beklagten zugestellt worden und nun laufe eine entsprechende »Stellungnahmefrist«. Für die Stadt Cochem könnte das Urteil weitreichende Folgen haben.  Wenn Kommunen dafür haftbar gemacht werden würden, dass Straßen nicht ganz in Ordnung sind, würde so ein enormes Haftungsrisiko auf die Stadt zukommen.
Sicherlich wird sich das Gericht aber auch das umfangreiche Schadensbild an dem Luxus-Ferrari anschauen. Ob diese Schäden wirklich bei einem langsamen Befahren der Straße entstanden sein können, wird die entscheidende Frage in diesem Verfahren sein. Bericht folgt!

Kurzinfo Ferrari Modell »F 40«

Enormer Wertzuwachs beim »Ferrari F40«

Der Supersportwagen »Ferrari F40« wurde von 1987 bis 1992 auf den Markt gebracht. Der Automobilhersteller setzte auf Leistungsstärke und unterstrich den Charakter mit roter Lackierung und rot bezogenen Sportsitzen. Der V8 Bi-Turbo-Benziner schaffte starke 478 PS und ist in 4,1 Sekunden von »Null auf Hundert«. »Ferrari« brachte seinen »F40« in limitierter Auflage auf den Markt und profitierte gleichwohl von dessen Wertzuwachs. Erhältlich war der Flitzer ab 444.000 DM (Umrechnung in Euro 227.013).

Kommentar

"Rechtsfrage"

Von Mario Zender

Ein sündhaft teurer Sportwagen, ein hoher Schaden und die Frage nach der Schuld. Es ist ein interessantes Verfahren, das da beim Landgericht läuft. Man kann nur hoffen, dass die Versicherung nicht Recht bekommt. Sonst wird es künftig teuer für die Kommunen. Dies könnte auch die Sperrung von Straßen, die nicht mehr ganz in Ordnung sind, nach sich ziehen – damit zukünftig nicht weitere Regressforderungen ins Amt flattern.  
Mail an den Autor: mzender@weiss-verlag.de

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Kommentar von Mathias
Es gibt ziemlich genau drei Möglichkeiten:
1. Jede Strasse, die nicht tiefergelegten Sportwaren, wie dem Anspruch des F40 genügen, müssen gesperrt werden
2. Fahrzeuge, die nicht mit solchen Straßen zurechtkommen, dürfen in Deutschland nicht mehr zugelassen werden
3. Man definiert eine Mindestbodenfreiheit, bis zu denen eine Kommune haftet und es liegt im Eigenverantworten des Fahrers ein Fahrzeug unter diesem Limit Art auf den Straßen zu bewegen

Da mag sich jeder überlegen, was ihm die liebste Lösung ist. Aber das Ergebnis wird sicher nicht sein, daß Kommunen das Risiko für sowas übernehmen
Kommentar von olaf crum
Sorry,die Städte sollen zahlen,diese Verkehrshindernisse ,Boden wellen,etc ist für kein Auto gut,man traut sich kaum noch auf die Straße mit dem Sportwagen,überall auch diese künstlich gebauten Boden wellen,bzw Erhöhungen
Kommentar von Bredl Siegfried
Mit einem tiefliegenden Wagen wie es der Ferrari nun mal ist sollte sich der Lenker schon darüber bewusst sein bei unseren heutigen Straßenverhältnissen dass die Unterseite schneller Schaden nehmen kann gegenüber einem SUV oder eben etwas höheren Fahrzeugen.
Natürlich wird versucht die Schuld dafür einem anderen zuzuschieben .