Kräuter-Joints: Junge Männer bauten florierenden Internethandel auf

Cochem. Sie wähnten sich im "legalen Bereich". Doch spätestens, als Staatsanwaltschaft und Polizei "auf der Matte" standen, muss ihnen klar geworden sein, dass die Kräutermischungen, die sie im großen Stil übers Internet vertrieben, nicht ganz so legal sein dürften.

Erst im Juni hatte das Landeskriminalamt vor dem Konsum so genannter Kräuter-Joints gewarnt. Hintergrund war ein Zwischenfall in Bad Kreuznach. Dort waren zwei Berufsschüler nach dem "Genuss" eines solchen Joints zusammengebrochen, einer erlitt einen Herzstillstand. Vor dem Schöffengericht in Cochem müssen sich nun zwei junge Männer aus der Verbandsgemeinde Zell verantworten, die solche Kräutermischungen monatelang übers Internet vertrieben haben. Nach eigenen Angaben wollen sie nicht gewusst haben, welche verheerenden Wirkungen der Konsum mit sich bringen kann.Ronny S. (Name geändert) war Mitte 2011 arbeitslos geworden. Der 25-Jährige, der vor Gericht angab, selbst regelmäßig Joints zu rauchen, stieß im Internet auf "Legal High"-Produkte, die dort etwa als Kräutermischungen, Lufterfrischer oder Badesalze angeboten werden. "Ich habe das zu Hause ausprobiert", berichtet Ronny S.. Nach dem Konsum sei er "aufgeputscht" gewesen, schildert er. Da muss ihm die zündende Geschäftsidee gekommen sein. Abermals zog er das Internet zu Rate. "Ich konnte in den Gesetzen nichts Großartiges finden, dass die Produkte verboten sind." Das war im Juni 2011. Mittlerweile hat sich die Gesetzeslage geändert. Denn tatsächlich befinden sich Konsum und Verkauf der "Legal Highs" am Rande der Legalität.  Der Grund: Die harmlos wirkenden Produkte enthalten meist Betäubungsmittel oder ähnlich wirkende chemische Wirkstoffe, die auf den bunten Verpackungen nicht ausgewiesen werden. Konsumenten rauchen, schlucken oder schniefen die Produkte zu Rauschzwecken. Vor drei Monaten erging ein entsprechendes Gesetz, das viele Inhaltsstoffe der Kräuter-Joints verbietet. Zu diesem Zeitpunkt saß Ronny S. bereits in Untersuchungshaft. Von Juli 2011 bis Januar 2012 soll er gemeinsam mit einem Freund weit über 3 000 Kräutermischungen an Kunden im In- und Ausland versandt haben. Das "florierende" Geschäft stand offenbar auf einem soliden wie illegalen Fundament. Dabei wurde das Geschäftsmodell offenbar auch von Amts wegen "abgesegnet". Mit seiner Steuerberaterin, so berichtet Ronny S., habe er einen Businessplan erarbeitet. Bei der Arbeitsagentur beantragte er damit eine Förderung zur Existenzgründung. "Weder die, noch das Gewerbeaufsichtsamt äußerten irgendwelche Bedenken", sagt der 25-Jährige. Er suchte sich Großhändler im Internet. Sein Freund, der nun neben ihm auf der Anklagebank sitzt, programmierte verschiedene Internet-Shops. "In kürzester Zeit ist das Geschäft dann explodiert", so Ronny S.. Über Monate hinweg sollen Kräutermischungen und Badesalze mit verheißungsvollen Namen wie "Jamaica Spirit" oder "Maya 2012" hundertfach die Besitzer gewechselt haben. "Das Geld, was in dieser Zeit eingenommen wurde, haben wir in die Firma refinanziert", berichtet der Angeklagte. Auf diese Weise hätten sie eine große Produktpalette aufbauen können. Und quasi als "Provision" fielen auch für die beiden Geschäftsmänner ein paar vermeintlich legale Rauschmittel ab. Mindestens einmal am Tag hätten sie sich nach eigenen Angaben etwas aus der eigenen Produktpalette gegönnt. Den Handel räumten Ronny S. und sein 21 Jahre alter Freund Peter M. (Name geändert) während des ersten Verhandlungstages ein. Allerdings bestreiten sie, von den verbotenen Inhaltsstoffen gewusst zu haben. "Ich habe gedacht, das ist eine Grauzone, die man ausnutzen könnte", sagt Peter M.. Nach einem anonymen Hinweis hatten Staatsanwaltschaft und Polizei Licht in diese "Grauzone" gebracht, als sie den "Firmensitz" durchsuchten und umfassendes Beweismaterial sicherstellten. Schon vor dem Verhandlungstermin hatten sich die Prozessbeteiligten in einem langen Vorgespräch auf eine Höchststrafe für die beiden Angeklagten verständigt, die ins Urteil einfloss. Der Vorsitzende Richter Gerald Michel verurteilte Ronny S. zwei Jahren und zehn Monaten. Peter M. "kassierte" eine Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung.Themefoto: Nielen

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