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"Moselcard" ist "gestorben"

Zuspruch der Betriebe offenbar zu gering

Cochem. Die Gästekarte „MoselCard“ sollte zur kommenden Saison 2020 für die Ferienregion Mosel-Saar an den Start gehen. Nun teilt die Mosellandtouristik die Einstellung des Projektes mit.

Als umlagefinanzierte Gästekarte sollte die „MoselCard“ alle touristisch relevanten Attraktionen und Leistungen für die Ferienregion Mosel-Saar bündeln und Übernachtungsgäste mit kostenlosen Freizeitaktivitäten und freier Fahrt mit Bus und Bahn für einen Urlaub in der Region Mosel-Saar begeistern. Vor einem Jahr startete die Mosellandtouristik das Projekt „MoselCard“, begleitet von der Agentur IRS Consult in München, mit der Durchführung einer Potenzialanalyse. Neben der Kalkulation des Umlagebetrages war das Ergebnis der Analyse, dass die Region über die wesentlichen Voraussetzungen zur Einführung einer umlagefinanzierten Gästekarte verfügt, nämlich ein attraktives Leistungsspektrum im Freizeit- und Kulturbereich sowie eine hinreichende Anzahl von Beherbergungsbetrieben mit - ausgehend von rund sieben Millionen Übernachtungen jährlich - einem potenziellen, für den wirtschaftlichen Betrieb der Karte ausreichendem Aufkommen von teilnehmenden Übernachtungen. Daraufhin startete die Mosellandtouristik im Januar 2019 eine intensive Akquise bei Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie Beherbergungsbetrieben, um für deren Teilnahme zu werben. Bis zum gesetzten Fristende am 30. Juni 2019 haben sich jedoch mit 67 Betrieben zu wenige Beherbergungsbetriebe für eine Teilnahme entschieden.
„Es wäre der große Wurf für die Region gewesen. Mit der kostenlosen Nutzung von Bus und Bahn und der Teilnahmezusage von bereits 55 Kultur- und Freizeitangeboten war das Leistungspaket für die MoselCard stimmig. Notwendig wären jedoch deutlich mehr Gastgeber gewesen, die sich mit ihrem Beherbergungsbetrieb an der MoselCard beteiligen“, begründet der Aufsichtsratsvorsitzende der Mosellandtouristik, Landrat Gregor Eibes, das Aus für die „MoselCard“.

Mit rund 230.000 Übernachtungen liege das Akquise-Ergebnis deutlich unter der kalkulatorisch errechneten Zielsetzung von einem Volumen von einer Million teilnehmenden Übernachtungen. Damit ist eine erfolgreiche und tragfähige Einführung der „MoselCard“ nicht möglich. „Wir bedanken uns bei den Betrieben und Leistungsträgern, die das Projekt mit ihrer Teilnahmezusage unterstützt haben. Wir bedauern jedoch sehr, dass dieser wichtige Schritt für die touristische Entwicklung der Region von der Mehrheit der Beherbergungsbetriebe nicht mitgetragen wurde“, so der Aufsichtsratsvorsitzende.
Um möglichst viele Partner mit ins Boot zu nehmen, führte die Mosellandtouristik zwischen Saarburg und Winningen acht Informationsveranstaltungen, über 120 persönliche Vor-Ort-Gespräche, zahlreiche Telefonate sowie Mailing-Aktionen durch und konnte damit mehr als 1300 Betriebe und Leistungspartner über das Projekt informieren und für die Teilnahme werben.
„Die Kommunikation der Mosellandtouristik war sehr professionell und die Region Mosel-Saar weist sowohl von Seiten der Beherbergungsstruktur als auch vom Angebot der Kultur- und Freizeiteinrichtungen ein erfolgreiches Leistungsspektrum für eine wirtschaftlich tragfähige Umlagekarte auf“, ist sich Sebastian Erb von IRS Consult sicher. „Und der Umlagebetrag pro Übernachtung ist mit 2,80 Euro pro Erwachsenen und 1,70 Euro für Jugendliche im Vergleich zu anderen Card-Projekten niedrig angesetzt.“
„Die Grundhaltung der Beherbergungsbetriebe und Kultur- und Freizeitreinrichtungen zur „MoselCard“ ist positiv, jedoch häufig hinsichtlich der eigenen Projektteilnahme zu abwartend“, sagt die Geschäftsführerin der Mosellandtouristik, Sabine Winkhaus-Robert. „Fast alle Gastgeber haben zwar das Projekt grundsätzlich befürwortet und den Mehrwert für die Region gesehen, weitaus die Mehrzahl hat sich dann aber doch gegen die eigene Teilnahme entschieden.“ Als Gründe für eine letztendliche Absage wurden vor allem der als zu hoch empfundene Umlagebeitrag und der erhöhte Personalaufwand bei der Ausgabe der Gästekarte genannt.

Leider erkennen noch zu wenige Gastgeber den Mehrwert der „MoselCard“ als Marketinginstrument für ihren Betrieb“, so die Geschäftsführerin. „Das Ergebnis ist enttäuschend und es ist bedauerlich, dass wir das Marketinginstrument „Umlagefinanzierte GästeCard“ nicht so wie andere Top-Destinationen, beispielsweise Südtirol, Hochschwarzwald und Allgäu, umsetzen können.“ Dort wirken sich die Card-Projekte positiv auf die Entwicklung von Gästezahlen, Verweildauer und den Bekanntheitsgrad der Regionen aus.
„Als positives Ergebnis aus dem Projekt nehmen wir die vielen Gespräche und Kontakte mit, wodurch wir unser touristisches Netzwerk weiter vertiefen konnten“, resümiert Sabine Winkhaus-Robert. „Wir freuen uns darauf, dieses für zukünftige Marketingkooperationen nutzen zu können.“

 

 

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Kommentar von Patrick Haas
Als "historisches Projekt" wurde die Moselcard angekündigt. Möglicherweise haben sich die Initiatoren einfach nur verschätzt und eine solche Idee passt aus verschiedenen Gründen nicht an die Mosel. Vor einigen Jahren gab es schon mal eine ähnliche Idee, sogar Rheinland-Pfalz weit. Dies ist damals ebenfalls gescheitert. Also ist die Idee "Moselcard" gar nicht so neu. Fragt sich also, ob die Umsetzung jetzt nur schlecht gedacht und gemacht ist. Beispiel Bernkastel-Kues: Gerade erst im letzten Jahr wurde der Gästebeitrag eingeführt (Gäste zahlen pro Nacht einen zusätzlichen Betrag von 1,50 €) . Als "kleine Entschädigung" dafür gibt es eine Gästekarte, mit der bereits freier Eintritt bzw. Ermäßigungen/Rabatte in Bernkastel-Kues und Umgebung möglich sind. Andere Orte an der Mosel führen ebenfalls gerade den Gästebeitrag ein, möglicherweise auch mit ortsbezogenen Gästekarten. Dann parallel noch dazu eine Moselcard (Erwachsene zahlen 2,80 €), die der Hotelier erst für jeden Gast und jede Übernachtung käuflich erwerben muss und die dann letztlich der Gast auch wieder selbst bezahlt? Irgendwie fehlt da die Klarheit im Gesamtkonzept; was jetzt: Gästekarte und/oder Moselcard?
Es wird auch schnell der Vergleich z. B. zu Bayern gezogen, in denen es regionale Karten schon länger gibt. Der Vergleich hinkt - meist läuft die Finanzierung anders. Hoteliers, die mitmachen, zahlen vorab z. B. in einen Marketingtopf ein, aus dem die Vergünstigungen der Karte finanziert werden.
Urlaub in Bayern und an der Mosel lassen sich auch nicht vergleichen: Urlaube in Bayern sind oft "Haupturlaube", die eine Woche und mehr umfassen; an der Mosel beträgt die durchschnittliche Verweildauer ca. 3 Tage. Wandern, Radfahren, die unmittelbare Gegend erkunden, sind Hauptmotive für einen Urlaub an der Mosel. Warum da noch zu entfernten Orten fahren - ist dafür Zeit?
Wahrscheinlich hängt die Idee der Moselcard auch mit der geänderten Tourismusstrategie in Rheinland-Pfalz zusammen: Neu ist, das Bundesland Rheinland-Pfalz soll stärker als Urlaubsland beworben werden, nicht mehr unbedingt kleinere Regionen oder einzelne Orte, die bisher DIE Leuchttürme waren und sind. Jahrelang ist man aber den umgekehrtern Weg gegangen, hat Angebote in den einzelnen Orten ausgebaut und den Gästen schmackhaft gemacht. Und viele Orte haben ein Alleinstellungsmerkmal. Und so reagieren Gäste folgerichtig "man fährt in den Kurzurlaub nach Bernkastel-Kues oder Traben-Trarbach oder Cochem oder Trier." Allgäu oder Südtirol dagegen sind gewachsene, traditionell als zusammengehörend empfundene Urlaubsdestinstionen; das gilt für eine Region wie Mosel-Saar so nicht. Ob daher eine überregionale Marketingstrategie an der Mosel ein erfolgversprechender Weg ist, sei mal dahingestellt.