»Scheidung« vom Landkreis: Jetzt beginnt Streit ums Geld

Cochem. Der Wechsel der drei Hunsrückgemeinden Lahr, Mörsdorf und Zilshausen könnte ein Loch von rund einer halben Million Euro in den Haushalt des Kreises Cochem-Zell reißen. Dafür muss ein finanzieller Ausgleich her. Das findet die Mehrheit der Kreistagsmitglieder und hat die Verwaltung damit beauftragt, entsprechende Verhandlungen mit dem Land und dem Nachbarkreis zu führen.

Selten hat wohl eine Kreistagssitzung so viele Zuschauer wie am Montag. Zahlreiche Bürger aus den betroffenen Hunsrückgemeinden waren nach Cochem gekommen und erlebten eine Diskussion über die nächsten Schritte in punkto Kommunalreform. Erstmals beschäftigte der Kreistag mit dem Thema. Grund ist die »Wechselstimmung« in Mainz: Nachdem ein Wechsel der drei Gemeinden in den Rhein-Hunsrück-Kreis unmöglich schien, will das Land sie nun doch ziehen lassen. Voraussetzung ist die Zustimmung des Landkreises Cochem-Zell. Doch bis dahin sind noch viele Verhandlungen nötig, das machte die jüngste Kreistagssitzung deutlich.

Vorwürfe gegen Landrat

Lange Zeit sah es am Montag nach einer sachlichen Diskussion aus. Bis zu dem Zeitpunkt, als Kreistagsmitglied Holger Haupt (Bündnis 90/Die Grünen) das Wort ergriff. Er warf Landrat Manfred Schnur vor, die Zahlen über die finanziellen Auswirkungen einer Ausgliederung falsch berechnet zu haben. Um die Fassung des Plenums war es geschehen, als Haupt auf die Personalaufwendungen zu sprechen kam. Mit 317 000 Euro schlagen diese bei der vom Kreis vorgelegten Auflistung zu Buche. Berücksichtigt ist das Gehalt von fünf Mitarbeitern, die erst nach und nach abgebaut werden können und deren Gehalt weiter die Kreiskasse belastet. Haupts Vorschlag dazu:  Es müsse doch möglich sein, diese fünf Stellen schnellstmöglich abzubauen, etwa durch »geschicktes Personalmanagement«.

Interessen des Kreises vertreten

Die Kritik für diesen Vorschlag folgte prompt:  »Bei Herrn Haupt habe ich den Eindruck, er ist eher ein Vertreter des Rhein-Hunsrück-Kreises. Ich habe den Ausführungen nicht entnommen, dass er sich für den Kreis Cochem-Zell einsetzt«, so Matthias Müller (FWG). Zur Wehr setzte sich auch Landrat Manfred Schnur. »Dass ich getürkte Zahlen vorgelegt habe, lasse ich mir nicht nachsagen«, wetterte er. Er betonte, dass er die Interessen des Kreises vertreten müsse. Und die gehen nun mal mit den Finanzen einher. Daher sollen nun Gespräche mit dem Land und dem Rhein-Hunsrück-Kreis über mögliche finanzielle Ausgleiche geführt werden. Entsprechende Verhandlungsaufträge haben die Kreistagsmitglieder am Montag mehrheitlich beschlossen.

Foto: Katja Thönnes

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