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Verwandte von Mitarbeitern früher mit Impfstoff versorgt

Impfzentrum Landkern in der Kritik

Cochem. WochenSpiegel-Exklusiv: Kreisverwaltung Cochem-Zell bestätigt WochenSpiegel-Recherchen, dass Mitarbeiter im Impfzentrum Freunde, Bekannte und Familienmitglieder anrufen durften, die dann geimpft wurden. Und die mussten noch nicht einmal aus dem Landkreis Cochem-Zell stammen. So wurden Impfdosen, die eigentlich für Cochem-Zeller Bürger bestimmt waren, auch an Auswärtige verimpft. Das Vorgehen wirft viele Fragen auf.

Von Mario Zender

Corona-Impfstoff ist (noch) rar und begehrt. Im Landkreis Cochem-Zell sind laut Statistik der Kreisverwaltung bis vergangenen Freitag 28.530 Cochem-Zeller einmal geimpft, was rund 46,5 Prozent der Kreisbevölkerung ausmacht. Viele Menschen in der Region warten noch auf einen Impftermin. Und das oftmals trotz einer Priorisierung, wie etwa Feuerwehrmänner oder Risikogruppen. Diese dürften sich spätestens jetzt wundern, wenn durch Recherchen des WochenSpiegel Abläufe im Cochem-Zeller Impfzentrum an die Öffentlichkeit kommen. In dem Impfzentrum in Landkern sollen dort beschäftigte Mitarbeiter ihren Verwandten, Freunden und Bekannten zur Impfung mit dem Impfstoff von »AstraZeneca« verholfen haben. Auf ausdrückliche Weisung des verantwortlichen Leiters des Impfzentrums.
Eigentlich gib es im Impfzentrum eine Liste, auf die sich Cochem-Zeller Bürger setzen lassen können. Auf diese Liste wurde, für den Fall, dass Impftermine von Berechtigten nicht wahrgenommen werden und so Restimpfstoffe übrigbleiben, zurückgegriffen. Dass es diese Liste überhaupt gibt, wussten beziehungsweise wissen die wenigsten, denn sie wurde nicht öffentlich kommuniziert. Auf der Liste stehen (mit Stand vergangenen Donnerstag), so die Kreisverwaltung, 203 Cochem-Zeller, die auch jeweils eine Priorisierung vorweisen können. Unter anderem auch Feuerwehrmänner und chronisch Kranke. Vorgabe im Impfzentrum in Landkern war und ist, sollten Impfdosen übrigbleiben, dass Personen dieser Liste telefonisch kontaktiert und ihnen ein spontaner Impftermin innerhalb weniger Stunden angeboten werden soll. Dies wurde auch in zahlreichen Fällen so praktiziert.
Am 23. und 25 April war, so ergaben es Recherchen des WochenSpiegel, alles anders. An diesen beiden Tagen wurde im Impfzentrum Landkern, abweichend von der bisherigen Vorgabe, nicht die Warteliste abgearbeitet, wie dies eigentlich vorgegeben war, sondern Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Impfzentrums konnten Freunde, Familienangehörige und Bekannte anrufen und diesen eine kurzfristige Impfung mit »AstraZeneca« anbieten. Und die mussten noch nicht einmal, so ergaben Recherchen des WochenSpiegel, aus dem Landkreis Cochem-Zell stammen, beziehungsweise hier ihren ersten Wohnsitz haben. Auf eine Prüfung wurde an den Tagen einfach verzichtet.
Konfrontiert mit den Recherchen, räumt die Kreisverwaltung Cochem-Zell den Sachverhalt im Wesentlichen ein. Selina Höllen, Pressesprecherin der Kreisverwaltung: »An den beiden Tagen waren abends jeweils relativ viele Impfdosen ,AstraZeneca‘ übrig, die innerhalb einer Stunde verimpft werden mussten. Da es sehr lange dauerte, Personen von der Warteliste für eine kurzfristige Impfung zu gewinnen, wurde vor Ort entschieden, dass alle anwesenden Mitarbeiter im Impfzentrum priorisierte Personen kontaktieren sollten, welche kurzfristig zu einer Impfung kommen konnten.« Für die Kreisverwaltung ist der Ablauf in Ordnung. Selina Höllen: »Dieses Vorgehen war notwendig und alternativlos, um zu verhindern, dass die Impfdosen verworfen werden mussten.«
Für den Präsidenten des Landesfeuerwehrverbandes Rheinland-Pfalz, Frank Hachemer, ist dieses Vorgehen mehr als ärgerlich. »Warum denkt man in solchen Fällen nicht zuerst an die Feuerwehr? Diese sind das Fundament unserer Sicherheit. Viele von den Feuerwehrleuten, die noch nicht geimpft sind, fühlen sich regelrecht veräppelt, weil dieser Vorgang belegt, dass man nicht an sie denkt.«
Dass mit dem begehrten Impfstoff, der eigentlich für Cochem-Zeller Bürger bestimmt war, auch Impfwillige aus anderen Regionen geimpft wurden, kommentiert die Kreisverwaltung wie folgt: »Grundsätzlich gilt für die Impfzentren das Wohnortprinzip. An den oben genannten Tagen wurde jedoch auf eine Prüfung des Wohnortes verzichtet, da relativ viele Impfdosen innerhalb kürzester Zeit verimpft werden mussten. Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass auch Personen geimpft wurden, die ihren Wohnsitz nicht im Landkreis Cochem-Zell haben.«

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Kommentar von Elisabeth Friesenhahn
Ist es denn hilfreich, eine Presse zu kritisieren, die auf Missstände hinweist? Dass eine Liste für Cochem-Zeller existiert, war mir nicht bekannt, ich hätte mich sonst dort gerne eingetragen! Es scheint sich um ein Kommunikationsproblem gehandelt zu haben. Ich sehe nicht, dass eine Berichterstattung hierüber Neid schürt und die Gesellschaft spaltet.
Kommentar von Junglas
Und wieder ein weiterer Artikel, welcher zeigt wie sehr die Presse ihrem Auftrag einer seriösen Berichterstattung nicht gerecht wird, stattdessen aufwiegelt, hetzt, Neid schürt und die Gesellschaft spaltet.
Investigativ-Journalismus aus der Provinz?
Ich bin mir sicher, zumindest möchte ich es annehmen, dass die Verantwortlichen überzeugt waren -ohne Eigennutz- das Richtige zu tun.

Kommentar von Susanne Fahrenkrog
Oder diese Menschen wollen so schnell wie möglich geimpft werden, damit sie pünktlich in den Ferien in Urlaub fliegen können.
Dieses Gehacke gab es schon immer und wird es immer geben.
Der Unmut wird immer grösser werden.
Viele viele aus den ersten Prioritäten Gruppen sind noch garnicht geimpft.
Aber Hauptsache ab in den Urlaub.
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