Weniger Arbeitslose, mehr offene Stellen

Cochem. Im Landkreis Cochem-Zell haben die Statistiker der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen Ende April 1.483 arbeitslose Frauen und Männer gezählt. Das sind 120 weniger als im März und 40 mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote ist um 0,3 Punkte auf 4,4 Prozent gesunken. Im April 2020 lag sie bei 4,3 Prozent.

Positive Signale gib es auch bei der Stellenentwicklung: So liegen dem Arbeitgeberservice der Agentur derzeit 453 Stellenangebote aus dem Landkreis vor, das sind knapp 105 Stellen mehr als vor einem Jahr. Alles in allem gebe es Anzeichen dafür, dass zumindest Teile des regionalen Arbeitsmarkts die langanhaltende Krise erstaunlich gut verkraften und sich bereits auf die Zeit nach Corona vorbereiten, erklärt Thomas Becker, stellvertretender Leiter der auch für Cochem-Zell zuständigen Arbeitsagentur Koblenz-Mayen. "Allerdings gilt das leider noch nicht für alle Branchen und nicht für jeden Arbeitnehmer. Besonders entlang der stark vom Tourismus geprägten Mosel ist die Krise noch nicht überwunden." Außerdem müsse man bedenken, dass nun erstmals ein Corona-Jahr mit einem zweiten Corona-Jahr verglichen werde. "Bislang war die Kluft wesentlich größer, weil wir die Vor-Corona-Lage mit Coronabedingungen verglichen haben."

Versicherungsleistung oder Grundsicherung

Der Blick auf die zugrundeliegenden Rechtskreise des Sozialgesetzbuches (SGB) zeige, dass Arbeitslosigkeit zwar einerseits abnehme, dass ein Teil der betroffenen Menschen nach einem Jahr aber auch von der Versicherungsleistung des SGB III in die Grundversorgung des SGB II (Hartz IV) wechseln müssten: Im Landkreis Cochem-Zell werden Ende April 773 arbeitslose Frauen und Männer nach SGB III von den Arbeitsagenturen betreut – 140 weniger als im März und 24 weniger als vor einem Jahr. In der Obhut des Jobcenters befinden sich nach SGB II derzeit 710 arbeitslose Personen. Das sind 20 mehr als vier Wochen zuvor und 164 mehr als im April 2020.

Der Ausbildungsmarkt

Auch der Ausbildungsmarkt ist im zweiten Corona-Jahr deutlich von der Krise geprägt. Vor allem junge Menschen, die in diesem Sommer die Schule verlassen, sind verunsichert und tun sich schwer mit dem Einstieg ins Berufsleben. So suchten zwar trotz massiver Einschränkungen bislang 298 junge Frauen und Männer aus dem Landkreis Rat und Unterstützung den Berufsberaterinnen und Berufsberatern der Agentur - 31 weniger als vor einem Jahr. Knapp die Hälfte von ihnen gelten derzeit noch als unversorgt. Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen liegt mit 483 dagegen über dem Vorjahresniveau. 261 dieser Ausbildungsplätze sind bislang noch offen. "Viele Arbeitgeber sehen of-fenbar wieder etwas entspannter in die Zukunft und suchen deshalb nach betrieblichem Nachwuchs. Für junge Leute verbessern sich die Chancen, ihren Traumjob zu finden, damit deutlich", erklärt Thomas Becker und räumt ein, dass Orientierung und Bewerbung durch Corona-Beschränkungen massiv beeinträchtigt sind. "Natürlich ist es einfacher, wenn man seinen Berufsberater regelmäßig in der Schule trifft und von Angesicht zu Angesicht mit ihm reden kann. Aber sehr viel lässt sich auch per Telefon oder Video klären."

Entwicklung der Kurzarbeit

Bei der Bewältigung der Krise setzen viele Unternehmen nach wie vor auf Kurzarbeit. Die muss angezeigt und bewilligt werden, bevor sie genutzt werden kann. Nach der Bewilligung können Unternehmen jedoch auch entscheiden, Kurzarbeitergeld (KuG) während des Bewilligungszeitraumes nur für eine gewisse Zeit oder einen Teil der angemeldeten Beschäftigten zu nutzen. Die eigentliche Abrechnung (KuG-Antrag) erfolgt im Nachhinein. Da die Unternehmen bis zu drei Monate Zeit haben, entsprechende Unterlagen einzureichen, lie-gen verbindliche Werte erst mit deutlicher Verzögerung vor. Im Mittelpunkt der statistischen Betrachtung stehen deshalb die KuG-Anzeigen. Im April zeigten laut Statistik 25 Betriebe aus dem Landkreis für 109 Beschäftigte Kurzarbeit an. Vor einem Jahr waren es 583 Betriebe und 4.431 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im April 2019 wurde Kurzarbeit für 70 Personen angezeigt. Insgesamt registrierte die Arbeitsagentur seit Be-ginn der Krise im März 2020 im Landkreis Cochem-Zell 1.257 KuG-Anzeigen für 10.089 Beschäftigte.

Symbolfoto: Archiv

www.arbeitsagentur.de

 

 

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