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Virtuelles aus der Eifel wird in der Welt Realität

Kaisersesch. Ein international vernetztes Design-Studio inmitten der Eifelstadt Kaisersesch - Evamaria Deisen hat ihren Traum verwirklicht und entwickelt Produkte, die den Weg in die weite Welt finden.

"Kaisers…wo?" - das ist es, was Evamaria Deisen immer wieder zu hören bekam, als sie sich im Sommer letzten Jahres dazu entschied in ihren Heimatort zurückzukehren und sich mit einem Unternehmen selbstständig zu machen, das für die kleine Eifelstadt mehr als ungewöhnlich erscheint.

Denn mitten im historischen Ortskern von Kaisersesch wachsen seit letztem November Ideen, die die Produkt- und Designwelt bewegen. Die 29-Jährige ist "Industrial Designerin" und hat sich mit einem eigenen Design-Studio selbstständig gemacht. "Den meisten ist der Begriff und was meine Arbeit ausmacht wohl eher fremd. Dabei haben wir alle jeden Tag mit Gegenständen zu tun, an denen Industrie-Designer mitgewirkt haben", erklärt die junge Unternehmerin. Plant ein Unternehmen ein neues oder verbessertes Produkt auf den Markt zu bringen, ist sie gefragt. Sie gestaltet das Produkt nach den Wünschen der Auftraggeber und bildet so die Schnittstelle zwischen Unternehmen und herstellenden Ingenieuren. Dabei umfasst die Palette dessen, was designet wird, alles von der Zahnbürste bis zum Auto.

"Das Spannende an meiner Arbeit ist, dass sie immer anders ist und ich mich mit völlig unterschiedlichen Produkten, Ideen und Kunden auseinandersetzen muss", so Deisen. Besonders schön sei es, die eigenen Entwürfe irgendwann in der "Realität", zum Beispiel auf Messen, beim Einkaufen im Regal oder auf der Straße, zu sehen. Von der Idee bis zur Herstellung kann es aber ein langer Weg sein. Wie lange die Umsetzung letztlich dauere, hänge aber von vielen Faktoren ab - beispielsweise, ob das Produkt dringend gebraucht werde oder wie hoch das Budget sei.

So spannend das Aufgabengebiet ist, so hoch sind aber auch die Anforderungen an Industrie -Designer. Sie müssen sich ständig auf die neuesten Techniken einstellen und kreativ sein. "Ich gehe anders durch die Welt - immer mit offenen Augen und interessiere mich für Dinge, die andere gar nicht wahrnehmen. Ich frage mich dann immer, warum sieht das Produkt so aus, wie es aussieht", sagt sie mit Begeisterung.

Bereits während des Studiums, für das Evamaria Deisen in den Süden Deutschlands zog, begann sie in der Automobilindustrie und für namhafte Hersteller zu arbeiten. Als einzige Frau in diesem Metier setzte sie sich durch und konnte schnell erste Erfolge verzeichnen. "Darüber sprechen darf ich allerdings nicht. In meiner Branche gilt höchste Geheimhaltung. Wenn ich einen Vertrag mit einem Unternehmen habe, dann muss ich erstmal einen Packen an Geheimhaltungsvereinbarungen unterschreiben. Manchmal muss ich sogar die Fenster abkleben. Es darf absolut nichts nach außen dringen."

Doch zu ihren Kunden zählen keinesfalls nur Weltkonzerne und Großunternehmen, wie die Designerin berichtet: "Jeder kann zu mir kommen und mich engagieren." Viele Menschen hätten jedoch eine gewisse Scheu und vor allem auch Angst vor den Kosten. "Das Wort 'Design' klingt gleich sehr teuer, doch das ist es nicht. Oft berate ich im Kleinen und gebe Anregungen. Einen Designer kann sich tatsächlich (fast) jeder leisten." Um diesen Vorurteilen entgegen zu wirken bietet Deisen ab sofort sogar eine kostenfreie Design-Sprechstunde an, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Damit ist sie in ihrer Branche und wohl auch in Deutschland eine Art "Pionierin".

Das Wichtigste in ihrer täglichen Arbeit sei es ohnehin in Kommunikation zu treten. "Ich arbeite immer eng mit meinen Kunden zusammen, wir sprechen viel miteinander und haben immer wieder Meetings, in denen sie mir ihre und ich ihnen meine Ideen vorstelle. Nur so kann es klappen", erklärt die Designerin.

Und dass sie ein Gespür für das richtige Design hat, konnte sie auch schon in der Renn-Szene unter Beweis stellen. Für den 500 PS starken VW Polo RX Supercar von Dieter Depping, der beim Rallycross-WM Lauf am Estering (Buxtehude) vergangenen Herbst an den Start ging, reichte sie einen Entwurf beim Design-Wettbewerb ein. Und dieser war so überzeugend, dass sich Volkswagen Motorsport und Sport Bild für ihr Modell entschieden und den Polo nach ihren Vorstellungen gestalteten. "Als es am Rennwochenende - Anfang Oktober - dann soweit war und ich als Gast am Estering 'meinen' Polo live gesehen habe, war ich natürlich super stolz", freut sich die Designerin noch immer.

Warum sie sich trotz der Möglichkeiten, die ihr offen standen, entschieden hatte in die Heimat zurückgekommen? "Es war der Wunsch nach einem Fixpunkt und ich wollte wieder bei meiner Familie sein", so die deutliche Bekenntnis zu ihrer Heimat.


www.deisen-design.com

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