Wohnzentrum Müller: Erfolgsgeschichte endet

Möbelhaus in Bengel schließt

Bengel. Die Familie hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht: Zum 31. März 2020 wird das Bengeler Traditionshaus "Wohnzentrum Müller" seine Pforten aus familiär-persönlichen Gründen schließen. Für immer.

Möbel Müller wurde im Jahr 1965 als Möbelhaus Bregenzer gegründet und stetig vergrößert. Mangels Nachfolge verkaufte der Besitzer 1989 das Unternehmen an die heutige Inhaber-Familie Müller. Diese wird ihr Geschäft nun aufgeben.

Robert Müller spricht offen darüber: »Der plötzliche Tod meiner Frau vor zwei Jahren hat mich an meine persönlichen Grenzen gebracht. Davon habe ich mich bis heute noch nicht richtig erholt«. Schon damals machte sich der Chef des erfolgreichen Möbelhauses Gedanken, wie es weitergehen könnte in Bengel und holte seine beiden Töchter mit ins Boot. Sylvia Schütz und Ruth Stäglich, beide bereits vorher im Betrieb engagiert, nahmen die Herausforderung an und krempelten über ein Jahr lang kräftig die Ärmel hoch. Die Firmenübergabe gestaltete sich jedoch schwieriger als gedacht und stellte sich im Laufe dieses Jahres als so nicht realisierbar heraus.
Robert Müller blickt zurück und schmunzelt ein bisschen: »In der Praxis zeigte sich aber, dass meine Mitarbeit weiter ständig gefragt war.«

Branche im Wandel

Gründe, die Firma aufzugeben, gebe es aber noch mehr, denn das Geschäft in der Möbelbranche werde bundesweit schon seit Jahren immer schwieriger. Robert Müller: »Der Markt ist stark rückläufig, Zuwächse sind auch in der Zukunft kaum zu erwarten und der Konkurrenzdruck nimmt zu.« In kleinen, mittelständischen Unternehmen weiter Rendite zu erzielen und Löhne zu bezahlen werde immer schwieriger.
  Kompetente Mitarbeiter, guter Service, eine riesige Auswahl bekannter Markenhersteller und ein Einzugsgebiet von Koblenz bis Trier – all das war dem ehemaligen Gewerbevereinsvorsitzenden immer wichtig; Jahrzehnte lang stand er dafür mit seinem Namen.  In der heutigen Zeit offenbar keine Garanten mehr für eine gesicherte Zukunft. »Das Wertverhalten der Kunden hat sich total geändert“, begründet der 71-Jährige. »Möbel rangieren beim Verbraucher längst nicht mehr auf den vorderen Plätzen der Must-haves. Sie geben lieber mehr Geld für ihre Freizeitgestaltung aus – zum Beispiel für Reisen oder Fahrräder...« Sylvia Schütz nickt. Gemeinsam mit ihrer Schwester Ruth wurde sie quasi im Unternehmen groß und wohnt bis heute gleich nebenan.

Schwere Entscheidung

Auch sie bedauert die Entscheidung, die der Familie wirklich schwer gefallen sei. »Ich selbst habe hier mehr als eine Vollzeitstelle ausgefüllt, was okay war. Meine Schwester allerdings lebt mit ihrer Familie 40 Kilometer entfernt und hat drei kleine, schulpflichtige Kinder. Das ist einfach nicht zu leisten.«
Familie Müller bedauert auch, dass 20, teils langjährige Mitarbeiter, ihren Arbeitsplatz verlieren. »Wir haben sie so früh wie möglich darüber informiert und freuen uns sehr, dass viele bereits neue Arbeitgeber gefunden haben.« Sehr wichtig sind der Unternehmerfamilie natürlich auch ihre Kunden, von denen sie sich »geordnet verabschieden« möchten. »Bis zum letzten Tag werden wir alles für sie tun und Sorge für eine gewohnt ordnungsmäße Auftragsabwicklung tragen. Auch der Kundendienst ist gesichert.« Gerade hat der Räumungsverkauf in dem Wohnzentrum mit 5.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche begonnen. Geplant ist er zunächst bis zum Jahresende. »Wir bieten in allen Wohnbereichen radikal reduzierte Ausstellungsstücke an. Dazu kommen noch einmal 40 Anbauküchen«, erläutert Müller. Auch die Bestellung neuer Ware sei nach wie vor unkompliziert möglich – derzeit ebenfalls zu Sonderkonditionen. Anfang 2020 werde man dann weitersehen und zum Verkaufsoffenen Sonntag im Alftal eventuell noch einen besonderen »Schlusspunkt« setzen, ehe die Ladentüren für immer zu bleiben.  
Die Unternehmens-Immobilien befinden sich in Privatbesitz. Ihre zukünftige Nutzung steht noch nicht fest.
Für Robert Müller bedeutet die Schließung des Wohnzentrums auch den Abschied von seinem Lebenswerk.

Alles hat seine Zeit ...

Die Hände in den Schoß legen will der 71-Jährige deshalb aber noch lange nicht. »Ich bin bereits dabei, mich mit anderen spannenden Themen zu beschäftigen«, verrät er.
Zum Schluss wird er noch einmal nachdenklich: »Alles hat eben seine Zeit ...«

 

(ste).

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