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Angst vor Höchstspannungsleitung

Ortsgemeinde will Trassenverschiebung

Forst (Eifel). Damit der regenerativ erzeugte Strom in Zeiten der fortschreitenden Energiewende dort ankommt, wo er gebraucht wird, ist ein stabiles Netz von Nöten. Ein solches Projekt ist der Neubau einer Stromtrasse von Bitburg nach Koblenz, die auch durch den Landkreis Cochem-Zell geht.

In Forst regt sich Widerstand. Die neue Höchstspannungsleitung führt in den Augen des Gemeinderates und vieler Anwohner zu nah am Ort vorbei: Im Rahmen eines sogenannten Ersatzneubaus wird die vorhandene 220-Kilovolt (kV)-Spannungsebene auf 380 kV erhöht. Betreiber des geplanten Höchstspannungsnetzes ist die Amprion GmbH.

Frühestens 2019 sei wohl mit dem Baubeginn zu rechnen, so Claas Hammes von Amprion, denn bei Klagen oder Einwänden könne es zu Verzögerungen kommen. In Forst sind die Bedenken greifbar. Zwei Stromtrassen - rund 50 und fast 90 Jahre alt - laufen zum Teil nur etwas mehr als 110 Meter an bebauten Grundstücken vorbei - ein Gehöft ist sogar noch wesentlich näher an den Stromleitungen. Jetzt soll die äußere Trasse auf 380 kV aufgerüstet werden. Damit einhergehend werden auch die Strommasten um 15 bis 20 Meter auf rund 65 Meter wachsen. Hier haben bestehende Trassen Priorität, um den Flächenverbrauch möglichst gering zu halten. Daher plant Amprion die Bestandstrasse zu nutzen, denn vergleichbare Situationen in der Vergangenheit hätten gezeigt, dass die Planungsbehörden und Gerichte vermeiden wollen, dass für Mensch und Natur neue Betroffenheiten entstehen.

Im Rahmen des Raumordnungsverfahrens hatte die Gemeinde bereits beantragt, die neue Trasse von der Ortslage weg zu verlagern - ohne Erfolg. "Dabei wäre eine Verschiebung der Trasse problemlos möglich", so Gerhard Weber, Beigeordneter der Ortsgemeinde. Die Argumente für eine Verlagerung haben sich auch in der Zwischenzeit nicht geändert: Die Menschen haben einfach Angst vor elektrischen und magnetischen Feldern und Angst, dass die Gesundheit wegen finanzieller Erwägungen aufs Spiel gesetzt wird. "Aufgrund der vielen unterschiedlichen Artikel im Internet kann ich die Ängste verstehen, aber ich kann auch sagen, dass wir den Grenzwert der sogenannten magnetischen Flussdichte, der in Deutschland bei 100 Mikrotesla liegt, weit unterschreiten. Wir liegen zwischen zehn und 30 Mikrotesla und erfüllen damit beispielsweise die Anforderungen der WHO und des Bundesamtes für Strahlenschutz klar", erklärt Hammes, der aber auch weiß, dass die Grenzwerte in der Schweiz und in den Niederlanden wesentlich niedriger sind.

Alternativ würde sich der Gemeinderat auch mit einer Erdverkabelung arrangieren. Hier scheint aber schon alleine das Problem, dass die Erdkabel-Wechselstromtechnik im Höchstspannungsbereich noch in den Kinderschuhen steckt und zunächst auf Pilotstrecken getestet werden soll. "Von den vier geplanten Pilotprojekten ist auch keines für die Strecke Bitburg-Koblenz vorgesehen", erklärt Claas Hammes. Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens will die Gemeinde ihre Forderungen aufrechterhalten. Im Sommer 2016 sind noch einmal Infotage in der Region geplant.

Foto: Pauly

www.amprion.net

 

 

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