Kindesentführung vereitelt: Kita-Mitarbeiterin verletzt

Kripo ermittelt

Treis. Zwei Erzieherinnen der Kindertagesstätte Treis-Karden wurden bei einem Streit mit der Großmutter eines Kindes verletzt. Diese hatte offenbar versucht den Jungen zu entführen. Seitdem gibt es in der Kita erhöhte Sicherheitsvorkehrungen.

Von Mario Zender

Es sollte ein informativer Ausflug der Kindergartenkinder aus Treis-Karden werden. Doch der »Waldtag« vergangene Woche endete in einem Desaster. Die Kinder wurden Zeuge einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen einer offenbar renitenten Großmutter und mehreren Erzieherinnen.Die Großmutter eines Jungen passte die Kindergartengruppe auf dem Weg zum Gemeindewald in Treis-Karden ab und versuchte, ihren Enkelsohn in ihre Gewalt zu bekommen. Die Mutter des Jungen wartete offenbar unterdessen rund 200 Meter abseits im Wagen. Das Kind steht nach Informationen des WochenSpiegel seit Wochen im Mittelpunkt eines Sorgerechtsstreites der Eltern.Mittlerweile verfügt der Vater über das Aufenthaltsbestimmungsrecht für den Jungen – offenbar zum Leidwesen von Mutter und Großmutter. Letztere soll sich am Tattag mit Kapuze und Sonnenbrille getarnt haben und das Kind angesprochen haben. Offenbar wollte sie an jenem Tag die Chance nutzen, und das Kind in ihre Gewalt bringen. Da sie dazu nicht berechtigt war, weigerten sich die Erzieherinnen, ihr das Kind zu überlassen. Nach einer lautstarken Diskussion soll die Großmutter gewalttätig gegen die Erzieherinnen vorgegangen sein, um das Kind an sich zu nehmen. Sie soll auf eine Erzieherin eingeschlagen und eine weitere, die das Kind schützen wollte, skrupellos in den Arm gebissen haben. Beide Erzieherinnen wurden laut der Leiterin Rita Bauer verletzt, eine sei sogar dienstunfähig. Schließlich flüchteten die Erzieherinnen mit dem Kind in das Bürogebäude der Firma Schnorpfeil und verschanzten sich dort, bis die Polizei eintraf. Diese ermittelt nun gegen die aufbrausende Großmutter. Reinhard Börsch, Chef der Polizei Cochem: »Es geht um den Verdacht der Körperverletzung«.Nach Informationen des WochenSpiegel ist das Verfahren mittlerweile sogar an die Kriminalpolizei Mayen abgegeben worden. Scheinbar wird gegen die Großmutter und die Mutter des Jungen wegen des Verdachts der Kindesentführung ermittelt. Die katholische Kindertagesstätte informierte unterdessen die Eltern, deren Kinder Zeugen des brutalen Vorgangs wurden. Zitat aus dem Elternbrief (liegt dem WochenSpiegel vor): »Beim Waldtag der ,Bunten Gruppe‘ kam es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit Polizeieinsatz. Die pädagogischen Fachkräfte haben die Kinder bestmöglich geschützt und schnellstmöglich aus der Gefahrenzone begleitet.«Neben der Information der Eltern wurden von der Kindergarten-Leitung auch Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Kindergartenleiterin Rita Bauer: »Um alle Kinder in den kommenden Tagen vor solchen Situationen zu schützen und das Gefühl der Sicherheit in unserer Einrichtung zu ermöglichen, werden wir die Eingangstüre verschlossen halten. So können wir kontrollieren, wer unser Haus betritt. Inwieweit wir den Spielplatz nutzen, entscheiden wir situationsabhängig.« Nach Angaben der Leiterin steht der Kindergarten in engem Kontakt und Austausch mit den zuständigen Behörden. So fand vergangenen Freitag eine Sicherheitsbegehung mit Polizei und VG-Bürgermeister Wolfgang Lambertz statt. »Uns ist es wichtig, dass wir alle Möglichkeiten prüfen, wie die Kinder und Mitarbeiter bestens geschützt sind. Deshalb haben wir sofort reagiert und in Zusammenarbeit mit der Polizeiinspektion einen Vor-Ort-Termin durchgeführt«, so der Bürgermeister auf Anfrage.Nach Angaben von Lambertz wurde aber das Gespräch zu den betroffenen und verletzten Mitarbeiterinnen gesucht und ihnen Hilfe angeboten.

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