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Von Mittelamerika an die Mittelmosel

Pünderich. Was macht ein Mann aus Guatemala in Pünderich? Im Fall von Jorge A. Morales ist das einfach zu beantworten: Er fängt die Schönheit des Ortes und der Mosel ein.

Wer durch die Pündericher Kirchstraße in Richtung Mosel geht, bleibt bei gutem Wetter am Haus mit der Nummer 17 sicher stehen. Denn hier hat Jorge A. Morales (45) manchmal ein Freiluft-Atelier aufgebaut. Der Mann aus Guatemala lebt seit 2017 hier mit seiner Frau Anouk und seinen drei Kindern. Anouks Großmutter ist Pündericherin und ihre Enkelin kümmert sich nach einer Erkrankung um sie. "Die Kinder haben sich gut eingelebt und uns gefällt es hier in Pünderich auch", erzählt die gebürtige Frankfurterin, die ihren Mann als Stipendiatin in Guatemala beim Salsa-Tanzen kennengelernt hat. Als sie das erzählt müssen beide lachen.Es war wohl Schicksal, wie so vieles im Leben, dass sich die Wege des Malers und der Diplom-Pädagogin kreuzten.

Jorge A. Morales verdiente sein Geld zunächst mit Fußball. Ab seinem 16. Lebensjahr war er Profi in der ersten guatemaltekischen Liga. Nach einer Verletzung reichte es nur noch für die zweite Liga und fortan musste er, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, als Bauhandwerker seinen Vater unterstützen. "Das hat mir keinen großen Spaß gemacht. Als ich mit 20 einen Kunstkalender in die Finger bekam, wusste ich, was ich wollte: malen", erinnert er sich. Als Autodidakt versuchte er sich zunächst mit Aquarellen, später mit Öl und Spachtel. Seine Bilder sind sowohl realistisch als auch abstrakt.

In den vergangenen Wochen hat er ein Bild von der Pündericher Kirchstraße gemalt. Sein Stil ist dabei unverkennbar. Er spielt mit "Regen" und mit Licht und Schatten. "Ich habe als junger Mann ein Bild in einer Galerie gesehen, das mit Regen und Wasser spielte. Der Regeneffekt hat mich fasziniert. Es wirkte zwar melancholisch, aber auf mich unheimlich entspannend", beschreibt er den Weg zu seiner künstlerischen Liebe. Die wahre Liebe führte ihn und seine Frau 2004 zusammen. 2005 wurde geheiratet und seit dieser Zeit wechselte ihr Wohnort zwischen Deutschland und Guatemala. Die Familie lebte sogar schon an der Mosel - in Enkirch. Und an der Mosel entdeckte er auch seine zweite Leidenschaft: die abstrakte Malerei. "Abstrakte Kunst ist meine Landschaft", erklärt der Künstler, der jüngst unter anderem Ausstellungen in Bern, Regensburg und Guatemala bestückte. Stuttgart und Dänemark heißen die kommenden Ausstellungsorte. "Hier in Pünderich kann er die nächsten 20 Jahre noch malen, so viele Motive gibt es", lacht seine Frau vielsagend.

Fotos: Pauly

Video: Peter Friesenhahn

www.jorge-a-morales.de

 

 

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