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Den Spinnen in das Netz gegangen

Wenn Menschen eine Spinne sehen, reagieren sie sehr unterschiedlich. Die einen finden sie vielleicht nicht schön, aber sehen ihnen gerne beim Netzbau zu. Die anderen finden die Achtbeiner ekelerregend und jagen sie aus dem Haus. Und manche können beim Anblick einer Spinne nur noch laut schreien und nehmen Reißaus, so schnell es geht. Gehören Sie zur letzten Personengruppe, sollten Sie diesen Artikel nicht lesen - oder vielleicht gerade deshalb, denn: »Die Angst vor Spinnen ist unberechtigt«, so Helmut Manstein, Spinnenzüchter aus Golbach.
Bilder

»Arachnophopia«, »Tarantula« oder »Arac Attack« heißen die Horrorfilme, in denen Spinnen als Killer dargestellt werden. »Nicht zuletzt wegen solcher Filme haben die Menschen ein verkehrtes Bild von Spinnen«, sagt Helmut Manstein aus Golbach. Der 46-Jährige hat sich von diesen Filmen aber nie beeindrucken lassen und fand die Achtbeiner schon von Kindesbeinen an faszinierend. »Während andere in meinem Alter ‚igitt!‘ geschrien haben und davon gelaufen sind, habe ich sie mir aus nächster Nähe angeschaut«, erzählt er. Als Kind durfte er zwar nie eine Spinne halten und hat stattdessen unter anderem Ameisenkolonien in Gläsern aufbewahrt, doch das war nur ein vorübergehender Ersatz. »Als ich meine Frau Beatrix geheiratet habe, wurde gleich die erste Vogelspinne angeschafft«, so Manstein. Angst habe sie vor seinen Haustieren nie gehabt. »Ich fand Spinnen immer uninteressant. Sie hocken in ihren Terrarien  ohne zu miauen oder bellen«, so  Beatrix Manstein. Aus einem Regalbrett voll mit Terrarien wurde dann schnell eine ganze Regalkonstruktion. Der Platz für seine Leidenschaft in der Küche reichte nicht mehr aus und ein größerer Raum musste her. Zumal ihm schon einmal 400 Spinnen durch die Küche krabbelten, weil er vergessen hatte, den Deckel einer Box für Nachzuchten richtig zu schließen.   

Sensible Tiere

In seinem Hobbyraum leben mittlerweile 2.500 bis 4.000 Spinnen - dabei handelt es sich ausschließlich um Vogelspinnen verschiedenster Gattung und Größe. »Die Spannweite einer ausgewachsenen Vogelspinne kann bis zu 30 Zentimeter betragen. Der Körper wird bis zu 12 Zentimeter dick«. Mit ihren hunderten feinen Härchen verfügen die sensiblen Tiere über einen ganz besonderen Tastsinn. »Ein Hauch ist für sie wie eine Ohrfeige«, so Manstein. Damit gleichen sie ihr schlechtes Sehvermögen aus - obwohl sie neben acht Beinen auch acht Augen besitzen. Sie kommen aus den Subtropen, Tropen, der Halbwüste und Steppe. In Europa kommen sie nur in Süditalien  und -spanien sowie Portugal vor.

Giftig, nicht tödlich

Auf die Frage, warum sich Helmut Manstein vor allem für Vogelspinnen interessiert, antwortet er: »Ich mag keine aggressiven Tiere. Vogelspinnen sind zwar giftig, aber berechenbar. Sie zeigen, wenn sie in Ruhe gelassen werden wollen«. Signale seien das hochheben und schlagen mit den Beinen, Zähne zeigen und ein  Zisch-Geräusch. »Ich bin stolz darauf, noch nie gebissen worden zu sein«, so Manstein. Das bestätige ihm, dass er mit den Tieren umzugehen weiß. »Ein Biss ist zwar für einen Menschen ungefährlich, kann aber zu einer Blutvergiftung, Gelenk- und Kopfschmerzen führen«, weiß der Spinnenexperte. Für Säugetiere bis ein Kilogramm ist das Gift aber garantiert tödlich.

TV-Sternchen

Im Jahr 2000 hat Helmut Manstein, der hauptberuflich bei einem Hellenthaler Unternehmen beschäftigt ist, mit der Zucht von Vogelspinnen angefangen. »Nachbarn und Verwandte waren zwar zunächst skeptisch, diese Bedenken sind aber schnell in Faszination umgeschlagen«. Doch nicht nur Menschen aus dem näheren Umfeld interessieren sich für seine Haustiere. »Menschen aus aller Herren Länder fragen Spinnen zum Kauf bei mir an. Ein Kunde kam sogar aus Japan angereist«. Mansteins Spinnen sind sogar schon wahre TV-Sternchen: Auf SAT1, VOX und ZDF war er bereits in Beiträgen und Shows zu sehen. »In der Sendung ‚Das große Schlüpfen‘ hatte Magdalena Neuner eine Vogelspinne von mir auf dem Arm und hat bewiesen, dass man vor ihnen keine Angst haben muss«.