Michael Nielen

Erinnerung an Weihnachten 1944

Vussem. Weihnachten 1944. Im Hürtgenwald tobt eine furchtbare Schlacht, die als »Hölle« in die Geschichtsbücher eingehen wird.

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Katharina und Tobias Kreuzmann (links und rechts) trafen den 101-jähigen Tim Kiniry (v.li.) und Andy Dunavant im »World War 2 Museum« in New Orleans. Beide haben Weihnachten 1944 in Eupen verbracht,  ohne damals voneinander zu wissen.

Katharina und Tobias Kreuzmann (links und rechts) trafen den 101-jähigen Tim Kiniry (v.li.) und Andy Dunavant im »World War 2 Museum« in New Orleans. Beide haben Weihnachten 1944 in Eupen verbracht, ohne damals voneinander zu wissen.

Foto: Tobias Kreuzmann

Die beiden amerikanischen Soldaten Tim Kiniry und Andy Dunavant verbringen beide dieses letzte Weihnachtsfest in Kriegszeiten in Eupen.

Das Besondere an der Geschichte ist, dass beide erst nach 78 Jahren von dieser Gemeinsamkeit in ihrem Leben erfahren haben, denn bewusst getroffen haben sich der heute 101 Jahre alte Tim Kiniry, der als Sanitäter unter anderem bei der Ardennenoffensive im Einsatz war, und Andy Dunavant vom 272. Field Artillery Bataillon damals nicht.

Erst bei einem Treffen in diesem Sommer im »World War 2 Museum« in New Orleans entdeckten sie diese Gemeinsamkeit in einem Gespräch mit dem Ehepaar Katharina und Tobias Kreuzmann aus Vussem. »Das war ein sehr bewegender Moment, von denen wir auf unserer USA-Reise einige erleben durften«, so die beiden Vussemer. Zu dem Kontakt kam es nicht zufällig. Beide engagieren sich in ihrer Freizeit im Museum »Hürtgenwald 1944 und im Frieden«, das in Vossenack vom Geschichtsverein Hürtgenwald betrieben wird. »Durch die ehrenamtliche Tätigkeit treffen wir Menschen, die bei den Kämpfen im Hürtgenwald dabei waren«, so Tobias Kreuzmann, »aber es werden jedes Jahr weniger.«

Ein Umstand, der beiden zu denken gibt. Katharina Kreuzmann hat Geschichte studiert und arbeitet als Lehrerin. Und sie weiß: »Erzählt man den Kindern von einzelnen Menschen und ihren Schicksalen, dann berührt das die Jugendlichen mehr als die trockenen Zahlen eines Geschichtsbuches.« Und darum hat das Ehepaar damit begonnen, die Erlebnisse der wenigen Zeitzeugen aufzuzeichnen, die es noch gibt. »Wir haben festgestellt, dass die Menschen gegen Ende ihres Lebens oft den Drang haben, ihre Geschichten zu erzählen, die sie lange verdrängt haben«, sagt Tobias Kreuzmann. Diese Erfahrungen und Erlebnisse wolle man aufzeichnen, damit sie nicht für immer verloren gehen.

In diesem Jahr erfüllte sich das Ehepaar einen großen Wunsch und reiste in die Vereinigten Staaten, um dort in New Orleans am Treffen der Organisation »Forever Young Veterans« teilzunehmen. »Dort hatten wir sehr viele berührende Begegnungen«, so das Ehepaar. Etwa mit dem heute 96-jährigen Jim Young, der seine ersten schweren Kampfhandlungen im Februar 1945 bei Harperscheidt erleben musste. Mit einigen Veteranen verbindet sie eine feste Freundschaft. So mit George F. Mills aus Huntsville, Alabama. Er war bei den Kampfhandlungen in Vossenack dabei. Durch Vermittlung von Tobias Kreuzmann erhielt er einen Brief der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ihm darin zum Geburtstag gratulierte.

»Wir sind froh über jeden, der uns als Zeitzeuge seine Erlebnisse erzählt, damit sie als Teil der Zeitgeschichte erhalten bleiben«, so die Kreuzmanns. Wer dazu bereit ist, kann sich unter Tel.: 0157/79766434 oder Email: tobiaskreuzmann@web.de gerne melden. Mit ihrer Arbeit ist das Ehepaar Kreuzmann auch auf Facebook und Instagram unter »Traces of Time A History Project« präsent.


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