Frederik Scholl

"Es geht darum, in Kontakt mit sich selbst zu kommen"

Im Interview mit der Seelsorge in Nationalpark Eifel und Vogelsang spricht Dr. med. Elisabeth Hobik, Fachärztin für Neurologie und Psychotherapie unter anderem über Burnout-Prophylaxe in der Natur. 

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Burnout-Prophylaxe in der Natur

Nationalpark-Seelsorge (NPS): Frau Dr. Hobik, schön, dass Sie Zeit für ein kurzes Gespräch gefunden haben. Als erfahrene Psychotherapeutin möchten wir uns gerne mit Ihnen zum Thema BURNOUT-Prophylaxe austauschen. Diese Thematik gewinnt immer mehr an Relevanz. Vor diesem Hintergrund haben wir unser Angebotsspektrum dahingehend erweitert, dass wir Interessenten zweimal im Jahr ein fünftägiges Burnout-Prophylaxe-Seminar anbieten. In der Natur gelingt es erfahrungsgemäß leichter, den Kontakt zu sich selbst wiederzufinden. Hier setzen wir mit unseren neuen Burnout-Prophylaxe-Angeboten der Seelsorge in Nationalpark Eifel + Vogelsang an. Dürfen wir Sie zunächst bitten, sich kurz als Person und Ihre Funktion als Ärztin vorzustellen.

Dr. Hobik: Gern. Mein Name ist Elisabeth Hobik, ich bin 57 Jahre alt, Ärztin für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Naturheilkunde und stolze Mutter von zwei erwachsenen Söhnen. Als Oberärztin im Fliedner Krankenhaus Ratingen leite ich aktuell drei Psychotherapiestationen, zum Teil mit psychosomatischem Schwerpunkt, und sehe regelmäßig einen Zusammenhang zwischen nicht ausreichenden Bewältigungsstrategien im Umgang mit Stress im Vorfeld von Erkrankungen. Insofern ist die Stärkung von Selbstwirksamkeit, Selbstfürsorge und Resilienz ein Basisanliegen in der Therapie.

NPS: Wie hängen Stress und Burnout zusammen?

Dr. Hobik: Nun, es gibt das anschauliche Bild der geknüpften Hängematte. Bei zunehmendem Stress reißt vielleicht ein Faden … und die Matte hält trotzdem. Je mehr Raubbau an den Energiereserven, an den "Fäden", die uns Halt geben, vor sich geht, desto schwächer wird die Hängematte, und irgendwann hält sie nicht mehr. Dann reicht es auch nicht aus, ein oder zwei Fäden wieder zu verknoten.

Es wird sehr lange dauern, bis die gut haltende Struktur wiedergewonnen ist.

Dieses Bild aus meiner Naturheilkundeausbildung in Essen hat mir und meinen Patienten geholfen zu verstehen, wie wichtig es ist, diesem Zusammenbruch, dem Vollbild des Burnouts, zuvorzukommen.

Die Crux mit dem Stress ist leider, dass er sich oft zunächst gut anfühlt. Es ist gerade das tückische Gefühl des Engagements, des Sich-Einbringens, des Etwas-bewegen-Wollens, das weiter und weiter antreibt. Die ersten Zeichen der Erschöpfung werden negiert und mit einem "Mehr vom Selben", mehr Einsatz, Überstunden etc. beantwortet statt mit Pausen, Achtsamkeit, Sport, sozialen Kontakten. Burnout ist letztlich eine tiefe Erschöpfung, die bis zu Depression und Suizidalität führen kann, und entsteht durch einen inadäquaten Umgang mit beruflichem Stress.

 

NPS: Woran erkennt man Burnout und warum ist es sinnvoll, sich möglichst früh Strategien zur Burnout-Prophylaxe anzueignen?

Dr. Hobik: Wenn Urlaub und Ausschlafen nichts mehr an schwerer Erschöpfung ändern können und sich eine Änderung von großem Engagement hin zu Frustration und Resignation einstellt, dann sollte unbedingt Rat gesucht werden.

Dem möglichst früh vorzubeugen ist sinnvoll. Dann kann es sogar Spaß machen, zu verstehen und umzusetzen, was guttut.

Wahrnehmung für das eigene Befinden kann helfen; Achtsamkeit dafür, wie es dem Körper, den Gedanken, dem Gefühlsleben, den vegetativen Funktionen (Schlaf, Verdauung) geht.

Es geht darum, in Kontakt mit sich selbst zu kommen, womit wir schon bei der Natur wären. Kontakt mit sich selbst als Teil einer Natur mit Rhythmen, die zu verstehen und zu achten ratsam ist für anhaltende Vitalität und Leistungsfähigkeit.

 

NPS: Wie kann ein Aufenthalt in der Natur, in Bewegung und in Gemeinschaft die Burnout-Prophylaxe unterstützen?

Dr. Hobik: Nun, genau diese drei Worte machen viel von dem aus, was alle Menschen zum Wohlbefinden benötigen und was leider trotz noch so vieler Fitness-Apps und sozialer Medien vernachlässigt wird.

Ein wichtiger Bereich der klassischen Naturheilkunde beschäftigt sich mit Lebensstilveränderungen. Gute Ernährung, Bewegung, soziale Kontakte und insbesondere Naturerfahrung können den Stresspegel deutlich reduzieren, was in vielen Studien klar belegt ist. Nehmen Sie das Waldbaden, das aus Japan als Heilmethode kommend unserem guten alten Waldspaziergang eine neue Nuance verliehen hat.

Viele junge Menschen haben in der Pandemie notgedrungen den Wald für sich entdeckt und bemerkt, dass er guttut und der Stress der Stadt abfällt.

Es macht einen riesigen Unterschied, einen Blinkist-Artikel zu Burnout-Prophylaxe zu lesen oder den Wind, den Geruch, die Temperatur im Wald, die Muskeln nach einer Wanderung zu spüren und im Austausch über das Erlebte Gemeinschaft zu erfahren. Zeit spielt auch eine Rolle. Lernen, sich Zeit für sich zu nehmen und zu genießen.

 

NPS: Wie haben Sie die Nationalparkseelsorge erfahren und inwiefern können Sie unser Angebot empfehlen?

Dr. Hobik: Ursprünglich wollte ich nur eine geführte Wanderung in der Eifel mitmachen und merkte dann, dass die angebotenen Anregungen zu Achtsamkeit, die Impulse zu Reflexion und Wahrnehmung und die kleinen Anstöße, in soziale Kontakte zu kommen, ja, auch die gut dosierten spirituellen Impulse mich tiefer entspannen ließen und mein Inneres berührten. Ich erlebte deutlich mehr als eine Wanderung. Es entstand eine tiefe Naturwahrnehmung, Leben als Teil der Natur und die Erkenntnis, aktiv zu ihrem Erhalt beitragen zu können nach der Erfahrung, hier angeleitet und begleitet worden zu sein. Obwohl ich ja Profi bin, war dies, angeleitet, begleitet zu sein, wichtig.

Wann immer ich gestresst bin, halte ich inne und versuche etwas zu verändern, etwas Entspannung, Sport, Natur, Geselligkeit in den nächsten Tag einzuplanen. Es hat also angehalten, und trotz meines oft stressigen Berufes fühle ich mich vital und zufrieden.

Selbstwirksamkeit im Alltag wünsche ich jedem, der gern engagiert in seinem Beruf leistungsfähig bleiben möchte, und das Angebot der Seelsorge in Nationalpark Eifel und Vogelsang kann ein guter Baustein dazu sein, dies zu erreichen.

 

Mit dem Angebot »Burnout-Prophylaxe im Nationalpark Eifel« möchte die Seelsorge in Nationalpark Eifel und Vogelsang Menschen darin unterstützen, ihr Leben erfüllt und zufrieden zu gestalten und entscheidende Ressourcen und Kräfte zum Schutz vor Burnout zu entwickeln. Weitere Informationen zum Angebot "Burnout-Prophylaxe im Nationalpark Eifel" unter www.nationalparkseelsorge.de