Anja Wilden

Glückliche Kühe erkennt man sofort

Jan Schuba aus Düttling weiß, was Milchkühe glücklich macht. Ein Teil seiner Arbeit als Fütterungsberater ist die Deutung von Kuhsignalen, die viel über die Gesundheit eines Tieres aussagen. Dabei geht es jedoch weniger um das »Muh« der Wiederkäuer, sondern vielmehr darum, wie sich ein Tier auf der Weide oder im Stall verhält. Denn nur glückliche Kühe werden alt und produzieren viel Milch, das weiß ein jeder Milchbauer so gut wie Kuhversteher Jan Schuba.
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»Beim Suchen und Erklären von Kuhsignalen handelt es sich nicht um irgendeine Form von Kuhflüstern oder Quacksalberei. Es geht nicht darum, Schmerzen mittels Handauflegen oder Ähnlichem zu kurieren«, erklärt Diplom-Agraringenieur Jan Schuba aus Düttling. Nein, als Kuhsignale-Trainer schule er lediglich den Blick für das Wesentliche, also den Blick für das Tier und untermauert seine Eindrücke mit fundiertem Wissen aus den Agrarwissenschaften. Kuhsignale Eine Kuh fühlt sich nur dann wohl und verhält sich normal, wenn sie im Stall oder auf der Weide Folgendes vorfindet: Ausreichend Platz, Licht, Luft, Futter, Wasser und Ruhe. »Gemeinsam mit dem Landwirt schaue ich im Rahmen eines Workshops oder in der Einzelberatung, an welchen dieser Voraussetzungen es mangelt. Das Tier zeigt es uns über sein Verhalten, sein Erscheinungsbild und die Milchleistung. Das sind die wichtigsten Kuhsignale«, erzählt Schuba. Haben die Kühe, wie bei Landwirt Helmut Dahmen aus Mechernich-Lorbach, ein glänzendes Fell, sind sie über die Fütterung mit den wichtigsten Nähr- und Mineralstoffen gut versorgt. Bleiben die Kühe (Fluchttiere) unbeeindruckt stehen, wenn man ihnen näher kommt, spricht diese Tatsache für einen ruhigen und guten Umgang; erhalten sie ausreichend Futter in der richtigen Zusammensetzung erkennt man das unter anderem am Kot und an einer ausgeprägten Auswölbung des Pansens. So lautet das kleine »Einmaleins« des Kuhverstehers. 50 Liter Milch Dahmen: »Von der Milchproduktion meiner Kühe hängt die Wirtschaftlichkeit meines Betriebes ab. Deshalb liegt mir das Wohl meiner Tiere sehr am Herzen«. Seine 170 Kühe sind laut »Testurteil« von Jan Schuba in bester Verfassung. Deshalb seien sie auch in der Lage, Ähnliches wie Spitzensportler zu leisten: »Kuh Dora produziert täglich rund 50 Liter Milch und nimmt aktuell etwa bis zu 50 Kilogramm Frischfutter auf. Dazu benötigt sie bei den aktuellen Temperaturen in der Spitze bis zu 150 Liter Wasser am Tag«, berichtet Helmut Dahmen. Doch die Verfassung der Herde und die Milchleistung sind nicht in allen Betrieben so gut. »Die Fütterungs- und Haltungsbedingungen sind regional oft sehr unterschiedlich, aber die Kuh verhält sich immer gleich und hat eigentlich immer dieselben Bedürfnisse - man muss sie nur kennen und an der richtigen Stelle hinsehen«, weiß Schuba, der als Fütterungs- und Produktionsberater deutschlandweit und im angrenzenden Ausland tätig ist. »Betriebe, wie den von Helmut Dahmen findet man in der Region häufiger; das sind wirklich Positivbeispiele. Hier passt Haltung und Fütterung der Kühe«, so der 31-jährige Berater zufrieden. »Nur Landwirte, die ihre Kühe bedarfsgerecht füttern und tiergerecht halten können langfristig mit ihren Betrieben bestehen«, behauptet er.