Michael Nielen

Hoffnung, Mahnung und Stätte der Erinnerung

Ahrdorf. Mitten auf der Bogenbrücke, die in den Ort Ahrdorf hineinführt, erinnert nun eine Gedenktafel an die Flutkatastrophe.
Bilder
Michelle Karschat (v.li.), Ralf Ruland, Jennifer Meuren und Matthias Wegener und der Platz des Gedenkens - mitten auf der Brücke über die Ahr.

Michelle Karschat (v.li.), Ralf Ruland, Jennifer Meuren und Matthias Wegener und der Platz des Gedenkens - mitten auf der Brücke über die Ahr.

Foto: Michael Nielen

Die Nacht vom 14. auf den 15 Juli 2021 werden die Menschen, die sie in der Eifel miterlebt haben, in ihrem Leben nicht mehr vergessen. Die Flutkatastrophe ist noch allgegenwärtig und in den Gesprächen immer wieder präsent. Die Gemeinde Blankenheim entschloss sich dazu, den Versuch zu wagen, dieses Ereignis in Worte zu fassen und der Flut an zwei besonders markanten Punkten im Gemeindegebiet zu gedenken - dort, wo sie in Blankenheim entspringt, und dort, wo sie in Ahrdorf das Gemeindegebiet Richtung Rheinland-Pfalz verlässt.
Die erste Tafel, die in Erinnerung an das Hochwasser angebracht wurde, fand jetzt ihren Platz mitten auf der Bogenbrücke, die in den Ort Ahrdorf hineinführt und in der Flutnacht komplett überspült wurde.
»Dass die Ahr hin und wieder ihr Flussbett verlässt«, sagte Ralf Ruland, der Ortsvorsteher von Ahrdorf, »sind die rund 200 Einwohner gewohnt. Dieses Mal wurde der Ort aber von einem Hochwasser getroffen, das keiner von den Lebenden im Dorf je erlebt hat.« Im Jahr 1910 soll es wohl ein ähnlich schlimmes Hochwasser gegeben haben, bei dem auch Menschen ertunken seien. Viel mehr wisse man davon aber nicht.
Und darum sei die Tafel für den Ort Ahrdorf und seine Menschen, die schwer von den Fluten getroffen wurden, wichtig. Mit ihr bleibe die Erinnerung auch für künftige Generationen wach.
Wer künftig an der Tafel vorbeikommt, sollte den Schritt verlangsamen und sich die Zeit nehmen, den Text zu lesen. Denn die Worte, die Matthias Wegener und Michelle Karschat gefunden haben, sind bemerkenswert:

In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 schwoll die Ahr aufgrund tagelanger Unwetter auf ihren bisher höchsten Pegelstand an. In ihrem weiteren Verlauf überschwemmte sie innerhalb weniger Stunden das romantische Tal in seiner gesamten Länge. Die meterhohe Flutwelle zerstörte Häuser, riss Brücken ein und machte Straßen und Schienen unpassierbar. Tausende Anwohner verloren ihr Hab und Gut. Mehr als 130 Menschen kamen ums Leben.

Hier, in Ahrdorf, teilen wir den Schmerz all jener, die in den Fluten so viel verloren haben. Auch unser Ort stand meterweise unter Wasser.

Wir in der Gemeinde Blankenheim haben der Ahr viel zu verdanken. Sie schenkt Leben und verbindet uns miteinander. Die Quelle ist weit über unsere Grenzen hinaus berühmt. So wie der Wein, der weiter unten im Tal, dem Fluss und seinen Winzern alle Ehre macht.
Die Ahr prägt unsere Gemeinden und die vielen historischen Ortskerne an ihren Ufern.

Sie wird weitersprudeln, als Geschenk der Natur. Aber sie mahnt uns zu verstehen, dass die Kraft des Wassers zerstörerisch sein kann. Und wir wissen: das liegt auch an uns! An unserer Art zu leben und unserem Umgang mit der Natur. So wie wir mit diesem meist harmlosen Flüsschen verknüpft sind, tragen wir Verantwortung für das Wohl aller - der Menschen, der Tiere, der Pflanzen und ihrer bedrohten Lebensräume.

Die Gemeinde Blankenheim dankt den Vielen, die nach der Flut uneigennützig geholfen haben. Wir haben nicht nur eine schreckliche Welle der Verwüstung erlebt, sondern auch eine uns alle bewegende Welle der Solidarität und Nächstenliebe.

Das eine wie das andere soll unvergessen bleiben. Unser Blick auf die Ahr hat sich verändert. Unsere Freude aber bleibt, dass sie uns begleitet.

Wasser ist Leben. Eine Quelle ist Hoffnung. Die Ahr bleibt unsere Heimat.
»Wir wollen mit den beiden Tafeln eine sichtbare Stätte schaffen, an der erinnert und auch getrauert werden darf. Oder an der man den Lichtblicken in schweren Zeiten durch die überwältigende Hilfe gedenken kann«, so die Blankenheimer Bürgermeisterin Jennifer Meuren. Sie kündigte für den 17. Juli ein Helferfest an der Lommersdorfer Mühle an, das von 11 bis 17 Uhr stattfinde. Eingeladen werden alle Betroffenen und Helfer.