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»Im Krug« bleibt die Türe zu

Der Krug ist zwar nicht zerbrochen, aber er füllt sich nicht mehr mit schäumenden Gerstensaft. Die urige Kneipe »Im Krug« in Kommern, die sich an der Kölner Straße 37 in einem alten Fachwerkhaus aus dem Jahre 1702 befindet, wird nach dem zweiten Lockdown für die Gastronomie ihre schwere Holztüre nicht mehr für die Gäste öffnen.
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Marion und Alfred Wiedenau hätten sich gerne mit einem Fest von ihren Gästen verabschiedet. Doch nach dem zweiten Lockdown werden sie ihre Gaststätte »im Krug« in Kommern nicht mehr öffnen. mn-Foto

Marion und Alfred Wiedenau hätten sich gerne mit einem Fest von ihren Gästen verabschiedet. Doch nach dem zweiten Lockdown werden sie ihre Gaststätte »im Krug« in Kommern nicht mehr öffnen. mn-Foto

»Wir machen nicht mehr auf, sondern gehen in Rente«, sagen Marion und Alfred Wiedenau, die 13 Jahre lang die Gäste in der gemütlichen Kneipe bewirteten. Eigentlich hatte man sich Ende Dezember mit einem kleinen Fest von den vielen Stammgästen verabschieden wollen.

Corona macht Strich durch die Rechnung

»Doch da hat uns nun Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht«, erklären die beiden Wirtsleute traurig. Es mache aber keinen Sinn, im Dezember noch einmal für ein paar Tage die Kneipe zu öffnen, zumal derzeit ja auch noch unsicher sei, ob es dann mit dem Lockdown für die Gastronomie endgültig gehalten sei. »Und schließlich«, sagt der 68-jährige Alfred Wiedenau, »kann man in meinem Alter schon einmal an den Ruhestand denken.« Der Entschluss, zum Ende des Jahres 2020 im Krug aufzuhören, fasste das Ehepaar übrigens während des ersten Lockdowns Anfang des Jahres.

Ruhe hat gut getan

»Da haben wir gemerkt«, verrät Marion Wiedenau, »dass uns die Ruhe doch gut getan hat.« Man werde schließlich nicht jünger, lacht sie. Auch wenn der Verstand sage, es sei besser, einen Schlussstrich zu ziehen, so werde einem beim Ausräumen des Inventars doch schwer ums Herz. »Wir haben hier tolle Stunden mit unseren Gästen verbracht«, sagt Marion Wiedenau, die tagsüber hauptberuflich in einem Kinderheim arbeitete und abends in der kleinen Küche frische und leckere Gerichte zubereitete. »Unseren Gästen«, so Alfred Wiedenau, »hat es immer sehr gut geschmeckt.«

Viele Stammgäste

Für ihn war das auch ein Grund, warum »Im Krug« soviele Stammgäste verkehrten. »Ein weiterer Grund«, schmunzelt Marion Wiedenau, »dürfte auch die Musik gewesen sein, die Alfred aufgelegt hat.« Es war die Mucke der 60er und 70er Jahre, die im Krug gespielt wurde. Und das nicht nur vom Band, sondern auch live. »Dann haben wir«, erzählt das Ehepaar, »den Schankraum leer geräumt und zur Konzertbühne gemacht.« Diese Livekonzerte, viele fröhliche Geburtstags- und Familienfeiern sowie so manche Kirmes- und Karnevalssause werden nicht nur den Wirtleuten lange in Erinnerung bleiben.

Bundeskegelbahn

Drittes Standbein in der Kommerner Kneipe war schließlich die Bundeskegelbahn, auf der nicht weniger als 24 Gruppen ihrem Hobby nachgingen. Mit Corona änderten sich die Zeiten: Man durfte nicht mehr an der Theke stehen, auf der Kegelbahn war die zulässige Anzahl der Kegler reglementiert. Das habe nachher alles keinen Spaß mehr gemacht, zumal man als relativ kleine Kneipe über kein großes Platzangebot verfügt habe.

Schöne Erinnerungen

Dennoch überwiegen bei Marion und Alfred Wiedenau die schönen Erinnerungen: »Für die viele schönen Momente, die wir zusammen mit unseren Gästen verbracht haben, möchten wir uns bedanken. Wir hätten gerne noch einmal mit ihnen gefeiert ...«