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Kinder mit einem »speziellem Effekt«

»Ich habe Zwillinge mit richtig speziellem Effekt«, schmunzelt Brigitte J. aus der Gemeinde Blankenheim. Auch wenn die Worte etwas anderes suggerieren - so leicht ist der Umgang mit den beiden Kinder nicht.
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Brigitte J. (v.li.)  aus der Gemeinde Blankenheim und Alexandra Mekic von Mutabor gaben einen Einblick in die Aufgaben, die Fachpflegefamilien in der Eifel übernehmen müssen. mn-Foto

Brigitte J. (v.li.) aus der Gemeinde Blankenheim und Alexandra Mekic von Mutabor gaben einen Einblick in die Aufgaben, die Fachpflegefamilien in der Eifel übernehmen müssen. mn-Foto

Denn die beiden Kinder können gehörige Wutanfälle bekommen, ihnen fällt das Erlernen von einfachen Tätigkeiten schwer, oft wird mühsam Erlerntes wieder vergessen, die Feinmotorik ist beeinträchtigt und die Wahrnehmung zum Teil gestört. Grund: Die Zwillinge leiden an fetalen Alkoholspektrumstörungen, kurz FASD genannt.

Fachpflegeeltern in der Eifel

»Ihre leibliche Mutter«, verrät Alexandra Mekic von »Mutabor Mensch & Entwicklung gGmbH« in Kall, »ist Alkoholikerin und drogenabhängig.« Bereits kurz nach der Geburt habe sie eingewilligt, ihre Zwillinge in eine Fachpflegefamilie zu geben. »Und wir sind froh, mit Brigitte J. die richtige Fachpflegemama gefunden zu haben«, sagt Alexandra Mekic, die die Mutabor-Zweigstelle Eifel in Kall leitet. Mutabor ist ein freier Träger der Jugendhilfe, der sich nicht nur Familien, sondern auch um Kinder mit einem hohen pädagogischen Betreuungsbedarf kümmert.

Sorge um das Kindswohl

»Denken Sie das Schlimmste und Sie wissen, um welches Kindeswohl wir uns sorgen«, nennt Alexandra Mekic mit Mißbrauch, Verwahrlosung oder häuslicher Gewalt nur einige Beispiele, unter denen Kinder allzu oft zu leiden haben. »Unser Bestreben ist, dass diese Kinder in den besonderen Fachpflegefamilien nicht nur Halt erfahren, sondern auch positive Erfahrungen machen«, so die Fachbereichsleiterin weiter.

Verantwortung übernehmen

Doch wie wird man eine Fachpflegemama? »Wir hatten immer einen Kinderwunsch, es hat aber irgendwie geklappt«, verrät die Fachpflegemama. Sie selbst habe bereits in der Pflege berufliche Erfahrungen gesammelt und irgendwann durch Zufall im WochenSpiegel einen Artikel gelesen, dass Mutabor in der Eifel Fachpflegefamilien suche. »Von der Informationsveranstaltung war ich im ersten Moment geschockt«, verriet die Brigitte J..Denn Alexandra Mekic habe kein Blatt vor den Mund genommen und eindringlich die Konsequenzen und Belastungen beschrieben, die man als Fachpflegefamilie übernehme - und das im besten Fall ein ganzes Leben lang.

Freude über jeden Fortschritt

»Anstrengend ist es schon und die Zwillinge sind sicher nicht so wie andere Kinder«, sagt Brigitte J., »aber wir freuen uns über jeden kleinen Fortschritt und haben sie ganz fest in unser Herz geschlossen.«

Mutabor in Kall

  • »Mutabor Mensch & Entwicklung gGmbH« ist ein freier Träger der Jugendhilfe und seit einiger Zeit auch in Kall ansässig.
  • »Wir suchen«, sagt Alexandra Mekic, Leiterin der Zweigstelle Eifel in Kall, »weiterhin Erziehungsstellen und Fachpflegefamilien in der Region.«
  • Nähere Infos gibt es unter Tel.: 02441/7969690 sowie unter www.mutabor-mensch.de


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