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Sturm auf das Rathaus Kall

„Niemals!“, rief Harald Heinen, Mitarbeiter der Kaller Verwaltung und Chef der Feuerwehr, den Kallbach-Kanonieren der „Löstige Bröder“ aus einem Fenster im ersten Stock entgegen. Niemals werde er das Rathaus aufgeben, dessen Verteidigung Bürgermeister Herbert Radermacher ihm anvertraut hatte.
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Er werde kämpfen „bis zum letzten Wassertropfen!“. Dabei fuchtelte Heinen wild mit einem Feuerwehrschlauch herum und zielte auf die Tollitäten, die sich aus Kall sowie den Außenorten Scheven, Sistig und Sötenich zusammengerottet hatten. Höchste Alarmstufe also für das närrische Volk, das trotz Schneeregens in Scharen zum Rathaus gekommen war, um die Macht zu übernehmen und den Kaller Straßenkarneval einzuläuten. Doch die Antwort auf Heinens Drohgebärden kam prompt: Ein weiterer donnernder Schuss aus der „Möckeflitsch“ in Richtung des „obersten Brandstifters“. So nämlich nannte Werner Keutgen, der als Ex-Vorsitzender der „Löstige Bröder“ seinen erkrankten Nachfolger Harald Thelen vertrat, den Wehrleiter Harald Heinen. „Was ist, gibst Du auf?“, schmetterte er in Richtung „Regierungsbunker“.

Kapitulation

Doch Heinen blieb eisern, und es bedurfte eines weiteren Schusses, bis er schließlich in höchster Not die weiße Fahne hisste. Kapitulation! Das Volk jubelte und Gardisten stürmten das Rathaus. Nach einem kurzen Handgemenge war es geschafft: In Ketten gelegt wurde Harald Heinen vors Rathaus geführt und gestand: „Es ging nicht mehr, die Kugeln kamen einfach zu nah!“ Übrigens habe eigentlich der Allgemeine Vertreter Michael Heller (der sich im Urlaub befand) das Rathaus verteidigen sollen, plauderte Heinen „aus dem Nähkästchen“ – aber der sei mit der Stadtkasse durchgebrannt. Den Kaller Jecken war sogar das egal. Sie hatten die Macht übernommen und erreicht, was sie wollten: Den Start in die tollen Tage. Dass diese im Gemeindegebiet turbulent würden, dass ließen auch die bestens gelaunten Tollitäten ahnen, die den „Löstige Bröder“ Schützenhilfe leisteten.

Schützenhilfe

Für die Schevener „Jecke vom Hahnebömsche“ ist es die 33. Session, wie der Vorsitzende Lutz Schaar berichtete. Regiert werden sie in der Jubiläumsession vom Dreigestirn Prinz Joachim I. (Cremer), Bauer Rene I. (Züll) und Jungfrau Haralda I. (Harald Preuß) sowie der Kinderprinzessin Daria I. (Mattes), dem „Pättchen“ des Prinzen. Einen herzlichen Gruß aus der Nikolaus-Schule übermittelte – natürlich mit einem dreifachen „Alaaf“ – Bauer Loic I., auch im Namen seiner Prinzessin Sarah I. und der Jungfrau Chantal I.. Im Gefolge hatte Loic seine Schulleiterin Andrea Luxemburger-Schlösser. Der „KinderKarneval Sistig“ ging erstmals in der Vereinsgeschichte ohne Tollitäten in die Session – dafür aber wie immer bester Stimmung, wie der Vorsitzende Gerd Schumann und seine Begleiter bewiesen. Karl-Heinz Hensch stellte die Tollitäten der „Süetenicher Schlipse“ vor: Prinzessin Schröder I. (Katharina Liebertz geb. Schröder) sowie das Kinderdreigestirn Prinzessin Anna I., Jungfrau Nina I. und Bauer Wolke I. vor. Bei so geballter Weiblichkeit, so Hensch, habe er natürlich nicht nur am Wievertag nichts zu melden…

Heimliche Stars

Als „singendes Kinderprinzenpaar“ waren sie die heimlichen Stars: Maxi I. (Maximilian Brucker) und Dana Marie I. (Walber), die gemeinsam mit Prinzessin Maike I. (Wilkens) das Tollitäten-Team der Kaller „Löstige Bröder“ bilden. „Wenn wir zosamme singe, dann weed dat överall joot klinge“, intonierten sie und heizten der ganzen Schar trotz frostiger Temperaturen ordentlich ein. Prinzessin und Garde-Trainerin Maike I. forderte schließlich auch „ihre“ Truppe, die Kallbachmücken, zum Tanz auf. Sie begeisterten ebenso wie die tanzenden „Möhne“, ohne die der Kaller Wieverdonnerstag nur halb so schön wäre. So konnte auch diesmal ihrem Tanz zu Ehren der Tollitäten keiner widerstehen und schon bald tanzten alle gemeinsam auf dem Rathausvorplatz – mit einem folgenden „Ausfallschritt“ in den Ratssaal. Dorthin nämlich lud Guido Keutgen im Namen des Bürgermeisters alle zum Weiterfeiern ein. Nicht allerdings ohne dem ersten Bürger Kalls, der wegen eines Trauerfalls alle karnevalistischen Termine abgesagt hatte, einen herzlichen Gruß zu senden: „Wir hoffen, im nächsten Jahr ist er wieder dabei!“  red/pp/Agentur ProfiPress