Glück im Spiel… ein kurzer historischer Überblick

Glücksspiel ist eine vergleichsweise neue Erfindung? Falsch. Tatsächlich begleitet es den Menschen seit seinen Anfängen.

Was denkt man sich beim Begriff Glücksspiel? Edle Garderobe, ein sirrendes Roulette-Rad, schwere Holztische mit Filzbezug, blinkende Automaten. Dinge, die definitiv neuzeitlicher Natur sind – etwa die Spielbank in Bad Neuenahr Ahrweiler. Ja, stimmt auch, viele Erscheinungen im Bereich des Glücksspiels sind neue bis neueste Erfindungen. Der bei uns jüngste Punkt der langen Liste neuer Entwicklungen kam 2015, als ein spezielles Casino gegründet wurde – das DrückGlück-Casino ist eines der ersten Online-Casinos mit deutscher Lizenz und seine Gründung markierte ein Novum in unserem Land. Aber: Glücks-spiel ist dennoch keine moderne Erfindung. Es kann eine sehr, sehr lange Linie zurück in die Urzeiten des modernen Menschen ziehen. 

5500 v. Chr.

Wie bei allen Ereignissen, die derartig weit zurückliegen, sind die Jahreszahlen nur mit Vorsicht zu ge-nießen. Für Europa sprechen wir hier deshalb besser von der Wechselphase zwischen Mittel- und Jung-steinzeit. 

Es ist die Zeit der ersten großen Hochkulturen. Bei uns die der sogenannten Linearbandkeramik. Eine Kultur, deren Name durch die auffälligen Verzierungen ihrer Keramik-Gegenstände entstand. 

Allerdings vermuten Forscher zumindest, dass auch die Linearbandkeramiker um das Glück spielten. Zumindest deuten Knochenfunde darauf hin, die als mehrseitige Würfel interpretiert werden können. Dazu gehören auch weitere Funde, die wegen ihrer Gleichförmigkeit eine Interpretation als Zutaten des sogenannten Knochenspiels zulassen – einem weit verbreiteten, heute aber fälschlicherweise nur der Mongolei zugesprochenen Geschicklichkeitsspiel.

3000 v. Chr.

In heißen, trockenen Gebieten bleibt vieles, was vom „Staub der Zeit“ bedeckt wird, besser erhalten. Für das Gebiet von Mesopotamien gibt es deshalb keine Zweifel, dass dort vor 5000 Jahren bereits gewür-felt wurde. Man fand sechsseitige Knochenwürfel, die unstrittig als diese gedeutet werden, auch wegen der bereits eingearbeiteten Augen. 

Ähnliche Funde stammen auch aus Indien und Ägypten. Dort waren die Würfel zunächst stabförmig, und deshalb auch nur zweiseitig.

1200 v. Chr.

Abermals auf dem Gebiet des heutigen Nahen Ostens entstanden die ersten Brettspiele. Diese lassen in Grundzügen eine gewisse Ähnlichkeit zum heutigen Backgammon vermuten – allerdings verwehrt sich die Wissenschaft dagegen, sie als Wurzeln dieses Spiels zu sehen; dazu sind die Gemeinsamkeiten zu gering. 

676 v. Chr.

Im antiken Griechenland bildete sich erstmals eine richtige Glücksspielkultur heraus. In deren Rahmen trafen sich Spieler bereits in speziellen Stätten. Bekannt war vor allem der Tempel der Athena Skira auf Salamis.

Interessant ist dieses konkrete Datum jedoch aus einem anderen Grund: In diesem Jahr wurden wäh-rend der 23. Olympischen Spiele des Altertums erstmalig Pferderennen abgehalten – auf die nachweis-lich gewettet wurde.

300 v. Chr.

Im aufstrebenden Rom grassierte das Glücksspiel so sehr, dass man sich genötigt sah, die Lex Alearia zu erlassen – nach heutigem Wissensstand das erste Anti-Glücksspiel-Gesetz. Es untersagte die vielen da-mals gebräuchlichen Würfelspiele und führte drakonische Strafen zwischen dem Zahlen des mehrfachen Einsatzes bis zum Exil ein. Auch ist bekannt, dass sich während der gesamten römischen Epoche die jeweils trendigen Spiele durch das ganze Reich verteilten – und so auch zu uns bis in die entlegensten Stellen des Limes kamen. 

79

Pompeji wurde verschüttet. Wie so oft erwies sich diese Tragödie für die heutige Geschichtswissen-schaft als enorm wertvoll. Denn so blieb eine antike Zeichnung erhalten, die als ältester Bildnachweis eines Brettspiels gilt. 

800

Mit dem Niedergang der (west-)römischen Kultur verschwimmen in den folgenden Jahrhunderten auch die Spuren des Glücksspiels. Was allerdings schon aus dem Frühmittelalter bekannt ist, ist Hnefatafl.

Nein, kein Schreibfehler. Sondern eine Art Proto-Schach, das in Wikingerkreisen gespielt und von diesen auf ihren Fahrten durch ganz Europa verbreitet wurde. 

1367

Die bisherigen Glücksspiele waren eher handfester Natur. Allerdings darf man nicht die technische Ent-wicklung vernachlässigen, namentlich Pappe und Papier. Obwohl vermutet wird, dass in unseren Breiten schon früher Kartenspiele gespielt wurden, datiert die erste seriöse Erwähnung aus dem genannten Jahr – die Stadt Bern, von der noch damalige Unterlagen vorhanden sind, verbot es unter Strafandrohung.

1600er

Nachdem im Mittelalter immer wieder von weltlichen und geistlichen Führern versucht worden war, Glücksspiele als unmoralisch zu verbieten, kommt es im Zuge der fortschreitenden Renaissance zu ei-nem Umdenken. Denn Kriege sorgten immer wieder für enormes Elend.

Ein Mittel dagegen: Die Einführung staatlicher Lotterien. Diese sollten zusätzliche Einnahmen generie-ren, die wiederum zum Wiederaufbau der verheerten Länder/Herrschaftsbereiche verwendet wurden. Zwar waren die Systeme naturgemäß unausgereift und dauerten sehr lang, teils Jahre. Aber sie waren durchaus erfolgversprechend. 

1647

Die englische Kolonie Massachusetts (heutige USA) erließ den sogenannten Old Deluder Satan Act und brachte damit das erste nachweisliche Glücksspielverbot in die „neue Welt“.

1658

Der Mathematiker Blaise Pascal verfasste zwei Werke:

  • Histoire de la roulette
  • Suite de l’histoire de la roulette

Damit legt der Wahrscheinlichkeitsrechner mehrere wichtige mathematische Grundlagen für das Spiel – obwohl er nicht dessen Erfinder ist. Das Roulette-Spiel entstammt zwar dem gleichen Zeitraum, wurde aber mutmaßlich von Italien aus in die Welt verbreitet.

Frühe 1800er

Die Feldzüge Napoleons sowie die Einrichtung französischer Gesetzgebung in den eroberten Gebieten sorgten dafür, dass europaweit Glücksspielverbote gestrichen wurden. Unzählige Casinos entstanden und wurden auch in höchsten Gesellschaftsschichten ein wahrer Renner. 

1856

Charles III., Fürst von Monaco, plagte sich mit leeren Staatskassen. Also legte er den Grundstein für ein konzessionsbasierendes Casino in Monte Carlo. Das musste zwar nach nur einem Jahr schließen. Doch der ein weiteres Jahr darauf begonnene Neubau wurde nach seiner Eröffnung 1863 langsam zu einem enormen Erfolg. 

1872

Nach der Reichsgründung verbot Deutschland innerhalb seiner Landesgrenzen vollständig den Betrieb von Spielhallen jeglicher Art.

1887

Charles August Fey erfand in den USA eine Maschine namens Liberty Bell. Nach Einwurf von Geld und Ziehen eines Hebels begannen drei Symbolscheiben zu rotieren. Zeigten alle drei die Freiheitsglocke an, gewann der Spieler drei Dollar – heute gut 80 Dollar. Der „einarmige Bandit“ war geboren, wurde schnell zum Renner und bleibt bis heute nahezu unverändert in seinem Aufbau – auch wenn die Mecha-nik heutzutage anders ist. 

1931

Las Vegas wurde wegen des Baus des Hoover Staudammes von einem kleinen Wüstennest zu einer be-deutenden Arbeiterstadt. Um mehr Geld zu haben, legalisierte der Staat Nevada Glücksspiel. In diesem Jahr bekam der Northern Club in Las Vegas die erste Lizenz – dem Vernehmen nach, weil es dort schon zuvor die größte illegale Glücksspielszene des Landes gegeben hatte. 

1963

Abermals in den USA wurde die Money Honey erfunden. Der erste elektromechanische Spielautomat und somit Prototyp aller heutigen Slot Machines.

1994

Die britische Firma Microgaming eröffnete auf der Isle of Man das mutmaßlich erste Online-Casino der Welt. Später wurde das Unternehmen zu einem wichtigen Software-Entwickler für die Szene. 

Die letzte Jahreszahl sollte sich der geneigte Leser übrigens gut merken. Denn in Deutschland ist es auch 26 Jahre später immer noch nicht möglich, nach deutschem Recht online zu spielen – das geht nur, weil die EU es legalisiert hat und EU-Recht über nationalem Recht steht… Doch auch das kann sich schon bald ändern: Laut neuem Gesetz können Online Casinos ab 2021 in Deutschland legal werden.

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