Was wird teurer? Was wird billiger? Eine Zwischenbilanz

Zu Beginn des Jahres boten die Redakteure von Capital einen spannenden Ausblick auf das Jahr 2020 und erklärten: Einiges werde teurer, anderes wiederum könne sogar im Preis fallen. Das Bahnfahren wird um zehn Prozent günstiger. Grund dafür sei die reduzierte Mehrwertsteuer. Flugreisen werden hingegen aufgrund der Luftverkehrssteuer teurer – und zwar je nach zurückgelegter Strecke. Zudem könnte die Corona-Krise das Reisen im Gesamten deutlich teurer machen, falls dies überhaupt kurzfristig wieder möglich ist.

Abbildung 1: Der Mindestlohn und das Arbeitslosengeld steigen. Das erklärten Experten zu Beginn des Jahres. Aktuell jedoch steigen vor allem die Preise für Lebensmittel und viele Arbeitnehmer stehen auf der Straße oder arbeiten in Kurzarbeit.

Mehr Geld in der Tasche könnten Arbeitnehmer in schlecht bezahlten Jobs haben, denn der Mindestlohn wurde auf 9,35 Euro pro Stunde angehoben, auch das Arbeitslosengeld steigt um 1,88 Prozent. Wer im Ehrenamt aktiv ist, kann sich über Steuervergünstigen freuen. Dass die aktuelle wirtschaftliche Situation aufgrund der Corona-Krise eine andere sein könnte, ist zu erwarten. Weitere Kostentäler und -gipfel, die mehr oder weniger zu erwarten waren, seien nun schlaglichtartig in diesem Beitrag erwähnt.

Der Spritpreis sinkt, doch gefahren wird ohnehin weniger

Abbildung 2: Die Spritkosten fallen, denn der Absatz ist deutlich eingebrochen. Die Mobilität sinkt, was auch bedeutet, dass nur wenige von den niedrigen Spritkosten profitieren.

Der Ölpreis befindet sich im Tiefflug, was vor allem Vielfahrer freuen dürfte, denn nicht nur der Preis für Heizöl sinkt, sondern auch die Kosten für den Sprit, berichtet die Tagesschau. Dass davon aktuell vor allem Pendler profitieren, liegt an der noch vergleichsweise geringen Mobilität, die in Deutschland herrscht. Zwar gehen die Deutschen, wenn möglich, ihrer Arbeit nach, doch viele wechselten ins Home-Office und inwiefern Urlaub im eigenen Land gemacht werden wird, steht noch in den Sternen. Nur wer es sich leisten kann, denkt an die reguläre, freie Zeit an den beliebten Urlaubsorten des Landes. 

Andere wiederum verschwenden keinen Gedanken ans Geldausgeben, sondern müssen zusehen, wie sie trotz der veränderten wirtschaftlichen Lage über die Runden kommen. Durch Kurzarbeit und Arbeitsplatzverlust prognostizieren Experten einen Schwund an Kaufkraft und einen Anstieg an Kreditanfragen, die beispielsweise an Smava und andere Anbieter gerichtet werden. Die Verbraucherzentrale gibt online praktische Tipps, wie anstehende Zahlungen für Energieversorgung, Versicherungen, Kredite und Mieten geleistet werden können, und wie Kredite mit Bedacht eingesetzt werden sollten, um keinen riesen Berg an Zahlungsverpflichtungen anzuhäufen, der sich langfristig nicht mehr abtragen lässt.

Lebensmittel werden teurer, doch aus anderen Gründen wie einst noch gefordert

Das, was tagtäglich gebraucht wird, könnte künftig teurer werden. Das befürchten Experten. In der Vergangenheit sah dieser Trend noch anders aus. Milch für Cent-Beträge und günstiges Fleisch, weil Verbraucher sich nur wenig für die Haltungsbedingungen der Tiere interessieren, wurden bis dato vor allem seitens der Hersteller angeprangert. Die Landwirte monierten die Spottpreise, die sie für ihre Waren bekamen – obgleich sie immer mehr Auflagen zu erfüllen haben. Doch was wird eigentlich teurer? Die Problematik liegt grundsätzlich darin begründet, dass Lidl, Edeka, Aldi und Rewe gemeinsam etwa 85 Prozent des Lebensmittelmarktes kontrollieren würden und damit auch eine erklärte Preis- und Großmacht sind, wenn es um den Einkauf geht. Wer bei diesen vier Unternehmen nicht gelistet ist, hat es schwer, was auch bedeutet: Wenn ein Erzeuger ins Gespräch mit diesen Riesen geht, ist das ein Konstrukt wie bei David gegen Goliath. 

Abbildung 3: Vor allem im Lebensmittel lässt sich ein Ungleichgewicht beobachten: Kartoffeln und auch Fleisch gibt es zu günstigen Preisen. Hier fehlen die Abnehmer aus Gastronomie und der Export. Frischwaren, wie etwa Obst und Gemüse, sind hingegen deutlich teurer geworden.

Der Druck wächst jedoch nicht nur auf die Kleinen, sondern auch auf große Marken wie Nestlé und Co. Mit größter Mühe werden auch sie partiell boykottiert, was deutlich anstrengender für die Supermärkte ist, als einen vergleichsweise kleinen Erzeuger im Preis zu drücken. Doch auch wenn zunehmend die Stimmen und Forderungen der Erzeuger die Märkte durchdringen, so bleibt die Tatsache doch oftmals ungehört, dass einem Erzeuger von einem Verkaufspreis von einem Euro gerade mal 20 Cent bleiben. Für viele Lebensmittel ließe sich in der Herstellung dieser Preis selbst dann nicht verwirklichen, wenn argumentiert wird, dass günstige Preise über eine entsprechend hohe Quantität zu erreichen wären. 

Erschwerend hinzu kommt nun auch die Problematik, dass sich die Essensgewohnheiten und der Absatz der Lebensmittel in Gastronomiebetrieben verändert haben, was ganz konkret diese Frage aufwirft: Der Bedarf an Pommes ist rapide in den Keller gefallen – doch was passiert mit den ganzen Kartoffeln, die extra dafür angebaut und geliefert wurden? Um 12 Prozent gesunken ist der Preis für Kartoffeln, auch die Preise für Fleisch sind gesunken, weil inländische Großabnehmer (=Gastronomiebetriebe) fehlen und der Export stagniert. Darüber hinaus lässt sich eine deutliche Preissteigerung in puncto Frischwaren beobachten. Die Preise für Obst und Gemüse sind um durchschnittlich 30 Prozent gestiegen. Grund für die teuren Frischwaren sind einerseits die Hygienebedingungen, die verschärft und teurer wurden. Zudem fehlen vielerorts Erntehelfer, was ebenfalls die Preise in die Höhe treibt.

Abbildung 1: pixabay.com © wir_sind_klein (CC0 Public Domain

Abbildung 2: pixabay.com © Skitterphoto (CC0 Public Domain

Abbildung 3: pixabay.com © nadinheli22 (CC0 Public Domain