Mehr als die Hälfte aller deutschen Spieler vermeidet lizenzierte Casinos

Als im Juli 2022 die vierte Ausbesserung des Glücksspielstaatsvertrags in Kraft trat, hätte eigentlich eine neue Ära anbrechen sollen. Die Regelung schrieb den Verbraucherschutz groß, würdigte aber gleichzeitig die Realität auf dem Markt und die öffentliche Meinung. Das nahmen die meisten Beteiligten zumindest an – ein Jahr später kommen aber immer größere Zweifel auf. Denn einer Befragung zufolge bevorzugen 58 % aller deutschen Spieler ein Casino mit einer ausländischen Lizenz, zum Beispiel aus Curaçao, und die Behörden können nicht viel dagegen unternehmen. 

Probleme mit dem Glücksspielstaatsvertrag

Der Grund hierfür ist, dass die deutschen Regelungen äußerst restriktiv sind. Als sie in Kraft traten, verschwanden auf einen Schlag Spiele wie Roulette, Blackjack oder Craps aus deutschen Online Casinos, erlaubt sind seither nur noch Video Slots. Die sind zwar ohnehin die beliebteste Form des Glücksspiels im Internet, allerdings hat der Gesetzgeber auch hier eingegriffen und genaue Vorgaben für die Spielgestaltung erlassen. Casinos, die in Deutschland lizenziert sind, müssen den Höchsteinsatz auf einen Euro begrenzen, Autospin- und Turbofeatures deaktivieren und dürfen keine Jackpot Slots mehr anbieten. Außerdem gibt es ein monatliches Einzahlungslimit in Höhe von 1.000 Euro, das gerade bei zahlungskräftigeren Spielern für Unmut sorgt. Diese Regeln sollen Spielerschutz auf hohem Niveau garantieren. In der Theorie wären sie dazu auch geeignet, auch wenn sie neben der Minderheit der Problemspieler auch alle übrigen Spieler betreffen. Allerdings erweist sich die Durchsetzung als schwierig.

Ein internationaler Markt

Denn im Cyberspace haben Landesgrenzen kaum eine Bedeutung. Es gibt Hunderte von Seiten, die Online Glücksspiel Dienste anbieten, Dutzende von nationalen Behörden, die Lizenzen vergeben, und unzählige Nutzerbewertungen. Daher kann ein Casino auch ohne deutsche Lizenz unter Beweis stellen, dass es sich rechtskonform verhält und vertrauenswürdig ist. Und Spielern fällt es ebenso leicht, sich in einem ausländischen Casino anzumelden, wie in einem deutschen. Und die internationalen Anbieter haben viele Vorteile zu bieten. Die Spielauswahl ist dort deutlich größer und umfasst neben Tischspielen auch die sogenannten Live Casinospiele, die per Videostream übertragen werden. Bei Videoslots steht eine größere Vielfalt an Funktionen zur Verfügung und es können höhere Beträge eingesetzt werden. Das ausschlaggebende Argument für viele Nutzer dürften aber die besseren Gewinnchancen sein. Denn aufgrund einer geringeren Steuerlast zahlen viele ausländische Casinos im Durchschnitt höhere Gewinne aus.

Wie reagieren die Behörden?

Die Behörden üben sich bislang im Schweigen zu dieser Entwicklung. Die hochgesteckten Ziele der Reform sind offensichtlich verfehlt worden. Von Spielerschutz kann nicht die Rede sein, wenn jeder einfach auf ausländische Plattformen ausweichen kann, und bei einem Marktanteil von weniger als 50 % für deutsche Casinos bleiben auch die Steuereinnahmen weit hinter den Erwartungen zurück. Im Grunde genommen gibt es zwei mögliche Handlungsansätze für die Behörden: Sie können entweder versuchen, den Zugriff auf ausländische Plattformen durch Netzsperren zu unterbinden. Allerdings wäre das ein schwerwiegender und bislang einmaliger Eingriff in die Grundrechte, der zudem nur bedingt effektiv wäre. Die andere Option besteht darin, nachzubessern. Eine nutzerfreundlichere Gestaltung könnte beispielsweise darin bestehen, die Besteuerung zu verändern und die Maßnahmen zum Spielerschutz stärker auf Problemspieler zu konzentrieren.