WM-Hype in der Region: Kommt im Winter die richtige Stimmung auf?

Kaum eine andere Weltmeisterschaft wurde im Vorfeld so stark diskutiert wie die Weltmeisterschaft in Katar. Erstmals in der Geschichte findet das große Turnier nicht im Sommer, sondern im Winter statt. Die Temperaturen im Wüstenstaat Katar machen eine Austragung in den Sommermonaten unmöglich.

Wie ist es um die Fußballstimmung in der Region bestimmt? Klar ist, dass der beste Wettanbieter bereits alle Hände voll zu tun hat, um passende Bonusangebote für die Fans zusammenzustellen und die Ermittlung der Quoten vorzunehmen. Doch auch Sportsbars und sogar Weihnachtsmärkte stellen sich darauf, am möglichen Hype rund um die WM zu profitieren.

Es gibt viel zu erledigen, bevor es letztlich losgeht. Doch wird der Winter für die Fans womöglich zum Stimmungskiller? Das muss nicht sein, ist aber auch nicht auszuschließen.

Public Viewing könnte zum Stimmungs-Booster werden

Fußball und Sommer gehören für die meisten Fans zusammen. Normalerweise finden WM-Turniere in den Monaten Juni und Juli statt. Bei einer Höchsttemperatur von 23 °C im Juli ist optimales Fußballwetter gegeben. Bei Bier, Bratwurst und Live-Übertragung kommt schnell die richtige Stimmung auf. Ist das auch während der besinnlichen Weihnachtszeit umsetzbar?

Hier könnte Public Viewing ein entscheidender Faktor sein. Gute Stimmung kommt in der Gruppe schneller auf als allein. Nicht umsonst sind es bei den großen Turnieren die öffentlichen Plätze, die von Tausenden Fans besucht werden. Aber ist ein Outdoor-Event bei diesen Temperaturen im Winter überhaupt stemmbar? Theoretisch schon, immerhin besuchen Menschen auch Weihnachtsmärkte und halten sich hier stundenlang im Freien auf.

Doch die Diskussionen zeigen, dass hier noch lange keine endgültige Entscheidung gefällt wurde. Ob in Bad Kreuznach oder anderen Orten in Deutschland tatsächlich öffentlich übertragen wird, steht auch Stand Oktober 2022 noch in den Sternen. Aus der Landeshauptstadt Hessens ist bereits bekannt, dass in diesem Jahr auf das öffentliche Szenario verzichtet werden soll.

Häufig ist auch das Argument zu hören, dass Fußball nicht zur Weihnachtszeit passt. Fans hingegen sehen diese Ausrede als vorgeschoben. Auch Konzerte und andere Veranstaltungen finden in der Weihnachtszeit statt und werden ebenfalls rege besucht.

Fußball-Kneipen spielen eine besondere Rolle

Eine wichtige Rolle werden die Fußball-Kneipen der Region zur WM 2022 einnehmen. Sie sind der warme Ort für jene, die gemeinsam mit anderen Menschen Fußball schauen möchten. Die Sky-Sportsbar machen bereits alles fertig, rechtzeitig für den Start der WM Ende November. Es wird sich zeigen, wie rege die Nachfrage ist. Tatsächlich gibt es in der Bundesrepublik auch bei Gastronomen massive Unsicherheit bezüglich der WM.

Während es bei den vergangenen Turnieren in vielen Gaststätten Tradition war, Fußball zu schauen, boykottieren viele Restaurants die WM in Katar, in Köln gibt es eine ganze Boykott-Welle. Wer Fan ist, wird sich aber nicht vom Turnier abhalten lassen, auch wenn es in der Weihnachtszeit stattfindet. Und genau das wird nach Meinung vieler Fußballfans die Kneipen in der Region aufleben lassen.

Wer nach dem Weihnachtsmarkt noch nicht nach Hause gehen möchte, kann dort gemeinsam mit seinen Freunden oder fremden Menschen Fußball schauen. Trotz der Zeitverschiebung zwischen Katar und Deutschland finden die Spiele zu Zeitpunkten statt, die auch hier realisierbar sind.

Weihnachten und Fußball, die Mischung macht es

Passen Weihnachten & Fußball zusammen? Die WM findet in der Hochzeit der Besinnlichkeit statt. Normalerweise gehören Aktivitäten wie Plätzchenbacken und Adventsbasteln zur Alltagsgestaltung im November und Dezember. Lässt es sich da vereinbaren, dass an anderer Ecke gejubelt und gesungen wird? Da es diesbezüglich keine praktischen Erfahrungen gibt, kann nur spekuliert werden.

Viele Gastronomen haben Angst, dass die Ausrichtung von Public Viewing die Gäste vertreiben könnte. So gaben Lokalbetreiber bereits an, dass die Gäste und ihr Verhalten in der Weihnachtszeit verändert sind. Es wird Wert auf Ruhe und Besinnlichkeit gelegt. Laute Gesänge im Stadion und Torjubel passen nicht. Höchstwahrscheinlich ist somit nicht davon auszugehen, dass an vielen Orten Weihnachten & Fußball miteinander verknüpft werden.

Theoretisch wäre Public Viewing auf dem Weihnachtsmarkt denkbar, aber haben die Standbetreiber den Mut? Geplant ist das in der VW-Stadt Wolfsburg. Hier hat sich das City-Management dazu entschieden, auf dem Markt Public Viewing anzubieten. Wie gut das ankommt? Darauf kann niemand antworten.

Vielleicht entscheiden sich einige Standbetreiber in der Region auch erst nach den ersten Spielen für die Bereitstellung von PV. Immerhin wird ein Blick auf die Einschaltquoten zeigen, wie hoch das WM-Interesse im Winter wirklich ist.

Kälte könnte Straßenfeiern reduzieren

Es ist fast eine Tradition, dass nach Fußballspielen bei WM und EM stundenlang Autokorsos durch die Straßen ziehen und Menschen miteinander feiern. Aber wie denkbar ist das, wenn die Witterungsbedingungen schlecht sind? Schon im Sommer sind Unfälle und Staus durch Autokorsos ein Risiko. Wenn nun auch noch Glatteis herrscht und die Straßen nicht geräumt wurden, ist ein Autokorso undenkbar.

Es ist nicht davon auszugehen, dass die gleiche Aktivität auf den Straßen herrschen wird, wie in den Sommermonaten. Dort ist es kein Problem, in kurzer Hose und T-Shirt einfach spontan herauszulaufen und mitzufeiern. Wer im Winter bequem auf dem Sofa die Spiele schaut und sich über den Sieg freut, muss sich erst einmal anziehen, um herauszugehen. Da könnte die Motivation dann schnell verflogen sein.

Allerdings gibt es auch ein klares Pro zur WM im Winter. Die Menschen sind deutlich häufiger Zuhause, da die Freizeitbeschäftigungen draußen in der Kälte abnehmen. Das könnte zum vermehrten Zuschalten am Fernseher kommen. Dann wird eben nicht auf der Leinwand im Biergarten geschaut, sondern allein Zuhause oder mit Freunden. Die Einschaltquoten nach den ersten Spielen werden zeigen, ob die Entscheidung zur WM im Winter eine gute war.

Fazit: Unsicherheiten bezüglich der Fußball-WM 2022

Die WM im Winter auszutragen, war eine mutige Entscheidung. Bis jetzt kann nicht abgesehen werden, welche Auswirkungen das hat. Fußballfans werden sich auch in der kalten Jahreszeit nicht von ihrem Hobby abbringen lassen. Dem steht allerdings entgegen, dass Deutsche sehr für ihre Liebe zu Traditionen bekannt sind. Wer also normalerweise am Adventssonntag mit der Familie backt und Filme schaut, könnte in die Bredouille kommen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Zufriedenheit mit dem Austragungsort Katar äußerst gering ist. Dem Land werden zahlreiche Verletzungen der Menschenrechte vorgeworfen. Das ist mit ein Grund, warum Veranstalter zurückhaltend sind. Auch im Bereich der Gastronomie große Unsicherheit herrscht. Niemand möchte seine Gäste mit Fußball verprellen, wenn diese eigentlich auf der Suche nach ein bisschen besinnlicher Ruhe sind.

 

Meistgelesen