Gerade Jugendliche aus der ländlichen Eifel, die zwar landschaftlich reizvoll, aber eben nicht sonderlich kosmopolitisch ist, erträumen sich gern eine Zukunft als Spieleentwickler oder App-Programmierer, mit denen ihnen die ganze Welt offenstünde. Sind das wirklich die Traumberufe, für die sie häufig gehalten werden?

Markus Malti muss es wissen, denn er hat bei den verschiedensten Spiele-Herstellern gearbeitet und kennt das Business und seine Höhen und Tiefen wie seine Westentasche. Auch wenn Games und Apps im Leben vieler Menschen eine große Bedeutung haben, müssen alle Produzenten stets am Ball bleiben, um im Wettlauf gegen ihre Mitbewerber bestehen zu können. Die rasante Entwicklung im Games- und Appbereich macht es nötig, dass man die aktuellen Trends nicht nur erfasst und aufgreift – im besten Fall setzt man selbst Trends und gestaltet dadurch die Zukunft mit. Das erfordert jedoch Mittel und Know-how, die erst einmal erwirtschaftet werden müssen, bevor man sie einsetzen kann. Markus Malti hat die verschiedensten Umbrüche erlebt und auf verschiedenen „Seiten“ gearbeitet – sowohl als Angestellter als auch als Unternehmer. 

Malti war unter anderem bei großen Firmen wie Procter & Gamble, Sega, der französischen Telekom und RTL in den Bereichen tätig und sammelte dort Erfahrungen in den Bereich Marketing, Business Development, 

Verkauf und Strategie. Ab 2006 war er selbstständig und baute ein „Free to play“-Publishing auf. Das System beruht darauf, dass Spiele kostenlos genutzt werden können, was zum Beispiel durch Werbeeinblendungen finanziert werden kann. Markus Malti ist heute Geschäftsführer der Freemium GmbH und Prokurist bei Covus Ventures, welche die 100-prozentige Mutter von Freemium ist. Die Anteile am „Free to play“-Publisher hat Markus Malti nach anderthalb Jahren verkauft.

Wie können Apps und Games am Markt bestehen?

Markus Malti weiß nach seinen vielen Jahren Berufserfahrung in der Ad-Tech Branche genau, worauf es ankommt. Die Branche entwickelt sich, die Games entwickeln sich und die Kunden ebenso. Es gibt immer wieder neue Ansprüche und neue Herausforderungen zu meistern, wenn es darum geht, neue Kunden zu generieren. Denn auf „beiden Seiten“ einer App, also aufseiten des Anbieters und aufseiten des Nutzers, gibt es verschiedene Interessen. Der Nutzer möchte seine Anwendungen gerne kostenlos oder sehr günstig verwenden können, der Anbieter möchte natürlich einen Gewinn generieren. Wie kann ein Nutzer nun erfahren, dass ein Anbieter das passende Game für ihn bereitstellt, das er nich verpassen darf? Das kann nur über Werbung und Aktionen funktionieren. Es kostet also Geld, Kunden zu generieren, und diese Kosten müssen immer kleiner sein als die Umsätze, die durch die Kunden erzielt werden. Dabei wird natürlich auch einberechnet, dass ein Kunden nicht nur ein einziges Mal eine Umsatz erzeugt, sondern dass es eine Customer Lifetime Value gibt. Das bedeutet, das Ziel ist natürlich nicht nur, neue Menschen für Spiele und Apps zu begeistern, sondern auch, diese Kunden dauerhaft zu binden. Genau das ist eine der größten Herausforderungen, denen sich auch Markus Malti um Laufe seiner Karriere immer wieder gern gestellt hat und immer noch stellt.

Der Markt ist – wie alle Märkte – einem schnellen Wandel unterworfen 

Die großen Umbrüche hat Markus Malti alle miterleben können. Zunächst einmal war da der Trend weg von den Spielekonsolen und hin zu den Browser Games. Beide sind immer noch da und haben ihre Fans, doch Smartphones und mobile Apps beanspruchen ihr Stück von dem Kuchen. Zudem sind große Player am Markt, mit denen sich alle Unternehmen auseinandersetzen müssen. Diese Player sind Facebook, Google und Amazon, die in ihren eigenen Ökosystemen agieren. Markus Malti war und ist immer daran interessiert, neben diesen Playern bestehen zu können und Apps und Games auf den Markt zu bringen, die sich für ihre Herausgeber und die Anwender lohnen. Das bedeutet, dass sie gut monetarisiert werden können und zudem eine Menge Spaß machen.

Spiele-Entwicklung kann man heute studieren

Auch wenn viele junge Leute davon träumen, Games zu kreieren bedeutet nicht nur Zocken. Wie am Beispiel Markus Malti zu erkennen war, muss jedes Game und jede App auf einem Markt bestehen, der sich dauernd wandelt. Wen die unternehmerische Seite dieses Marktes weniger interessiert, weil er sich tatsächlich nur für die Entwicklung und Programmierung interessiert, der kann diesen Beruf heute auch studieren. Das ist sowohl an Universitäten als auch bei privaten Anbietern möglich. Dadurch ergeben sich verschiedene Anforderungen. An manchen Instituten ist die allgemeine Hochschulreife gefordert, an anderen kann auch mit Fachhochschulreife studiert werden. Viele Anbieter nehmen Eignungstests vor oder lassen sich Arbeitsproben zeigen.

Welche persönlichen Voraussetzungen braucht man als Gamedesigner?

Natürlich sollte man kreativ sein, aber auch technisch firm. Man benötigt eine große Affinität sowohl zu Informatik als sich zu Kunst. Im Bereich der Game- und Appentwicklung wird häufig mit knappen Deadlines gearbeitet, man muss also in der Lage sein, auch unter Zeitdruck gut zu arbeiten. Gute Englischkenntnisse sind ebenfalls vonnöten, da es die erforderliche Fachliteratur meist nur auf Englisch gibt.

Die Berufsaussichten sind gut, die Spielebranche wächst weiterhin. Wie in vielen anderen Berufen stetig man an leichtesten über ein Praktikum ein. Natürlich kann man sich auch selbstständig machen und damit in die Fußstapfen von Markus Malti treten. Doch auch der Weg in die große weite Welt ist möglich, denn gerade in den USA haben Spieleentwickler gute Chancen auf tolle Jobs mit einem guten Verdienst.