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Geronto-Clowns: Mit Humor gegen die Klinik-Tristesse

Das Modellprojekt Geronto-Clowns soll Menschen mit Demenz den Aufenthalt im Krankenhaus erleichtern. Der Ahrtaler WochenSpiegel hat zwei Clowns bei ihrem »Auftritt« begleitet.
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Das Geronto-Clown-Duo »Liesel und Lotte«, alias Christine Schwingel (re., Grafschaft-Birresdorf) und Melanie Laux (li,. aus Ochtendung), bei seinem »Auftritt« in der geriatrischen Ambulanz des Krankenhauses Maria Hilf  in Bad Neuenahr. Foto: Scholl

Das Geronto-Clown-Duo »Liesel und Lotte«, alias Christine Schwingel (re., Grafschaft-Birresdorf) und Melanie Laux (li,. aus Ochtendung), bei seinem »Auftritt« in der geriatrischen Ambulanz des Krankenhauses Maria Hilf in Bad Neuenahr. Foto: Scholl

»Was gab es den heute zu Mittag«, fragt Clown »Liesel« die Patientin Christel S. Die Antwort kommt prompt: »Leipziger Allerlei«. »Sind da auch Gänseblümchen drin? Die mag ich so gerne«, fragt Liesels Clownkollegin Lotte mit einem breiten Grinsen. Christel S. kontert und lächelt: »Da ist allerlei drin«. Zwischen den beiden Geronto-Clowns und der Patientin entwickelt sich ein munteres Gespräch, in dem sich beide Seiten nicht ganz ernst nehmen und viel gelacht wird. Man vergisst für eine Zeit, dass man sich in einem Krankenhaus befindet.

Immer neu auf das Publikum einlassen

Es ist das dritte Mal, dass Liesel und Lotte, die mit bürgerlichem Namen Christine Schwingel und Melanie Laux heißen, in der geriatrischen Ambulanz des Krankenhauses Maria Hilf in Bad Neuenahr zu Besuch sind. »Wir haben keinen Plan«, antwortet Schwingel auf die Frage, ob sich die beiden auf ihre Besuche vorbereiten. »Das würde auch nichts bringen. Wir lassen uns jedes Mal neu auf unser ‚Publikum‘ ein«, erklärt Christine Schwingel. Dabei müssen die beiden Geronto-Clowns, die stets im Team unterwegs sind, garnicht unbedingt »Quatsch machen«. »Wir sind zwar kostümiert, aber manchmal singen wir auch gemeinsam bekannte Volkslieder,  machen ein bisschen Musik oder wir halten einfach nur die Hand eines Patienten«, erklärt Schwingel.

»Clown? Das kann ich!«

Aber was hat Melanie Laux alias »Lotte« dazu bewogen hat Geronto-Clown zu werden? »Ich habe schon lange nach einer Möglichkeit gesucht, mich ehrenamtlich einzubringen. Dann habe ich von diesem Projekt gelesen und mir gedacht – Clown? Das kann ich«, erzählt Laux. Christine Schwingel ist nicht nur Geronto-Clown, sondern auch Reiki-Meisterin. »Mit Menschen zu arbeiten ist für mich nichts Neues, aber ich habe festgestellt, wie viel Spaß es mir macht, mich für alten Menschen zu engagieren«, betont Schwingel. »Das schöne als Geronto-Clown ist, dass man, anders als das vielleicht bei Ärzten ist, völlig ohne Erwartung zu den Patienten geht. Dehalb haben wir einen ganz anderen Zugang zu diesen Menschen«, erklärt Melanie Laux. Für alle Beteiligten ergeben sich daraus ganz erstaunliche Begegnungen, da sind sich Liesel und Lotte einig. »Lachen und fröhlich sein ist gesund und ein guter Weg, mit Menschen in Kontakt zu kommen. Diese einfache wie wirkungsvolle und wissenschaftlich fundierte Erkenntnis liegt auch dem Modellprojekt Geronto-Clowns zu Grunde«, weiß Dr. Thomas Lepping, Chefarzt der Akutgeriatrie im Krankenhaus Maria Hilf. »Das war auch der Grund warum mich mit unserem Krankenhaus für das Projekt ‚Geronto-Clowns für Menschen mit Demenz im Krankenhaus‘ beworben habe. Auch wenn ich nicht wusste was uns erwartet, bin ich froh, dass wir den Zuschlag bekommen haben«, so Lepping.

Extra: Modellprojekt

16 Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz sind am Modellprojekt »Geronto-Clowns« beteiligt. Angeboten wurde die kostenlose die Ausbildung zum Geronto-Clown durch die Landseszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz (LZG).  Ob weitere Geronto-Clowns ausgebildet werden, entscheidet sich nach erfolgreichem Abschluss des Modellprojektes. Infos: www.lzg-rlp.de