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1. Mai zwischen Streik und Feiertag

Der 1. Mai ist in Deutschland und vielen anderen Ländern nicht nur ein gesetzlicher Feiertag, sondern als "Tag der Arbeit" auch in das kollektive Gedächtnis derjenigen Gesellschaften eingegangen, in denen sich Arbeiter organisierten und ihre Rechte erkämpften. Ausgangspunkt der Manifestation dieses gesellschaftspolitischen Datums ist die USA der 1880er Jahre – und der war gewaltsam.
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Der DGB veranstaltet die zentrale Kundgebung auf dem Hauptmarkt in Trier. Im vergangenen Jahr nahmen auch Ex-OB Klaus Jensen und Ministerpräsidentin Malu Dreyer (rechts vorn sitzend) daran teil. Foto: DGB

Der DGB veranstaltet die zentrale Kundgebung auf dem Hauptmarkt in Trier. Im vergangenen Jahr nahmen auch Ex-OB Klaus Jensen und Ministerpräsidentin Malu Dreyer (rechts vorn sitzend) daran teil. Foto: DGB

Organisiert von teilweise deutschstämmigen Anarchisten streikten 1886 in den USA rund 400.000 Arbeiter, um ihrer Forderung nach einem Acht-Stunden-Tag Nachdruck zu verleihen.

Ursprung in Chicago

Das übliche Tagespensum betrug damals zehn Stunden. Der 1. Mai war in den Vereinigten Staaten Ende des 19. Jahrhunderts zudem ein Stichtag, an dem Verträge endeten oder abgeschlossen wurden. An diesem so genannten "moving day" mussten folglich viele Arbeiter Job und Wohnort wechseln. Im Verlauf des Streiks kam es am 4. Mai zur Eskalation, als die Polizei eine friedliche Versammlung in Chicago stürmte und dabei mehr als 20 Arbeiter sowie sieben Polizisten ums Leben kamen. Dieses Ereignis ist unter anderem als Haymarket-Massaker in die Geschichte eingegangen. 1889 kamen in Paris sozialistische Gewerkschaften und Parteien aus der ganzen Welt zum zweiten Internationalen Arbeiterkongress zusammen. Hier beschlossen sie, sich den Plänen des Amerikanischen Arbeiterbundes für eine große internationale Demonstration am 1. Mai 1890 anzuschließen, um der Opfer des Haymarket-Massakers zu gedenken und für die Rechte der Arbeiterklasse zu demonstrieren. Im Mittelpunkt sollte die Forderung nach einem Acht-Stunden-Tag stehen.

Erst einmalig, dann Gesetz

Damit institutionalisierte sich der 1. Mai als ein zentraler Aktions- und Feiertag der Arbeiter weltweit. Gleichzeitig erhielt die rote Nelke ihr politisches Image als Arbeiterblume. Auch das damalige Deutsche Reich blieb von der Arbeiterbewegung nicht unberührt. Bereits 1863 gründete Ferdinand Lasalle in Leipzig die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), 1919 machte die Weimarer Nationalversammlung den 1. Mai zum Feiertag – allerdings nur einmalig. Ab diesem Zeitpunkt war der Maifeiertag nicht nur für die Sozialdemokratie ein bedeutendes Datum, sondern wird auch von den Kommunisten als "Kampftag der Arbeiterklasse" interpretiert. Erst im Dritten Reich wurde das Datum dann per Gesetz zur Regel bestimmt und als "Nationaler Feiertag des deutschen Volkes" entsprechend propagandistisch aufgeladen. Der 1. Mai spielte damit als politisches Datum im gesamten, damals relevanten Parteienspektrum eine wichtige Rolle. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bestätigte der Alliierte Kontrollrat 1946 den Feiertag. Mit der Gründung der DDR auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) trennen sich die Wege im Blick auf den Charakter des "Tags der Arbeit".

Unterschiedliche Traditionen

Während im Osten staatlich organisierte Demonstrationen und Militärparaden das Bild des 1. Mais prägten, nutzten im Westen vor allem Gewerkschaften den Tag für Massenkundgebungen mit wechselnden arbeits- und friedenspolitischen Schwerpunkten. Seit den 1980er Jahren kamen die Aktivitäten der radikalisierten autonomen Szene hinzu, die die öffentliche Aufmerksamkeit rund um den Feiertag als Anlass für so genannte "Mai Krawalle" nutzt beziehungsweise missbraucht (je nach politischem Standort) und damit heute für viele Fernsehzuschauer das Bild des 1. Mais prägt.

Marschiergeld in der DDR

Der Tag der Arbeit und die damit verbundene Erste-Mai-Demo war für viele DDR-Bürger ein Pflichttermin. Wer sich fünf Mark "Marschiergeld" hinzuverdienen und seiner Karriere keinen Schaden zufügen wollte, der steckte sich am 1. Mai eine rote Nelke an und ging mit zur organisierten Demonstration. Im Mittelpunkt stand dabei die Loyalitätsbekundung gegenüber der staatstragenden Monopolpartei SED. Doch bis zum Ende der DDR im Jahr 1990 hatte der Maifeiertag bereits eine beachtliche, mehr als 100 Jahre andauernde Karriere hingelegt.

Zentraler Tag

Auch wenn dieses historisch-politische Datum in Zeiten einer kleiner werdenden Arbeiterschaft nicht mehr über die Strahlkraft verfügt, wie zur damaligen Zeit, so ist und bleibt der 1. Mai ein zentraler Tag, an dem Gewerkschaften die Anliegen ihrer Mitglieder öffentlich Gehör verschaffen können. Und das auch in der Region Trier.

Kundgebung

  • Demonstration des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) am Mittwoch, 1. Mai.
  • Demonstrationszug startet um 11 Uhr auf dem Hauptmarkt.
  • Kundgebung auf dem Hauptmarkt ab 12 Uhr.
  • Motto: Für ein solidarisches und gerechtes Europa
JK


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